3. Bergbauflaschen aus deutschen Bergbaugebieten
3.1 Charakteristische Merkmale
Wenngleich eine Auflistung der in Deutschland gebauten bergmännischen Eingerichte nichtHauptthema dieser Arbeit ist, soll doch aus Vergleichsgründen auch auf solche Flaschen ein-gegangen werden. Für alte sächsische Flaschen können folgende Merkmale kennzeichnendsein: Ein quadratischer Flaschenquerschnitt und kurzer Flaschenhals; ferner schwarz- weiß,ganz weiß oder( Mitte und 2. Hälfte 19. Jh.) ganz schwarz gekleidete Bergmannsfiguren( häufig mit schwarzen Schachthüten, versehen mit dem Schlägel- und- Eisen- Symbol). In derobersten Etage ist zuweilen eine Knappenmusikkapelle zu beobachten. Oftmals sind die tra-genden Säulen nicht etagenweise abgesetzt, sondern durchgehend und eher nicht allzu auf-wendig geschnitzt( einige Flaschenbergwerke aus sächsischen Museen zeigen allerdings auchetagenweise getrennte Säulen). Auftretende Schraubgewinde sind meist nicht allzu tief einge-kerbt.
Weiters sind mechanische Geduldflaschen, deren eingebaute Figuren, Pochwerke usw.durch Drehen einer Kurbel in Bewegung gesetzt werden können, eine Spezialität des sächsi-schen Erzgebirges. Bei den" ungarischen" Flaschen konnte derlei Mechanik nicht beobachtetwerden. Desgleichen gibt es auch Flaschenpyramiden, also in Flaschen eingebaute Pyramidenmit einer aus dem Flaschenhals ragenden Flügelstange, die die Figuren in Bewegung setzt.
3.2 Einteilung nach Typen
Typ S1( quadratischer Querschnitt, durchgehende Säulen, Musikkapelle in der oberstenEtage), 2. H. 18. Jh.., wahrscheinlich aus Johanngeorgenstadt.
Typ Sla( quadratischer Querschnitt, dicke, mit Erzgrus bestreute, abgesetzte Säulen, obenweiße Hüttenmänner, diverse Erze), 2. H. 18. Jh., wahrscheinlich aus Johanngeorgenstadt.
Typ S1m( quadratischer Querschnitt, durchgehende Säulen, ohne Musikkapelle, aber mit ei-ner Kurbel mechanisch beweglich), 2. H. 18. Jh., wohl aus Johanngeorgenstadt.
Typ S2( Flaschen mit meist nur 2 Etagen, etwa 20 cm hoch, in Einzelfällen auch größer mit 3Etagen, mit Haspel und Fahrte, Stöpselquerkeil manchmal mit Vorhängeschlössern), Ende18. Jh., Erzgebirge. Ähnlichkeiten und Übergänge zu Typ Sla.
Typ S3( quadratischer Querschnitt; ohne Ecksäulen, bunte, reich eigerichtete Flaschen, ver-schieden große Figuren), Anfang 19. Jh., sächsisches Erzgebirge, möglicherweise auch ausdem Umkreis von Freiberg.
Typ S4m( mechanische Geduldflaschen mit Kurbel, schwarze oder schwarz- weiße Figuren,oben häufig kartenspielende Bergleute, seitlich an den Etagenböden Perlstab- Papierborten;meist mit Datierung), um 1856-1869, verfertigt in Gottesberg/ Vogtland von F. Hammeroder Wilhelm Krause26.
Typ HA( Runde Flaschen, Stöpsel mit geschnitztem Bergmann), etwa 1885 bis 1900, ver-mutlich von Clausthal- Zellerfeld im Harz27.
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