Bludenz wohnender Vater für den Kranken je eine Wallfahrt nach Ein-siedeln und nach Muri, und der Kranke selber" wolte auch nicht spahrsamseyn in dem, was er zu seiner Auffkunfft dienstlich zu seyn erachtete, wider-holte das von seinem Vatter gethane Gelübd mit Hinzuthun, wann er ge-wünschte Gesundheit widerum erwerben wurde, an beyde ermeldte gnaden-reiche Oerther neben einer Gelübd- Tafel er so vil Wachss opfferen wolte,als schwär er wäre.." Nach Erlangung der Gesundheit hat er ,, das Wachsszu schuldiger Danckbarkeit, die Gelübd- Tafel aber zu ewigem Gedenk-Zeichen mit sich gebracht." Daß solche Opfer damals selten geworden waren,geht daraus hervor, daß der Verfasser des Mirakelbuches dies als„ ein ge-wichtiges und gewaltiges Opfer" bezeichnete 77).
Wachsopfer werden mehrmals genannt: 1684 brachte eine geheilteAugenkranke„ ein paar Augen von Wachs zu einem Opfer", 1667 eine Frau,die sich mit einer Spindel verletzt hatte, eine wächserne Hand. 1669 hängteein Kind, das verkrüppelte Beine hatte, selber„ zwey wächsene Beynleinan dem Gätter vor St. Leontij Altar" auf 78). 1743 wird zweimal„ ein wäch-siges Fotem" erwähnt 79).
Merkwürdigerweise werden in den Mirakelbüchern keine Silber-votive erwähnt, trotzdem es in einem Wallfahrtslied heißt:„, Sein Gnaden-statt viel G'schenck von Silber hat" und P. Mayer den Bollandisten mitteilte:,, Magnus aderat numerus anathematum ex argento, quae ad ejusdum re-liquias in testimonium receptorum a sancto Martyre beneficiorum ac sani-tatum pii fideles ex voto obtulerunt." 80) Ein solches Silbervotiv gelobte 1664der bekannte solothurnische Stadtschreiber und Chronist Franz Haffner, derein Jahr zuvor durch eine mißlungene Staroperation sein rechtes Auge ver-loren hatte:„ Ein paar Augen von Silber ein Louisthaler schwer, an einemdergleichen Kettelin und Hertz unden daran hangend" 81).
In den Mirakelbüchern werden auch die vielen goldenen Ketten undRinge, die Münzen und die silbernen Gürtel( zonae argenteae, quae ma-tronae nostris in partibus gestare consueverunt) nicht erwähnt, die in großerMenge am Leontiusaltar aufgehängt wurden 82). Es waren offenbar zumgrößten Teil Weihegaben, welche von den Verehrern aus reiner pietas, wiees bei den Bollandisten heißt, und nicht infolge einer Erhörung dargebrachtwurden.
An unfallbezeugenden Gegenständen werden als Votive genannt: 1651Krücken, die eine Geheilte aus dem Schwarzwald zurücklief, 1658 ein Seil,das einem Gefangenen zur Befreiung gedient hatte, und 1650 versprach einVater ein neues Meßgewand für die Heilung seines Sohnes 83).
Die Wallfahrtsfrequenz läßt sich anhand des chronologisch an-gelegten handschriftlichen Mirakelbuches für die beiden ersten Jahrzehntegenau verfolgen. Die Anzahl der Mirakel betrug schon im Translationsjahr1647 fünfzehn, stieg in den zwei folgenden Jahren auf 19 und 22 und erreichte1650 den Höhepunkt mit 38 Mirakeln. Im folgenden Jahrzehnt schwankendie Mirakel zwischen 19 und 23, wobei das Kriegsjahr 1656 mit bloß 10 Ein-tragungen einen Tiefpunkt darstellt. Gleich nachher steigen die Mirakel kon-stant an und erreichen 1660 wieder 31 und nach kurzem Absinken 1665gar 34. Für die folgende Zeit ist man auf die ungenauern Angaben derWunderfackel" angewiesen. Daraus geht hervor, daß nach 1665 ein lang-samer Rückgang erfolgte, bis die Mirakel 1679-82 wieder stark anstiegen.Die folgenden Jahre bis 1700 bringen meist nur je eine Erhörung.
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