Durch das Weihwasser müssen alle Räume gesegnet werden. Bemerkenswerterweisebeginnt man damit des öfteren in den Wirtschaftsräumen, Scheuer, Stall, Keller, Brun-nen und kommt zuletzt ins Wohnhaus und in die Stube( Masereben, Rieg, Lichtenbach,Koflern usf.). Es ist wohl kein Zufall, daß dabei auch das Haus umkreist wird( z. B.Verdreng, Mösel, Gehag, Merleinsraut, Prerigl, Lienfeld). Bei einem Umkreisen, mit demein Sinn verbunden wird, ist die Richtung bedeutsam. Die Gottscheer Nachrichten spre-chen überwiegend von einem Umkreisen entgegengesetzt dem Sonnenlauf( z. B. Gehag,Merleinsraut, Lienfeld). Das würde eine Abwehrhandlung bedeuten. Dagegen geht manin Mösel mit der Sonne. Die Angaben widersprechen einander auch sonst manchmal.Gehag, Merleinsraut und Mösel betonen, daß man immer gegen das Haus hinsprengenmuß und nicht weg. Andernorts folgt man offenbar einem anderen Gedanken. Dort ver-sucht man, möglichst weit hinaus zu sprengen, denn ,, so weit das Wasser reicht, geht derHabicht nicht zu"( Verdreng). In Kukendorf trug man Weihwasser auch auf den Fried-hof und betete Vaterunser ,, für die Uralten und für die Großeltern". In Mösel und Moro-bitz sprengte man beim Haussegnen auch in die Richtung hin, wo der Friedhof liegt. InMorobitz war es übrigens auch, wo man Kleider der Verstorbenen mit auf den Weih-nachtstisch legte. Ein Totengedenken ist deutlich.
In der Stube besprengt man auch alles, was auf und unter dem Tisch liegt, dieGeräte, Sämereien usf. Natürlich wird beim Sprengen auch gebetet. ,, Der Segen des all-mächtigen Gottes komme über uns und bleibe bei uns, Christkindl, bitt' für uns"( Eben-thal, Koflern). Es folgen dann die drei Rosenkränze und übrigen Gebete für„, olle, dieaus dem Haushe ausgeschtoarbn hent", die Kranken usw. ,, Und erburm di dr urm Shealim Fegfeuer". In Rieg betete man nach den Rosenkränzen noch zu Ehren des hl. Georgund der hl. Margaretha ,,, daß shai insch baschitzaitn von åll giftign Tiern" zur gnaden-
reichen Geburt.
Nach dem Beten sind die jüngeren Leute von einem Haus zum anderen gegangen, dieChristbäume anschauen. Da haben sie Haselnüsse und Walnüsse geknackt und es wurdeTee mit Sliwowitz aufgewartet. Bis zum Mettengehen saß man beisammen und erzählteGeschichten.
Das schon geschilderte Glockenläuten war einer der Höhepunkte des Weihnachts-abends. Schon um drei Uhr nachmittags war Wasserweihe. Während dieser gab es nur einkurzes ,, Klenken"( Anschlagen). Das große Läuten war von sieben bis acht Uhr abends,und zwar an allen drei„ Weihnachtsabenden". Dazu kam um Mitternacht des Altjahrs-abends das Einläuten des neuen Jahres ,,, zu Tuge läuten". Das feierliche Läuten mit demAbsetzen und dann Anschlagen mit Klöppel oder Hammer, was einen weicheren Tongab, machte einen gewaltigen Eindruck. Immer wieder hörte ich Aussprüche wie: ,, dashat so schön geklenkt, wie eine Musik. In jedem Dorf, das war so schön"( Nesseltal,Pöllandl, Reichenau usw.). In Gehag und Merleinsraut knieten sie in der Stube niederund beteten, wenn das Läuten um sieben Uhr begann. Um acht Uhr, wenn es zu Endeging, begaben sich die Leute ins Freie, knieten dort nieder und beteten ,, von Herzen". Eshieß, daß man vor keinem Wetter Angst zu haben braucht, wenn man draußen geknietund gebetet hat. In Altlag geht man beim ersten Läuten zu Mitternacht in die Kirche und,, kniet um den Altar". Das heißt, man betet für jeden Verstorbenen und rutscht dabei aufden Knien einmal um den Altar herum.
Einen ganz besonderen Brauch fand ich in den drei Dörfern Lichtenbach, Lienfeldund Grafenfeld, nämlich einen Umzug der Kinder mit kleinen Glocken am Nachmittagdes Heiligen Abends. Ich führe die Schilderung aus Lichtenbach an: ,, Am heiligen Abendnachmittags sind die Kinder in die Kirche gegangen und jedes hat eine kleine Glockegehabt ,, Shingaishlein'. Sie sind von der Kirche ausgegangen und mit Weihwasser unddurch das Dorf zu einem Feldkreuz und zurück. Dabei haben sie geläutet und die be-
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