Nonnentanz ist weiten Kreisen donauschwäbischer Siedler bekannt gewesen. 801) Analtartigen Hochzeitstänzen aus der Schwäbischen Türkei wären dazu noch zu nennen:„ Hans Daml",„ Ganauser" und ,, Wolfstanz". 802)
Singspiele sind seit altersher auch den Siebenbürger Sachsen eigen. Bei Hochzeitenkommen sie oft wieder zu Ehren. Da sang man etwa das„ Lied vom König und vom Tod".Auch Reigenspiele wurden gerne aufgeführt. Bei gehobener Stimmung kommt es oft zum„ Geißltanz". Der Anführer des Tanzes hält einen Besen in der Hand und hat eine ReiheBurschen hinter sich, die alles nachmachen müssen, was er tut. Auch spaßige Szenenwerden aus dem Stegreif vorgeführt. Wenn der Siebenbürger auch recht ernst wirkt, sozeichnet ihn doch Humor aus. Im Erfinden von Possen scheint er schier unbegrenzt. Sin-gen und Tanzen gehört zu seinen großen Festesfreuden, die er bis ins hohe Alter pflegt 808).
Tod
Die Glocken, Mahner, Künder und Rufer zur Kirche, ertönen im Leben des Men-schen nur beim Heimgang. Kinder, die noch nicht die erste hl. Kommunion erhaltenhaben, haben keinen Anspruch auf das Zügenglöcklein, und auch den Selbstmördern wirdes verwehrt. Im evangelischen Nordsiebenbürgen wird für Kinder mit der kleinen, fürErwachsene mit der großen Glocke geläutet. Starb der Pfarrer, oder Kurator, oder Ge-meinderichter, wurde mit allen drei Glocken geläutet, das war das„ Ehrengeläut“. DasAusläuten des Toten ist nach Alter, Geschlecht und Familienstand recht unerschiedlich.Bei Männern wird während des Läutens dreimal abgesetzt, bei Frauen zweimal 804). Daranhält man in den Lagern fest.
Die Furcht des Menschen vor neuen Übergängen ist am deutlichsten beim Tod bisheute erhalten geblieben. Deshalb hat sich wohl an kein Ereignis im Menschenleben mehrAberglaube geheftet als bei einem Sterbefall. Aus diesem Grund nimmt man beimHerannahen der Sterbestunde Zuflucht zu geweihten Dingen. An der Gewohnheit, demSterbenden eine Sterbekerze anzuzünden, die zu Lichtmeß geweiht wurde oder von einerWallfahrt stammt und bei einem Gnadenbild angerührt wurde, hat sich nichts geändert.In manchen Gegenden wird in der Sterbestunde die Uhr zum Stehen gebracht. Spiegelwerden verhängt oder zur Wand gekehrt, Fenster bleiben bis zum Hinaustragen des Sar-ges geschlossen. Sessel und Bank, auf der die Totentruhe aufsteht, werden nachher um-gestürzt. Um die Hände des Toten wird ein Rosenkranz gewickelt 805). Im Banat wird ihmauch ein geweihter Zweig vom Palmsonntag mitgegeben 804). Ein geweihtes Kranzerl vomFronleichnam sowie ein Kreuz und ein Gebetbuch geben die Schwäbinnen in den Sarg.Manchmal werden die Leichen auch mit Blumen geschmückt. Sie bekommen, wenn sienoch ledig waren, Blumenkränze aufgesetzt 806). In der Bukowina gab man in alter Zeitden Männern ihren Hut in den Sarg mit 804).
Natürlich spielt die Totenkleidung eine große Rolle. Das Ankleiden zogwieder viel abergläubisches Handeln nach sich. Aus Angst vor dem Toten, er könne etwaSchwierigkeiten bei einer Wiederverehelichung machen, gaben ihm die Zipser die bestenKleider, rote oder hellblaue, mit ins Grab. Auch Ringe und anderer Schmuck wurden denToten mitgegeben 807). In Ungarn, im Banat und der Batschka wurde den Toten„ das aller-
801) K. Horak, wie 798.
A. Baumann, Lager Wegscheid, 1955.
802) A. Karasek- Langer, Donauschw. Vk., wie 24, S. 14.
803) M. Orend, Siebenbürger Sachsen, eine Wesensschau, wie 182, S. 75 f., S. 127 f.804) Handwörterbuch, wie 19, Bd. I, S. 247.
805) R. Hartmann, wie 407, S. 211.
806) Österr.- ung. Monarchie, Bd. II, S. 100.
807) J. H. Schwicker, Die nordungarischen Deutschen, wie 613, S. 304.
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