Der Kolatsch war nicht verziert"( Hohenegg).„ Zu Ostern hat man einen Haufen Brotgebacht und Schaf gestochen usw. 14 Tage hat man gegessen davon. Nußbrot, Mohnbrot,ganze Öfen voll. Ein ein Viertel Meter hohes Brot aus Weizen"( Suchen, Mittergras).
Eine typische Speise war auch die„ Wille"( Fülle):„, Brot in Vierecken( Würfel)geschnitten, etwas Milch dazu und dann zerriebene Eier und Fleischgrammeln hinein-gegeben, aber kein Mehl dazu, und das in einen dicken, getrockneten Schweinsdarm. Daswurde gebacken"( Lichtenbach). Auch Schinken, Speck, Lauch und Würste waren unterden zur Weihe getragenen Sachen und gefärbte und ungefärbte Eier. Der ,, Wochiz"( einGebäck) war in Langenton so groß wie die ganze Zischte( Korb).„ Den ganzen Sommerhat man nie so gut gegessen wie zu Ostern"( Obergras). Ferner gab es das etwas süßlicheBoxhörndlbrot( Obermösel). Den großen Kolatsch deutete man in Merleinsraut als GottesKrone, die Eier sind die Steine und der Kren die Adern Gottes.„ Die ganze Woche hatman gestärkt und gebügelt. Oft hat man zehn Deckerln obenauf auf dem Korb gehabt.Die unteren Deckerln waren groß, die oberen kleiner und mit Spitzen am Ende, und soist alles Spitzen über Spitzen gewesen. Das war angeheftet. Dazu hat man eine weißeSchürze angezogen. Man hat für die Deckerln schon im Winter gehäkelt. Alles war ge-stärkt. Obenauf war eine große Masche, schwarz, rot, gelb. Die Slowenen haben eineweiß- blau- rote. Die Maschen wurden dann auf den Palm hinaufgebunden. Wir haben soeinen Glauben gehabt und so eine Freude und das immer gemacht"( Merleinsraut). InPölland legte die Hausfrau drei Ostereier und etwas Geld auf die Tücher, welche dieWeihzischte bedeckten. Das nahm der Mesner vor der Weihe für sich.
So gut wie in der ganzen Gottschee und darüber hinaus herrschte der Glaube, wermit seinem Weihkorb als erster aus der Kirche kommt oder als erster heimkehrt, wirdheiraten, 266 oder er bringt das Heu als erster ein( Koflern, Reichenau). Daher gab es einWetteifern: ,, Da sind sie geloffen die Mädel"( Obergras),„, sie sind gerannt beim Türlheraus, daß sie sich völlig umgestoßen haben"( Reinthal). Aber auch das Gegenteil konnteangestrebt werden: ,, Da sind sie oft zur Sakristei hinaus, oder sie haben alte Frauen vor-geschoben"( Rieg). In Steinwand war außerdem noch eine besondere Abart des Glaubensan die Flinkheitsprobe. Dort hieß es:„ Am Ostersonntag von der Auferstehung wolltejeder der erste zu Hause sein. Wer zuerst kommt, die werden immer mit der Feldarbeitdie ersten sein. Wenn ein Mädel zuerst heimkommt, kriegt man meist Hendln, wenn esein Bub ist, Hahndln." Eine weitere Besonderheit war in Unterloschin: ,, Wenn sie von derSpeisenweihe nach Hause kommen, haben sie die Ziste zuerst auf den Mitter- Bodenniedergestellt, daß die Bienen nicht fortfliegen. Auf das hat der Vater viel gehalten."
Die Auferstehung geschah in der üblichen prächtigen Form.„ Alles ist mitgegangen,Feuerwehr, Blechmusik, alles ist ausgerückt, es gab keine Zuschauer"( Unterloschin). DerZeitpunkt der Auferstehung war freilich verschieden, da die Geistlichen mehrere Kirchenzu betreuen hatten. Er konnte zwischen Samstagnachmittag und Sonntagmorgen schwan-ken. Auch in der Gottschee galt die Regel, daß man sich zu dieser Gelegenheit möglichstneu anzieht( Reichenau, Nesseltal). In Ebenthal war die Auferstehung um 5 Uhr. DieBurschen hatten eine Fahne mit, und die Ortschaften sind nach ihren Fahnen in derProzession gegangen.
Eine nicht ganz geklärte Frage bilden die Osterfeuer. Sie scheinen in der bisherigenvolkskundlichen Literatur über die Gottschee nicht auf. Andererseits sprachen meine Ge-währsleute vielfach von Feuern in der Osternacht, also keinesfalls solchen der Feuer-weihe. Handelte es sich aber nur um jene Feuer, welche die Burschen entzündeten, um
266 Hohenegg, Morobitz, Mösel, Altlag, Grafenfeld, Lichtenbach, Hohenberg, Suchen,Mittergras, Masern, Tschermoschnitz, Nesseltal, Mrauen, Unterlag, Stockendorf, Rieg, Obergras,Reichenau, Lienfeld, Gehag bei Tschermoschnitz, Mairle, Koflern, Kukendorf, Merleinsraut,Reintal. In Pöllandl hieß es, sie würde als erste mit der Arbeit fertig.
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