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Kultur und Volk : Beiträge zur Volkskunde aus Österreich, Bayern und der Schweiz ; Festschrift für Gustav Gugitz zum achtzigsten Geburtstag
Entstehung
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Eine schöne Sitte, zu deren Erneuerung guter Wille und rechter Sinngenügen würden, ist das Aufstellen des Klausentellers. In der Fa-milie von Altbürgermeister Wachter hatte jedes Kind seine besondereküpferne Klausenschüssel, die übers Jahr an einem Messingring auf derKammer hing. Aber auch wo nur eine große Plattenschüssel oder ein blumen-verzierter Teller zur Verfügung standen, da blieben diese doch das Jahrüber im gewöhnlichen Gebrauch die ehrfürchtig genannten Klausenteller,und es war ein großes Kinderleid, wenn sie Schaden nahmen. Auch einsauberes Tüchlein, ein schönes Sacktüchlein mit Zettel und Namen legtendie Kinder vor dem Schlafengehen am Heiligen Abend auf den großen Mon-tafonertisch in der Stube. Für Nüsse stand ein Strickerkörblein bereit. Indie Teller wurden die Klausenhölzer gelegt.

Die Christgaben waren einfach. Noch drängten sich nicht protzige undteure Geschenke anmaßend vor das Bild der Krippe. Apfel, Nüsse, Schnitz,vielleicht ein Kleid und für das Mädchen eine Puppe weckten höchste Freu-den. Nach altem Brauch war im Haus eine Bachete Weihnachtsbrot bereitetworden, der Zelten aus Weizenmehl mit Birnen, Nüssen, Feigen und aucheinem Sprutz" Schnaps. Ein großer Zelten galt der ganzen Familie, der wogzwei bis drei Kilo und trug in der Mitte auf einem kleinen Holzspieß einenroten Apfel. Für die Kinder gab es kleinere, die eigentlichen Klausenzelten,die beim Bäcker vier Kreuzer das Paar kosteten. Die Krönung war einGuglhupf. Anderes Gebackene kannte man nicht. Wenn eine Birkenrute, gareine Dararuata" vom Hagebuttenstrauch auf dem Teller lag, gab es an-deres nicht. Das war konsequente Pädagogik.

Bis nach der Heiligen Nacht", der Mitternachtsmette, war beschert. DieKleinen hörten die Freude der Großen und sprangen aus den Betten. Schonam Abend war es die Sorge der Kinder gewesen, daß der unsichtbare Klaus,sein Knecht und sein Esel Schnaps, Zucker oder Honig und Heu vor derHaustüre vorfanden. Je länger der Klausenesel am Gruemet oder Hafer zufressen hatte, desto mehr Zeit blieb dem Klaus zum Bescheren. Einen bösenBuben mitzunehmen war die Aufgabe der Klausenknechte; die Rute aberstammte vom Klosawieble", das man auch nicht sah, nur etwa rollnenhörte. Dieser kleine Zug stellt das Klausenweiblein in die Nähe der stra-fenden Bercht des innerösterreichischen Volksglaubens, während man ohnedieses Zeugnis geneigt wäre, diese Gestalt als Vorstufe des heute engelhaftgedachten Christkindes zu betrachten.

Erwähnt zu werden verdient, daß ein Seitental des Montafon, das Silber-tal, eigene Formen des Nikolausbrauches zeigt. Immer wieder heißt es, aufdem Bartholomäberg, im Silbertal, da werde mehr Wesens gemacht um den6. Dezember, da komme seit altem der Saniklos, manchmal mit ihm das,, Klosawiebli", und der Tag hieß davon der Saniklostig". Der Klaus kammit Mantel und Sack, eine Zipfelkappe( der alten Männertracht) oder einenHut tief ins Gesicht gezogen, ohne Kette und oft ohne Begleiter. Man brauchtnur in die vorarlbergischen Rheintaldörfer und weiter westwärts zu gehen,um schnell zu erfahren, daß jene mundartliche Namensform in der Schweizdaheim ist. Man geht wohl nicht fehl, wenn man im Silbertaler Saniklostigein lebendiges Erbe der Walser sieht, die vor fünfhundert Jahren nach Vor-arlberg gewandert sind und im Montafon besonders auf den Berg" undins, Tal".

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