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Bergmännische Geduldflaschen : Inhalt und Verbreitung bergmännischer Eingerichte aus dem Gebiet der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie und aus deutschen Bergbaurevieren ; mit einem Bestandskatalog
Entstehung
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2. Bergbauflaschen aus dem Gebiet der ehemal. Monarchie

2.1 Glas

Die alten bergmännischen Eingerichte sind in handgefertigten(" mundgeblasenen") rechtek-kigen Flaschen aus dem 18. und dem 19. Jahrhundert eingebaut. Die Durchschnittsgröße derFlaschen beträgt etwa 12 x 9 x 26 cm mit rund 2 Liter Inhalt, wobei erhebliche Abweichungenbeobachtet werden können. Der eingesetzte Flaschenhals hat meist eine lichte Weite von ca. 1Zoll( rund 2,5 cm), die Höhe des Halses beträgt 1 bis 8 cm. Im Gegensatz zu den alten sächsi-schen Geduldflaschen, die häufig quadratischen Querschnitt aufweisen, sind die" ungarischen"Flaschen meist rechteckig im ungefähren Verhältnis 43. Eine exakte Feststellung des ge-nauen Alters der Flaschen ist kaum möglich5. Der Übergang von der manuellen zurmaschinellen Fertigung der Glasflaschen war fließend, regional sehr verschieden und kann mit1870 1900 angesetzt werden. Im Umkreis der meisten Erzbergbaue bestanden zudemGlashütten, die solche Flaschen( wohl vorwiegend für Weintransporte) herstellten. Außerdemwurden ähnliche Behältnisse in der Probierkunst etwa für Königswasser sowie inApotheken verwendet( Erwähnung in einem ungarischen Fernsehfilm4).

2.2 Etagen und Einrichtung

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Die Flaschen sind je nach Größe und Einrichtdichte in 3 bis 4 Etagen( Sohlen) unterteilt,seltener in 2 oder 5. Die meisten Objekte zeigen modellhaft den Arbeitsablauf im untertägigenErzbergbau, in der Metallgewinnung, der Münzherstellung sowie Motive des bergmännischenLebens. Dem Einbauvorgang und dem Arbeitsablauf entsprechend kann der Inhalt der Fla-schen wie folgt beschrieben werden:

Die untersten Sohlen enthalten eine Darstellung des Abbaues mit Häuer vor Ort, meist mitSchlägel und Eisen bzw. Meißel, weiters Förderer und Helfer mit Erztrögen, Erztruhen, Le-der- oder Leinensäcken, Tonnen und Kübel. Stilisierte Stolleneingänge( Mundlöcher) sind vonwenigen Flaschen bekannt. Sehr häufig sind Zweimannhaspeln, Truhenläufer mit Schubkarren( früher in Schemnitz Laufbahren genannt), Huntstösser und Hunte, manchmal deutlich als" ungarische Spurnagelhunte" erkennbar. Oft sind Fahrten( Leitern) und Steigbäume, z.T. mitausfahrenden Knappen, seltener Bremshaspeln oder obertägige Göpelförderung zu beobach-

ten.

Die für das Kremnitzer Revier typischen und schon seit 1564 verwendeten" Riesenkasten",Pferdefuhrwerke zur söhligen Förderung der Erze zu den Pochwerken, sind in mehreren Fla-schen vorhanden( Abb. 1) 8. Die Erzaufbereitung besteht vorwiegend aus einem Pochwerk mitWasserrad, Daumenwelle und drei Stempel( Teil der sog. ungarischen Dreiergruppen). Hiezukommen die zur Naẞzerkleinerung gehörenden Wasch- und Setzeinrichtungen, wie Herde,Planen, Gerinne, eventuell Einrichtungen der Amalgamierung usw. Es folgen Schmelz- undProbieröfen, seltener Treibherde mit Kuppel. Klopftürme mit Klopfbrett sind verhältnismäßigoft in den Eingerichten zu sehen, fallweise auch Schachtgebäude.

Hinweise auf eine Münzstätte, wohl die 1327 gegründete zu Kremnitz, geben die Walzen-pressen zum Strecken der gegossenen Zaine sowie das 1710 in Kremnitz entstandene Fall-werk, eine Spindelpresse mit langem, von 4- 6 Mann zu bedienenden Schwengel, dem sog." Balancier" mit kugelförmigen, in den Eingerichten meist goldfarbenen Schwunggewichten anden Enden( Abb. 2). Münzsymbole dürften auch die von den Firsten der Etagen einer Flaschehängenden Messingscheibchen sein( Heimatmuseum Waidhofen a. d. Ybbs, Inv.Nr. 966). Essoll auch Flaschen mit eingebrachten Münzen geben, wodurch eine Datierung leichter möglichwäre.( Tatsächlich sind in der Flasche aus dem Museum in Rudabánya Münzen zu sehen,allerdings solche aus dem 16. Jahrhundert.)

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