die Spieße beim Böllerschießen glühend zu machen? Oder sind es gesonderte, richtigeOsternachtfeuer, wie sie gerade Südostösterreich allgemein kennt? 267 Die letzteren ziehensich anschließend an das österreichische Gebiet noch nach Slowenien herein und reichenbis zur Grenze der Gottschee. Weiter südlich gehen sie nicht, auch Kroatien kennt sienicht mehr. 268 Osternachtfeuer in der Gottschee stünden also nicht abgesondert imRaum. Unter den Gottscheer Nachrichten beziehen sich etliche deutlich auf Feuer, welchedie Burschen nur wegen des Böllerschießens entzündet hatten. Wenn z. B. Hohenegg dieAuskunft gibt: ,, Feuer nur zum Heißmachen der Spieße beim Böllerschießen." Wahr-scheinlich hat es die gleiche Bedeutung, wenn es mehrfach heißt ,,, in der Nacht Feuergehabt und geschossen". Im Zweifel kann man auch sein, wenn Grafenfeld berichtet:,, Feuer und ein Lamm auf dem Spieß gebraten." Eher auf wirkliche Osterfeuer deutet dieAngabe aus Altlag:„, Feuer überhaupt, auf dem Bühel, aber nicht da, wo das Sonnwend-feuer ist." Solche Unterschiede in den Feuerplätzen von Ostern und Sonnwend pflegenauch in Österreich zu herrschen. Stockendorf meint aber sichtlich echte Osternachtfeuer:,, Osterfeuer in der Nacht auf dem Gebirg", ähnlich die Formulierung aus Masern:„, eingroßes Feuer". Trägt man die wahrscheinlich auf wirkliche Osterfeuer bezüglichen Nach-richten in eine Karte ein, so liegen sie in den Randgebieten der Gottschee mit Ausnahmedes Westens. Auch die Mitte der Sprachinsel bleibt ausgespart. Wenn Prof. Peter Jonkemir seinerzeit sagte, er kenne keine Osterfeuer in der Gottschee, so wird sich das wohlauf seinen engeren Erfahrungskreis bezogen haben, kaum aber auf die gesamte Sprach-insel. Jonkes Heimat Mösel liegt auch nicht im Osterfeuerbereich. Eine Besonderheitsind Gründonnerstagsfeuer in Langenton:„ Am Gründonnerstag abends haben mancheFeuer gehabt zum Andenken wie sie Christus gefangen haben."
Richtige Feuer, die nicht nur wegen der Böller brannten, hatte sichtlich auch Kof-lern. Hier eingebaut in einen größeren Prozessionsbrauch der Osternacht:„ OstersonntagNacht haben gewöhnlich Burschen und Jungmänner in der Nähe der Kirche Feuer ge-macht. Mädchen und junge Frauen haben Osterlieder eingelernt gehabt. Um 1 Uhrnachts sind die Burschen gekommen, die Frauen und Mädchen wecken. Bis sie sich ange-zogen hatten, war es 2 Uhr in der Nacht, da hat man zuerst im Dorf herum die Oster-lieder gesungen. Zuerst, Der Heiland ist erstanden', und dann ist man gegangen bis zurPfarrkirche, wo das hl. Grab war, und unterwegs noch gesungen, hie und da ein Ständ-chen gemacht. Um 3 Uhr in der Früh sind sie beim hl. Grab gewesen. Und so haben sichdie Dörfer der ganzen Gegend bei der Pfarrkirche in Mitterdorf eingefunden: Malgern,Obern, Loschin, Koflern, Windischdorf, Rain, Kerndorf und Ort sind da zusammen-gekommen. Und dort hat man gebetet, dem auferstandenen Heiland zu Ehren, manchehaben Litanei gesungen, zum Dank kniend um den Altar herumgegangen. Dann ist jederin sein Dorf zurück, zum Feuer. Die Osterlieder hat man dann wiederholt und die Bur-schen haben den Frauen mit Schnaps aufgewartet. Sie haben auch mit Böllern gedonnertdie ganze Nacht. In Mitterdorf ist die Auferstehung erst am Sonntag Morgen."
Osternachtumgänge und Singen gab es sichtlich in einer ganzen Anzahl von Orten.Die einfachste Form ist wohl jene aus Lichtenbach, wo die Frauen um 4 Uhr morgenszum Heiligen Grab beten, oder in Göttenitz um Mitternacht. In Schalkendorf gingen siein der Nacht in die Kirche singen. Größer war es in Altlag. Dort gingen die Burschen undMädchen um 3 Uhr mit Kerzen und Musik zuerst in die Kirche singen, und dann zogensie zu einer Kapelle. Sie sangen Osterlieder. In Seele sangen sie zu Ostern auf dem Turm,gingen singend und Rosenkranz betend auch in einer kleinen Prozession um den Bichl unddie Acker.
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267 Österreichischer Volkskundeatlas, 3. Lieferung, Karte Nr. 52, Jahresfeuer- Termine.268 Etnološki Atlas Jugoslavije, Pokusne Karte, Zagreb 1963, Karte 6, Jahresfeuer.