Das Todansagen beim Vieh und die damit verbundenen Vorstellungen machen dieenge Bindung alles Lebenden mit der Hausgemeinschaft und den für sie Verantwort-lichen in aufschlußreicher Weise sichtbar. Mit dem Scheiden des Hausvaters oder derHausmutter das Gottscheer Volk sagt auch des„ Wirtes" oder der ,, Wirtin" ist derTod an entscheidender Stelle eingebrochen, die Lebensgrundlagen sind in Frage gestellt.Der Stillstand muß überwunden werden, eine neue Kraft an die Stelle der bisherigentreten. Dies beginnt sogleich mit Handlungen wie dem Todansagen bei den Tieren undendet anscheinend beim Leichenmahl, bei dem ursprünglich der Tote anwesend gedachtwar- Andeutungen davon werden wir gleich sehen und das einst ein Erbmahl war.
Wenn ich den Ausdruck„ Hausgemeinschaft" verwendete, so mag das Vertreterneiner neuen Richtung in der Volkskunde unangebracht erscheinen, die sich vor allem aufsoziologische Begriffe und Methoden stützen. Ihnen scheint der Gemeinschaftsbegriffunklar und gefühlsbeladen, er sei daher auszuschließen. Angesichts mancher Zeugnisse,nicht allein der hier besprochenen, scheint mir das doch auf seine Allgemeingültigkeitzu überprüfen nötig. Wenn man in früherer Zeit zu Zusammenschlüssen verschiedener Arteinfach ,, Gemeinschaft" sagte, ohne näher zu unterscheiden, geschieht dies heute ähnlichmit dem Ausdruck„ Gruppe". Sicherlich gibt es Gruppenbildungen ohne tiefreichendeBindungen, bei denen der Begriff„ Gemeinschaft" besser nicht angewendet wird, sofernman ihn nicht bloß formal gebraucht. Aber da, wo es z. B. um Leben und Tod geht,darf meines Erachtens der alte Begriff in seinem ganzen Gewicht bleiben. Er hebt dieseArt von Bindung aus den seichteren Zusammenschlüssen heraus.
Der Begriff ,, Gruppe" ist
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wie ich glaube an sich ebensowenig abzulehnen wiedie Bezeichnung„ Gemeinschaft", zumindest wenn man unter der letzteren etwas Be-stimmtes versteht. Gruppe ist an sich ein abstrakter und leerer Begriff, der alles umfassenkann, aber erläuternde Zusätze erfahren muß, wenn über die Art des ZusammenschlussesNäheres ausgesagt werden soll, z. B. Primärgruppe, Sekundärgruppe, Kleingruppe, Groß-gruppe, informelle Gruppe usf. Warum also den Begriff Gemeinschaft ausscheiden, wenner innerhalb der Gruppierungen eine bestimmte Art starker und ernster Bindung zu be-zeichnen vermag, die für den Träger zugleich mit einem Wertbegriff verbunden zu seinpflegt? Wenn man sich darüber einigt, daß vor allem solche Formen„ Gemeinschaft" ge-nannt werden, ließe sich der Streit aus der Welt schaffen. Solche Zusammenschlüsse sindauch dadurch gekennzeichnet, daß man bereit ist, für sie unter Umständen auch hoheOpfer zu bringen, bis zum Opfer des Lebens. Niemand kann leugnen, daß es solche Grup-pen gibt, ihnen eignet sehr oft geschichtliche Bedeutung. Sie pflegen auch verbindendeund verbindliche Ausdrucksformen zu entwickeln. Die Bereitschaft zum Opfer selbst desLebens grenzt solche Formen aber auch von Erklärungsversuchen nur durch den Egoismusab, wie sie neuestens ins Treffen geführt werden. Da reichen sie nicht aus, auch wennEigensucht natürlich mehr oder weniger in allen Menschen vorhanden ist. Aber gerade insolchen Fällen ist nicht sie entscheidend. Gemeinschaften der gekennzeichneten Art wer-den von starken Gefühlen getragen. Wenn dies auch in der Benennung zum Ausdruckkommt, ist dies nur angemessen. 200
Kehren wir nach diesem Ausblick ins Allgemeine zum Fortgang der Handlungenzurück, welche in der Gottschee mit dem Lebensabschluß in Verbindung stehen.
Das Herrichten des Toten verläuft in der allgemein üblichen Weise. Das Wasser, mitdem der Tote gewaschen wurde, schüttete man in Merleinsraut in das Feuer des Ofens.Aufgebahrt wird der Tote in Masereben auf einer Bank, die durch ein Brett etwas ver-breitert wird und die mit einer weißen Leinwand überdeckt ist. In Hohenegg finden wirdie zweite besonders häufige Art: Zwei Bretter werden über das Bett gelegt und das
200 Dazu ausführlicher R. Wolfram, Um den Begriff der„ Gemeinschaft", Österr.Zeitschr. f. Volkskunde Bd. XXVIII/ 77, Wien 1974.
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