Druckschrift 
Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

Unglückstage. An solchen fängt man eine Menge von Dingen erst gar nicht an, wennes sich nur irgend vermeiden läßt. Dazu einige Beispiele:

In der ganzen Gottschee gab es einen wie es scheint ziemlich einheitlichen Wochen-tagsglauben. Allenthalben galten Dienstag und Freitag als Unglückstage: Dienstag undFreitag keine Arbeit anfangen, auch keinen Ochsen zum ersten Mal einspannen, auchnicht pflügen"( Verdreng). Dienstag und Freitag nicht gern zum ersten Mal auf dieWeide treiben"( Mösel). Wenn sie in Wald gangen sind schlägern oder eine große Fahrtoder Arbeit, nie am Dienstag oder Freitag anfangen. Da haben sie am Donnerstag schoneinen Bam umgeschmissen, daß nicht am Freitag der Anfang ist"( Suchen). ErstesAnspannen im Jahr nie am Dienstag oder Freitag, das war allgemein in der Gottschee"( Merleinsraut). ,, Dienstag ist hier Unglückstag und keiner läßt sich trauen am Dienstag.Freitag auch nicht trauen. Man fangt auch nicht an zu ackern oder Vieh anzuspannen.Die Hexen sind mehr am Dienstag"( Masereben). Der Freitag als Unglückstag ist ja auchin Österreich bekannt, das geht auf den Karfreitag zurück. Der Gottscheer Dienstag-glaube weicht hingegen von unserem ab. Was hinter dem allem steckt, wird der Schluß-abschnitt dieses Kapitels erläutern. Hier sei nur die Tatsache als eine die Arbeit bestim-mende Regel festgestellt.

Eine weitere Gruppe, welche den Zeitpunkt von Arbeiten beeinflußt, ist der Glaubean die Wirksamkeit von Gestirnen. Verhältnismäßig wenig tritt dabei die Sonne hervoreinige Beispiele in meiner Arbeit über die Wachstumsbräuche- sehr stark aber einer-seits der Mond, andererseits die Tierkreiszeichen.

Vor allem ist es das Wandelgestirn des Mondes, dessen Gestaltwechsel und zeit-weiliges Verschwinden mit Vorgängen des Wachstums in Verbindung gebracht wird.Weithin geltender Analogieglaube besagt, daß das, was über der Erde wachsen soll,durch zunehmenden Mond begünstigt wird, was unter der Erde Frucht bringt soll( Rüben, Kartoffeln), wird bei abnehmendem Mond dem Boden anvertraut. Eine Aus-wahl der Gottscheer Aussagen erhärtet das auch für unser Gebiet, allerdings gibt es inder Gottschee auch Besonderheiten.

,, Auf den Mond haben sie viel gehalten"( Lichtenbach). Auf den Mond hat mangeschaut. Wenn er aufnimmt, Korn säen, Kartoffeln wenn er abnimmt"( Obergras).Wenn der Same eines Baumes bei Vollmond austreibt, wird es ein gerader Baum, der fürSchindelholz gut ist( Reintal). Allerdings war der Glaube sichtlich nicht immer gleichstark: ,, Säen nicht bei Neumond. Aber sie haben es nicht geachtet, gesät wann ein schönerTag war"( Masern).

Daß man nicht bei Neumond säen soll, kehrt immer wieder( Masereben, Hohenegg,Ebenthal, Suchen, Langenton, Nesseltal). Die Begründungen wechseln:, Sonst wird dasKorn schwach und das Stroh liegt nieder"( Masereben). ,, Sonst werden die Ahren weichoder es reift nicht gut. Wenn der Mond neu ist, auch nicht mähen, das Heu ist nichtgut"( Ebenthal). ,, Wenn bei Neumond gemäht, fressen die Rinder das Heu nicht gern, dashaben wir schon probiert"( Suchen). Das Korn schießt nur leer in die Ähren, der Mistnimmt an Güte ab."

Diese Aussagen beziehen sich also auf eine, Abwesenheit" des Mondes, nicht aufsein Zu- oder Abnehmen im Gleichklang zu erwarteten Wirkungen im oberirdischen oderunterirdischen Wachstum. Kein Mond- da fehlt offenbar die Kraft. Diese Variante istaußerhalb der Gottschee nicht so deutlich. Die Wirkung erstreckt sich auch nicht bloßauf das Wachstum neuer Saat. Auch das dann gemähte Heu ist sichtlich nicht gut.Ferner ,, Kraut nicht einstoßen bei Neumond, sonst hält es nicht über den Sommer, auchkein Schweineschlachten"( Ebenthal)., Bei Neumond geschlagenes Holz trocknet nicht."

Einige Besonderheiten hatte Mösel: Wenn der Mond abnimmt, setzt man, washarte Körner haben soll, wie Kukuruz. Das Veredeln der Bäume nach dem ersten Viertel.

44