3.3 Herkunftsbereiche
Bergbauflaschen sind hauptsächlich in Johanngeorgenstadt/ Erzgebirge, ebenso in Gottes-berg/ Vogtland und in Clausthal- Zellerfeld im Harz hergestellt worden. Die vielleicht ältesteBergbauflasche stammt aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts( um 1725) 28 und wird im Thü-ringer Heimatmuseum Saalfeld( Saale) aufbewahrt.
Den bergmännischen Künstlern aus Johanngeorgenstadt kam besondere Bedeutung zu. Me-chanisch bewegliche Eingerichte aus dem Bergort im südwestlichen Erzgebirge werden bereitsim Neuen geographischen Magazin 1786 erwähnt 29:" Es werden zu J. Georgenstadt auchVorstellungen von Bergwerken in größern und kleinern viereckichten gläsernen Flaschenverfertigt, so daß in manchen derselben die Figuren der Bergarbeiter beweglich sind, und,wenn man an einer oben daran befindlichen Winde dreht, immer frisch auf das Erz loshauen.Man sendet sogar welche davon außer Landes." In einer" Erdbeschreibung von Kursachsen"aus 179630 steht über solche Bergwerke in Glasflaschen noch zu lesen:" In Johanngeorgen-stadt macht man auch die Vorstellungen des Bergbaues in gläsernen Flaschen, welche gewißvielen unter Euch bekannt sind. Die kleinen Figuren, welche die Bergleute vorstellen, sindzuweilen beweglich, und können gedreht werden, so daß sie arbeiten. Diese Modelle werdenerst ganz fertig gemacht, dann wird in der Glashütte in einer dazu passenden Form das Glasdarüber geblasen." Erst in dritten Auflage dieses Werkes aus 1804 wird der Sachverhalt rich-tig dargestellt 31:"... Bergwerksmodelle in Glasflaschen etc. Letztere Art von Spielwerk ver-langt ganz eigne Kunstgriffe und Fertigkeiten; weshalb man auch gemeiniglich glaubt, dieFlasche müsse über das Model geblasen werden. Allein man schafft alle Theile des Spiel-werks einzeln durch den ziemlich engen Hals der Flasche mit Instrumenten hinein, bringt sieauf dieselbe Art in Ordnung und befestigt alles mit Leim. Dann wird der Stöpsel hineinge-dreht, welcher gewöhnlich unten ein paar Riegel mit einem Vorlegschloß hat. Um auch dieseinzeln einzubringen, wird der Stöpsel ausgehöhlt, und wenn alles fertig ist, mit Holz ausge-füllt und mit Farbe überstrichen. Alle Figuren in der Flasche kann man bewegen und zwardurch Löcher, welche die mühsamen Verfertiger dieser sonst so bewunderten und geschätztenSpielwerke, selbst in die Flaschen arbeiten."
In der zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts stellte man in der kleinen Ortschaft Gottesberg beiTannenbergsthal im Vogtland/ Sachsen mehrere bergmännische Eingerichte( vom Typ S4m)her und führte damit die Tradition aus dem nur rund 18 km weiter östlich liegenden Johann-georgenstadt weiter. Die einander sehr ähnlichen Flaschen sind stets mit Kurbel und bewegli-chen Figuren ausgestattet und mit verschiedenen Namen datiert( die etwas älteren ab 1856zumeist mit" Wilhelm Krause", die um einige Jahre jüngeren- von ca. 1865 bis 1869 mit" F.Hammer"). Vielleicht existierte eine Arbeitsgemeinschaft; vielleicht hat aber auch WilhelmKrause um 1865 sein Arbeitsmaterial usw. an F. Hammer übergeben, der in völlig gleicherWeise weiterarbeitete 26. Aus dem Harz stammen- gebaut um 1900 oder einige Jahre davor inClausthal- Zellerfeld- runde Flaschen mit langem Hals und auffälligem Bergmanns- Stöpsel27
3.4 Gegenwärtige Schnitzer in Sachsen
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Als Hersteller von Geduldflaschen in den vergangenen Jahren( etwa 19551970) mußHarry Schmidt( geb. 1927) aus Bermsgrün genannt werden, er baute auch sogenannte Fla-schenpyramiden³2. Herr Eberhard Gerschler aus Sohra bei Freiberg fertigte in den vergan-genen 10 Jahren etwa 20 Bergbauflaschen verschiedener Größen an. Er versah seine Flaschenmit fein geschnitzten Bergknappen in meist schwarzer Tracht, die Pfeiler bzw. Träger sind mitBleiglanzgrus bestreut. E. Gerschler verarbeitete überwiegend Freiberger Mineralien. AuchGünther Zielke( geb. 1950) aus Seiffen beschäftigt sich mit der Herstellung bergmännischerEingerichte, die meist einen wendeltreppenartigen Aufbau mit drehbarer Achse aufweisen.
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