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Bergmännische Geduldflaschen : Inhalt und Verbreitung bergmännischer Eingerichte aus dem Gebiet der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie und aus deutschen Bergbaurevieren ; mit einem Bestandskatalog
Entstehung
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schen 1928 und 1932 24. Die Einrichtung der Cerven- Flaschen unterscheidet sich doch etwasvon den alten Eingerichten. Sie ist eher einfacher gehalten; in der obersten Etage finden sichhäufig kleine Häuser, Kirchen, Bäume( Flechten, Moose, bei Frau Šimonová meist aus Kunst-stoff!), oftmals werden große Fahrten( Leitern) als Verbindung der Etagen eingebaut. Die Fi-guren sind in den traditionellen weiß- roten Trachten ausgeführt, seltener kommen schwarz-weiße Uniformen oder braune bzw. blaue Hosen vor. Kennzeichnend sind auch ein Nebenein-ander von alten und neuen Formen der Bergbautechnik, die Verwendung von großen Flaschensowie im Flaschenhals am Stöpsel angebrachte Zettel mit Herstellername und Baujahr.

2.10 Gegenwärtige Schnitzer in der Slowakei und in Ungarn

Auch heute werden erfreulicherweise noch Bergbauflaschen hergestellt: Abgesehen vomsächsischen Erzgebirge( wo im Freiberger Raum ebenfalls neue Flaschen verkauft werden)konnte sowohl in der Mittelslowakei als auch in Ostungarn je ein Schnitzer ausfindig gemachtwerden.

In Königsberg( Nová Baňa, Újbánya) nahe Schemnitz in der Slowakei beschäftigt sich dernun( 1995) 73- jährige Pavel Tencer( Abb. 8) seit seinem 14. Lebensjahr mit Holzschnitzerei.Seinen Angaben zufolge stellte er ungefähr an die 100 Geduldflaschen diverser Art her. In densiebziger Jahren begann er, angeregt durch das örtliche Bergbaumuseum, auch mit bergmänni-schen Eingerichten. Die viereckigen und runden Flaschen, zuweilen von 2-3 Liter und mehrInhalt, enthalten 4-5 cm hohe Figuren, mit bunten, heutigen Bergmannsuniformen undSchirmmützen. P. Tencer verwendet stets durchgehende Eckpfeiler. Fast immer werden Has-peln mit hängenden Förderkörben eingebaut, ebenso Fahrten, Gezähe und Schemnitzer Mine-ralien. Kleine Kirchen, Häuser und Bäume zieren die oberste Etage. Eine originelle Variante inkleinen Flaschen ohne Etagenunterteilung sind" Felswände" aus glitzernden Quarzen oder Er-zen, die von Knappen mit Seilen bestiegen werden. Unterhalb sieht man eine Almlandschaftmit Hütte, Schafen und Bäumen.

Als Flaschenverschluß verwendet P. Tencer Holzstöpsel mit innerem Querkeil, teilweisemit Kerbschnitzerei auf dem würfelförmigen Stöpseloberteil. Ein datiertes Signum befindetsich meist am Flaschenboden, manchmal ist es in den Stöpsel geschnitten. P. Tencer vertreibtviele seiner Flaschen über den slowakischen Volkskunsthandel.

Als verhältnismäßig bekannt darf Gyula Viktor( geb. 1933) aus Rudabánya gelten, ein ehe-maliger Bergmann, jetzt Volksbildungsbibliothekar und Mitarbeiter des bedeutenden örtlichenBergbaumuseums( Abb. 9). Er wurde schon vor vielen Jahren durch die Arbeiten der FamilieCerven sowie durch die Arbeiten des János Rémiás aus Ormosbánya zur Herstellung eigenerArbeiten angeregt. Seine Schnitzereien sind durch ihre eigenartig geschnittenen Figuren( aufrecht stehende, füllige, bärtige, meist barhäuptige, eher starr wirkende Bergleute) gekenn-zeichnet. Diese tragen weiße Blusen und rote lange Hosen und halten u.a. Schlägel, Hacken,Sägen, Holzstempel, Erzbrocken und Schriftrollen in Händen. Grubenhunde mit beidseitig amRücken geschnallten Erzsäcken- ein Motiv aus dem alten Bergbau von Rudabánya- sind inseinen Flaschen bemerkenswert 25. In die oberste Etage stellt der Schnitzer häufig religiöseMotive. Mineralien aus Rudabánya kleben verteilt in den Etagen. Mangels alter, geeigneterFlaschen werden neue verschiedener Herkunft und Form( etwa handelsübliche rechteckige undrunde Getränkeflaschen verschiedener Größe) verwendet. Der Boden der einzelnen Etagenwird zuweilen aus eng aneinandergeklebten Zündhölzchen gebildet, der Flaschenverschlußbesteht häufig aus einfachen Holzstöpseln, eine Signatur ist zumeist im Flaschenbodensichtbar.

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