Blumen während des abendlichen Ave- Maria- Läutens gepflückt werden. In OberDeutschau beim nachmittäglichen Drei- Uhr- Läuten.
Die gewöhnlichste Form der ersten Orakelgruppe geschieht mit Hilfe von Margeri-ten. In die Ritzen der Hauswände( Blockbau) steckt man so viele Blumen als das HausBewohner zählt, für jeden eine. Wessen Blume am Morgen welk ist, der wird als erstersterben. 303 Als Beispiel für viele Schilderungen diene Göttenitz: ,, So viele, Shumitroashn'( Margeriten) als Köpfe in der Familie waren, hat man in die Hauswand gesteckt; fürjeden eine bezeichnet. Wessen Blume zuerst welkt, der stirbt zuerst." Die Gewährsfrauerzählte, daß dies bei ihren Eltern auch wirklich eingetroffen sei.
Die zweite Art der Handlung wählte das Hausdach als Schauplatz. Hier sind esnicht Einzelblumen, sondern Kränze oder Sträuße. Es hat den Anschein, als ob der Kranzdie ältere Form sei. In Masern berichtete die 78jährige Gewährsfrau:„ Die Mädel habenFlachskranzerln gemacht und über das Dach geschmissen. Die, welcher Kranzl darüber-gekommen ist, wird heiraten." Eine jüngere Auskunftsperson aus dem gleichen Ortesprach aber nur von der üblichen Art, daß ein Margeritenstrauß auf das Dach geworfenwurde. Kränze erwähnen noch Prerigl, Reuter und Mairle.
Als Orakelantwort gilt bei der zweiten Gruppe von Bräuchen a) das Gelingen einesWurfes über das Dach hinweg; b) ob der Strauß bei einem Wurf auf das Dach liegen-bleibt oder herunterfällt bzw. wie oft geworfen werden muß, bis das Ziel erreicht ist;c) die Stellung, in welcher der Strauß oben liegenbleibt. In zwei Fällen( Mairle, Reichen-au) ist das Welkorakel mit dem Dachwerfen verbunden. Dort warf man Blumen oderKränze auf das Dach, die für die einzelnen Personen galten, und schloß aus dem früherenoder späteren Trocknen auf die Lebensdauer. Das Orakel kann auch mit einer Abwehr-wirkung verbunden sein. Ich zitiere die zur Zeit der Aufzeichnung 88jährige und beson-ders gute Gewährsfrau Agnes Eppich aus Ebenthal:„ Die Shumitroashe( Margerite)ist wie eine heilige Blume. Man hat Sträuße gemacht von diesen Sonnwendblumen undauf's Dach geschmissen gegen Schlangen und Ungeziefer, die im Haus sein könnten. EinStrauß, der so liegenbleibt, daß er herunterschaut, bedeutet einen Bräutigam, einer derhinaufschaut, eine Braut. Das macht man am 23. Juni gegen Abend."
Und nun nähere Angaben zu den drei erwähnten Wurfarten. Außer Masern kenntden Wurf über das Dach hinweg nur noch Graflinden, diese Art der Handlung ist alsoam seltensten erwähnt.
Zum Liegenbleiben oder Herunterfallen gibt es folgende Antworten: Masern undGöttenitz: ,, Wenn der Strauß heruntergefallen ist, war es nicht gut." Prerigl:„ Einen Tagvor Shumitn hat man ein Kranzl gemåchet von Roashn( Margeriten) und auf das Dachgeschmissen. Wo es zuerst oben geblieben ist, der hat geheiratet in einem Jahr. Mancherhat es bis zehnmal hinaufschmeissen müssen bis es oben blieb, da hat man gesagt, dumußt noch lang warten."
Die häufigste Orakelart erschließt die Antwort aus der Lage, in welcher der Straußauf dem Dache liegenbleibt. Hier herrscht freilich keine Einheitlichkeit in der Aus-deutung. Göttenitz, Kukendorf und Lienfeld:„ Wenn der Strauß so liegenblieb, daß dieBlüten nach oben sahen, bedeutete es Heirat im kommenden Jahr. Wenn sie heruntersahen, dann stirbt wer oder kommt fort vom Haus." Reichenau stimmt damit übereinund kennt nur noch zusätzlich die Vorbedeutung einer Krankheit, wenn der Strauß waag-recht liegt. Altlag und Oberstein bei Altlag hatten noch einige weitere Feinheiten. InOberstein bedeutete der gerade nach oben zeigende Strauß eine Braut, der schräge Straußeinen Bräutigam und der waagrecht liegende eine Leiche. In Altlag ist es noch kompli-zierter: Blüten nach oben= Braut; Blüten nach unten= Bräutigam; Blüten schräg nach
303 Suchen, Göttenitz, Wetzenbach, Grafenfeld, Lienfeld, Hohenegg, Lichtenbach, Graf-linden, Prerigl, Römergrund. Vgl. ferner Hauffen, a. a. O., S. 74.
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