Druckschrift 
Bergmännische Geduldflaschen : Inhalt und Verbreitung bergmännischer Eingerichte aus dem Gebiet der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie und aus deutschen Bergbaurevieren ; mit einem Bestandskatalog
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

2.3 Typisierung nach der Bauweise der Pfeiler

Die Etagenböden sind an vier Eckpfeilern( Stehern, Säulen) mit Querträgern befestigt. Diemeist unterteilten Pfeiler haben fast immer quadratischen oder runden Querschnitt; mancheSäulen sind wenig bis deutlich gebaucht. Viele Steher weisen ein geschnitztes oder gedrechsel-tes Spitzgewinde auf, andere erinnern an gewundene Säulen, vergleichbar manchen Barock-säulen oder auch mit Schraubrohrflächen, andere zeigen ein durchbrochenes Doppelgewinde( doppelwendelförmig). Einige besitzen pyramidenförmige Abschnitte oder Begrenzungen.Viele dieser Holzbauteile zeigen eine polychrome Bemalung, manchmal mit weißen Farbtupfenversehen, andere sind mit Erzgrus aus Bleiglanz, Pyrit oder mit Feilspänen beschichtet, biswei-len auch mit Flittergold( Rauschgold).

Diese verschiedenen Pfeilerarten scheinen für die einzelnen Hersteller und Zeitabschnitterecht charakteristisch zu sein und können so- zusammen mit anderen Merkmalen- eineEinteilung der Geduldflaschen etwa in folgende Typen ermöglichen:

Typ A1( mit Erzgrus bestreute Säulen, unten graue Holzsockel mit Mineralproben, oben" Bergconsultation" mit vier sitzenden hohen Bergbeamten), datiert 1751 und 1757.

Typ A2( wenig gebauchte Säulen, unten graue Holzsockel mit Mineralproben, oben" Bergconsultation" mit vier sitzenden hohen Beamten), etwa 1760 1790, Hersteller u. a.Johannes Zinkraut und Georg Blaho.

Typ B( einfache ungeteilte Holzpfeiler mit Flittergold oder-silber, Bergkegel, großer Huntmit Pferd(" Riese")), 2. Hälfte 18. Jh., wohl aus Kremnitz.

Typ C1( rote geschraubte Säulen- ähnlich schiefen, offenen Strahlschraubflächen mit geringeroder mittlerer Ganghöhe, Bergkegel, ev." Riese"), um 1800.

Typ C2( rote geschraubte Säulen mit größerer Ganghöhe, darauf Spitze mit kleiner Kugel),Anfang 19. Jh.

Typ D1( unten pyramidenförmig zulaufende Pfeiler, oben geschraubte Doppelsäulen mitgroßer Ganghöhe, Rot vorherrschend), Ende 18. Jh.

Typ D2( unten pyramidenförmig zulaufende Pfeiler, oben vier" Spangen", Rot vorherr-schend), 1. H. 19. Jh., Kremnitz.

Typ E( einfache Säulen, Geräte und Boden aus Holz ohne Farbe, Figuren jedoch nicht ausHolz, 4 Blumentöpfe in den Ecken der oberen Etage), vermutlich 1. H. 19. Jh., Kremnitz.Typ F1( säulenförmige Pfeiler mit Punkten, 4 Etagen), 2. Hälfte oder Ende 18. Jh., vermutlichSchemnitz.

-

Typ F2( säulenförmige Pfeiler mit Punkten, 3 Etagen), etwa 1850 1860, Hersteller JohannFabry.

Typ G1( meist 4 Etagen, wenig gebauchte Säulen, viele bunt- glänzende Figuren), 1. H. 19.Jh.

Typ G2( meist 4 Etagen, stark gebauchte Säulen, viele bunt- glänzende Figuren), um 1850.Typ H( 3 Etagen, Einrichtung" chaotisch"," Zäune" aus Mineralien oder Flechten, genoppterMetallstreifen an den Querträgern, unten Säulen mit Erzgrus, mittlere Etage mit schrauben-förmig umwickelten Säulen), um 1872, Kremnitz.

12