Druckschrift 
Kultur und Volk : Beiträge zur Volkskunde aus Österreich, Bayern und der Schweiz ; Festschrift für Gustav Gugitz zum achtzigsten Geburtstag
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

religiöser Bildtypen zu gewinnen. Zuvor soll kurz auf das Leben der Chri-stina Rigler eingegangen werden.

Christina Rigler( Abb. 1) wurde am 2. Mai 1648 in St. Pölten geborenund in der heutigen Dompfarre getauft. Ihre Eltern waren der bürgerlicheHuetstopfer" Alexander und seine Frau Maria Rigler 10). Alexander Rigler,der aus Wien stammte und 1644 nach St. Pölten gezogen war"), verlor 1655seine erste Frau 12), die Mutter der Christina Rigler, und verarmte infolgedes Großfeuers am 21. März 1657 13) derart, daß er sich nach Enns und späternach Wien begab 14), ohne festen Fuß fassen zu können, wie sein erneutesAuftauchen in St. Pölten 1664 15) und seine Bitte um den Torwärterpostenam Kremser Tor 1665 16) beweist, der übrigens stattgegeben wurde. Dieseskleinbürgerliche Handwerkermilieu brachte es mit sich, daß Christina Riglerihren Lebensunterhalt als Dienstmagd in Wien verdienen mußte. Vom25. April 1680 bis zu ihrem Tod lag sie zu Bett, von dauerndem Siechtummit teilweise großen Schmerzen befallen, wie Plume eingehend schildert 17).Die Symptome dieser Krankheit scheinen sich schon in frühester Jugend ge-zeigt zu haben, was schon die Eltern zu Wallfahrten um Gesundung ihrerTochter veranlaßt hatte 18). Durch ihre Krankheit war Christina Rigler derUnterstützung ihrer Anverwandten 19) anheimgefallen und wohnte mit diesen1683 im Lazenhof 20). Später ist sie in das sogenannte Stampische Haus unterden Tuchlauben gezogen( heute Wien I., Steindelgasse 6) 21) und hat dortoffenbar in einer nicht quartierbefreiten Wohnung gewohnt, wie ein Ent-scheid Kaiser Leopolds I. zugunsten der Christina Rigler in einem Streitfallmit einem Hofbediensteten, der sein Quartier beanspruchte, zeigt 22). In die-sem Haus ist sie am 5. Oktober 1705 auch gestorben 23). Unter großer Anteil-nahme und Beteiligung der Bevölkerung, als wenn die Gecrönte und der-gleichen Durchleuchtigste höchste Häubter die Schuldt der Natur be-zahlen" 24), und Beisein des hohen und des Ordensklerus 25) wurde ChristinaRigler in der Minoritenkirche in der Gruft der Bruderschaft des hl. Kreuzesbegraben 26).

Dieses karge und leidvolle Dasein erhielt seine Gestalt durch das Lebenin der religiösen Gemeinschaft, deren Reichtum an überlieferten und neupropagierten Formen der Frömmigkeit Christina Rigler in besonders starkerund extensiver Ausprägung aufnahm. Hier ist an erster Stelle an ihre Beicht-väter zu denken und an die Orden, denen sie angehörten. Von ihrem erstenBeichtvater, einem Serviten, war schon die Rede 27). In den inneren Schwie-rigkeiten ihrer Jugend 28) war ihr Beichtvater ein Jesuit, P. Adamus vonOedt 29), der ihr nach dem für sie erschütternden Erlebnis des Todes ihresBräutigams und eines zweiten Bewerbers 30) zur geistlichen Vermählung undzum Ablegen des Gelübdes der ewigen Keuschheit riet. Dieses wurde am14. Jänner, dem Namen- Jesu- Fest, im Beisein des Beichtvaters vor derhl. Kommunion und zwar vor dem Franz Xaver- Altar in der JesuitenkircheAm Hof vollzogen und durch einen Brautring besiegelt. Der Vollzug dergeistlichen Vermählung durch Anlegen eines Brautringes entstammt derZeremonie der Aufnahme der Nonne in den Orden und gehört ebenso wiedas Tragen des geistlichen Habits der Christina Rigler bis zu ihrem Tod unddie Bestattung darin zum Kennzeichen der Zugehörigkeit zu einem DrittenOrden 31). Christina Rigler muß dem bei den Minoriten angehört haben, da dieBrüder und Schwestern des Dritten Ordens nach ihrem Tod auf einige Zeit"an dem von ihr gestifteten Altar ihre gewöhnlichen Andachtsübungen

2