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Bergmännische Geduldflaschen : Inhalt und Verbreitung bergmännischer Eingerichte aus dem Gebiet der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie und aus deutschen Bergbaurevieren ; mit einem Bestandskatalog
Entstehung
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2.6 Verschluß

Die Verschlüsse der Flaschen sind gewöhnliche, oben häufig mit einer pilzförmigen Kappeausgeführte Holzstöpsel, die manchmal tief in die Flasche reichen und fast immer mit einemoder mehreren Querkeilen versehen sind, sodaß ein Öffnen der Flasche unmöglich gemachtwird. Diese" Vexierverschlüsse"( Bolzen, Keile, Nägel) sind oft kunstvoll konstruiert. DerEinbau dieser Sperren kann nach verschiedenen Methoden erfolgen: Durch eine axiale Boh-rung im Stöpsel werden i.a. Zugschnüre durchgeleitet, an deren unterem Ende- vor dem Ein-bau ein oder mehrere Sperrteile fixiert sind. Nach dem Verschließen zieht man diese mitKlebstoff versehenen Keile in vorbereitete radial- horizontale Bohrungen und fixiert die Zug-schnur im Stöpsel. Nach dem Entfernen herausragender Schnurteile wird das Bohrloch un-kenntlich gemacht, eventuell versiegelt. An beschädigten Verschlüssen lassen sich noch dieReste solcher Zugschnüre erkennen.

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Bei neueren Eingerichten finden auch Korkstöpsel Verwendung. Über die Verschlußtechnikin manchen Geduldflaschen liegen Beschreibungen vor 20

2.7 Datierung und Hersteller

Von etwa 55 begutachteten Geduldflaschen aus dem österreichisch- ungarischen Raum miteinem Entstehungsdatum vor 1900 waren lediglich 11 datiert. Die ältesten Datierungen stam-men aus 1744( unsicher, Sammlung Dr. Nemec, Wien), 1751( Salzburger Museum CarolinoAugusteum, 1112/24), 1757( Flascheninneres aus dem Oberösterr. Landesmuseum, F 7222),1762( Huelsmann F.K.A., Hamburg), 1764( Sopron- Brennbergbánya, 57.168.1, Abb. 7), 1782( Slg. Dr. G. V., V1) und 1791( Budapest, 62.141.1). Aus dem 19. Jahrhundert wurden dieJahreszahlen 1851( Sopron, 69.293.1), 1857( Göbölyös, G2), 1872( Martin, 5841) und 1890( Göbölyös, G4) festgestellt. Genaue Datierungen der übrigen Flaschen sind außerordentlichschwierig und nur aus Vergleichen und mit entsprechendem Vorbehalt möglich.

Die Flasche aus 1762 weist neben einer genauen Datierung auch den Namen des Herstellersauf:" Johanes Zinkraut", im Eingericht aus 1764 findet sich der Schriftzug:" Johanes Zin-kraut"; in der Flasche aus 1782 ist ebenfalls, allerdings nur schwer lesbar, die Herkunft notiert:" Georgius Blaho".( Der Name könnte auch Blaha oder Blako heißen.) In der Budapester Fla-sche aus 1791 findet sich die Nennung:" Jo. Smitt". Somit sind drei Volkskünstler aus dem 18.Jahrhundert bekannt: Johannes Zinkraut, Georg Blaho und J. Schmitt. Aus dem 19. Jahrhun-dert können genannt werden:" Johan Fabry"( 1857) und" Anton Pospichal"( 1890). Es ist an-zunehmen, daß es sich zumeist um handwerklich begabte Bergleute handelte, die in ihrer Frei-zeit solche Bastelarbeiten herstellten.

Jofa no zinfrau AMO 164

Abb. 7: Die Bezeichnung" Johanes Zinkraut ANO 1764" ist auch durch die stark getrübte Fla-sche zu erkennen.( Typ A2, Schemnitz, Soproner Museum, Brennbergbánya, 57.168.1)

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