einen Ersatzbaum vorbereitet. 46 Auch Flüchtlinge aus Gehag bei Tschermoschnitz be-richteten mir ähnlich wie die Leute aus Koflern, daß ein bestohlener Acker nicht gedeiht:,, Auch hier im Lager haben sie die Erfahrung gemacht bei den Gurken. Dann im Früh-jahr, bevor man geackert hat, muß man zwei Furchen übers Kreuz ackern, dann istes gut."
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Ein Gegenmittel war es in einigen Dörfern, die Frucht zu wechseln und den Samenzu tauschen. Weitaus am häufigsten in zehn Dörfern 47 wandte man aber das ebenaus Gehag genannte Mittel an: man mußte mit dem Pflug zwei Furchen schräg über'sKreuz über den ganzen Acker ziehen, nur in Mösel war es ein gerades Kreuz. Diese schrägeKreuzform war eindeutig betont. Immer wieder sagten sie, von Eck zu Eck ein schiefesKreuz. Ich ließ es mir auch in verschiedenen Orten aufzeichnen, um sicher zu gehen. Dasgerade Kreuz, das ja auch möglich gewesen wäre siehe Mösel-, verneinten sie sonst
ausdrücklich.
Hier tritt uns das Malkreuz abermals und in einer sehr bemerkenswerten Rolle ent-gegen. Sucht man sich klarzumachen, was hinter dem Ganzen liegt, so ist es wohl dieVorstellung, daß ein Acker durch den Fruchtdiebstahl geschändet und entheiligt ist, daßihm der Segen entzogen wurde.
Es ist der seltene Fall, daß wir unverhofft einen Blick in Tiefenbereiche des volk-lichen Glaubens und Empfindens tun können, von denen in direkter Aussage sonst nichtgesprochen wird, die vielleicht kaum bewußt sind. Dazu gehört die Auffassung von derHeiligung und Heiligkeit der Arbeit, vom Gottesgeschenk des Wachsens und Reifens, dasman nicht verletzen und entwürdigen darf. 48 Eine Frömmigkeit, die vom bloß rech-nerischen Denken der„ Produktion" meilenweit entfernt ist. Man sollte das nicht be-lächeln. Denn wenn die Arbeit nicht Lebenserfüllung ist, gestellt unter ein höheres Gesetzund eine echte Würde, dann entschwindet nicht nur die Arbeitsmoral, sondern auch dieeigentliche Befriedigung im Schaffen, die viel mehr ist als der Erwerb materieller Güter.Eine Wohlstandsgesellschaft, der solche Werte verlorengingen, wird ihr Ziel in immerneu gesteigerten Ansprüchen und Konsummöglichkeiten sehen, des inneren Haltes undeigentlichen Glückes aber entbehren. Das technische ,, Funktionieren" kann den Mangelan menschlicher Haltung nicht ersetzen. Dadurch wird nicht nur die Sinngebung desDaseins beeinträchtigt, sondern auch die tatsächliche Arbeitsleistung selbst.
Unter solchem Blickwinkel sollte man auch viele der Zeichen und Handlungen sehen,von denen hier die Rede war. Nicht alles ist bloß der verständliche, aber auch eigen-süchtige Wunsch, Übel fernzuhalten. Auch auf den Gegenständen, die sie umgeben unddie sie gebrauchen, wollten unsere Bauern„ ein heiliges Zeichen" sehen, wie es einer ein-mal wörtlich ausdrückte. Das geht bis zum Rechen oder dem Joch der Zugtiere. Undwenn das Pflügen ,, in Gottes Namen" begonnen wurde, dann ist eben die Arbeit selbstheilig und geheiligt. Was das bedeutet, läßt sich kaum überschätzen. Zu solchen Erkennt-nissen gibt uns der Gottscheer Brauch einen Schlüssel.
46 Vgl. R. Wolfram, Christbaum und Weihnachtsgrün, Kommentar zur 2. Lieferungdes Österreichischen Volkskundeatlasses, S. 47 f.
47 Suchen, Grafenfeld, Hohenegg, Reichenau, Tschermoschnitz, Gehag bei Tschermoschnitz,Krapflern, Steinwand bei Pöllandl, Komutzen, Warmberg.
48 Auch außerhalb der bäuerlichen Urproduktion sehen wir die Arbeit z. B. bei allenHandwerkern unter einen Schutzheiligen gestellt. Vgl. u. a. G. Heilfurth, Das Heiligeund die Welt der Arbeit am Beispiel der Verehrung des Propheten Daniel im MontanwesenMitteleuropas, Marburg 1963. Aber auch in der Zeit vor dem Computer trug das Hauptbucheines Unternehmens auf der ersten Seite die handschriftliche Eintragung des Prokuristen ,, MitGott". Zur ganzen Frage auch der von G. Heilfurth und I. Weber- Kellermannherausgegebene Band Arbeit und Volksleben", Göttingen 1967, welcher die Vorträge desDeutschen Volkskundekongresses 1965 in Marburg enthält.
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