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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
Entstehung
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weise ein Beispiel aus Westfalen an. 55 Auch hier dürfte bei großräumigen gezielten Be-fragungen wahrscheinlich noch mehr zu finden sein.

Das Hegen des Ackers, indem man ihn umwandelt oder in seine Ecken Schutz-zeichen setzt, gehört wieder zu den allgemein verbreiteten Handlungen. Schon in derAntike hören wir davon, daß gegen ein bestimmtes Unkraut in die vier Ecken des FeldesOleander gesteckt wurde. 56 Wenn in Koflern( Gottschee) bloß drei Eier auf dem Feldeeingegraben wurden, erklärt sich das wohl daraus, daß man eine Ecke offen ließ, um demBösen, das im Acker vorhanden ist, einen Ausweg zum Fortziehen zu geben. Auch dashat viele Gegenstücke. 57

Aus dem binnendeutschen Gebiet wissen wir wenig von Entsprechungen zum Gott-scheer ,, Krönen" des Ackers durch einen Maie" in Gestalt eines Stockes mit einemBlumenstrauß oder einem angehängten Kranz. Hingegen findet sich der Brauch in Unter-krain, wo zu Sonnwend ein kleiner Maibaum"( ,, mlajček") in Gestalt einer blumen-geschmückten Palmrute in der Umgebung von Ribnica, Velike Lašče, Žužemberk, in denDörfern Hinje, Male Lešče, Retje, Zagorica, Kompolje und Struge in den Acker gestecktwird. 58 Ein Kranz aus Johannisblumen und Laub vom Palmbuschen wird in Vavta vasbei Novo mesto auf einem Stock befestigt und gegen Hagel auf das Feld gebracht. In derWeißen Mark( Bela krajina) werden im Dorfe Adlešiči am Sonnwendabend Johannis-blumen auf die Acker gelegt. Eine Verbreitungskarte, welche ich Herrn N. Kuretverdanke, zeigt den mit der Gottschee übereinstimmenden Brauch des Ackerkrönens ineinem an die Gottschee nördlich direkt anschließenden Bereich verbreitet, der aber nichtbis Laibach reicht. Eine vereinzelte Nachricht kommt aus Österreich. Im gemischt-sprachigen Gailtal steckt die Hausfrau am Sonnwendabend ein Elsenstäbchen, das amFronleichnamstag geweiht sein muß, mit einem Kranz aus Feldblumen in die Mitte desblühenden Flachsfeldes. So hoch der Stab, so hoch wird der, Hår"( Flachs) wachsen. Inder Millstätter Gegend steckt man in das Feld auf einer hohen Gerte, welche die Höhedes Flachses vorzeichnen soll, ein rotes Papierfähnchen. 59 Das ist vielleicht die einzigeAndeutung einer Abwehr gegen das Beschreien des Ackers, von dem sonst in denBelegen außerhalb der Gottschee nicht gesprochen wird, auch in den slowenischen an-scheinend nicht. Daß der Acker vermeint" werden kann, kennt man bei uns allerdingsschon, z. B. in Eisentratten.

Der Glaube, daß ein bestohlener Acker seine Fruchtbarkeit verliert( 11. Abschnitt)und das Gegenmittel der zwei schräg über den Acker gezogenen Furchen ist mir auẞer-halb der Gottschee unbekannt. Die gleiche Auskunft erhielt ich auch von den sloweni-schen und kroatischen Fachleuten. Es scheint sich um sehr altertümliche Überlieferungenzu handeln.

Sind unter den genannten Wachstumsbräuchen solche, die vielleicht auch für dieHerkunft der Gottscheer aussagekräftig sein können? Das ist nicht eindeutig zu beant-der Flachs zum Trocknen ausgebreitet, legt man gerne drei schräge Kreuze aus übereinander-gelegten Büscheln am Rande des Feldes. So in Glojach bei Wildon. Ich selbst beobachtete esmehrfach in Südtirol.

55 A. Kuhn, Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen, Leipzig 1859, 2. Bd., S. 155.56 Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. VI, Sp. 1375.

57 In zahlreichen Orten Südtirols konnte ich z. B. aufzeichnen, daß Felder bei Ungeziefer-befall an drei Ecken mit Ignatiuswasser besprengt werden, die vierte Ecke bleibt offen, damitdas Ungeziefer den Acker verlassen kann. In Anhalt umwandelte man zum Vertreiben vonRaupen die Kohlfelder mit einem Pfingstmaie. Bei dieser Umkreisung mußte ein Fußbreit offen-bleiben, damit die Raupen hinauskönnen. O. Hartung, Zur Volkskunde von Anhalt, Zeitschr.d. Vereins f. Volkskunde, 7. Jg., Berlin 1897, S. 78.

58 In Zvirce wird zu Sonnwend( ohne Zweckangabe) in jeden Acker ein Stock mit einemschönen, bunten Blumenstrauß gesteckt.

59 G. Graber, Alte Gebräuche bei der Flachsernte in Kärnten und ihr religions-geschichtlicher Hintergrund, Z. f. österr. Volkskunde, 17. Jg., Wien 1911, S. 149.

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