Um die Jahrhundertwende wurde der Taufschmaus in Siebenbürgen im Gebiet um diegroße und kleine Kockel„ Kaimes" genannt. 744) Im Banat hieß er„ Ims" aus„ Imbiẞ". 749)Aus der Slowakei, wie aus manchen anderen Ländern, hören wir, daß es bei all diesenSchmäusen hoch her ging. 750) In Siebenbürgen wurden die Familienereignisse mitmöglichster Anteilnahme aller Angehörigen gefeiert und ein langer Kirchenzug war nichtder Stolz auf viele Leute, sondern auf viele Freunde. 751)
Das Taufmahl der Siedler in Neu- Ruma besteht, wenn es die Verhältnisse halbwegserlauben, aus einem Mittagessen. Gegessen werden eine fette Hühnersuppe, ein gebratenesFerkel oder ein Schweinebraten mit Beilagen und Salaten, mindestens drei Torten undgetrunken wird Wein, Bier und Schnaps. 752) Das Kindlmahl der aus der Bukowinastammenden Familie Jabkowsky im Lager 55 wurde für 20 Personen wie für eine Hoch-zeit zugerüstet. Das Essen bestand aus Suppe, Braten, Kuchen, Bier und Schnaps. DasTaufmahl der Familie Klein, Fabrikskaserne Linz, wurde für 18 Personen zugerichtet.Das Mittagessen bestand in dieser siebenbürgischen Familie aus Grießnockerlsuppe,Faschiertem Braten, mit Beilagen und Mehlspeisen. Am Abend wurden Kaffee undbelegte Brötchen aufgewartet.
In allen Lagern und Siedlungen werden die Wöchnerinnen von ihren Taufpatinnen,Freundinnen und sonstigen Anverwandten besucht. Es ist z. B. in der Fabrikskasernedurchaus üblich, die junge Mutter mit guten Speisen zu versorgen, aber es werden auchGeschenke an Wäsche, Kleidern und Schuhen gemacht. Im Lager 55 und 65 wird ingleicher Weise geschenkt. 753)
Der erste Ausgang der Mutter geht nach der Kirche, wo sie den Segen des Priestersempfängt. Die deutsche Bäuerin des Banates ließ sich schon als Braut am Altarvorsegnen, damit ihr der Herr eine glückliche Niederkunft verleihe. 754) Auch dieBraut siebenbürgischer Abstammung wurde vom Pfarrer ihrer Heimat in der evangelischenKirche in Linz besonders eingesegnet. 755) Einem alten Brauch nach, geht die sudeten-deutsche junge Mutter vierzehn Tage nach der Entbindung zum„ Fürsegnen" in dieKirche. Sie wird von einer Gruppe Frauen begleitet. An der Kirchentür wird sie vomPfarrer eingeholt, hält eine brennende Kerze in der Hand und empfängt den Segen. ImBöhmerwald war es Sitte, daß sich je nach dem Ansehen der Familie, viele Frauen diesemZug anschlossen. Sie wurden zu einem Mahl ins Haus eingeladen, das wie ein kleinesHochzeitsmahl hergerichtet war. In St. Martin wurden dazu dreißig Gäste eingeladen. 756)
In der evangelischen Kirche in Linz wird auch die junge Mutter und ihr Kind vierWochen nach der Geburt„ eingesegnet“. Die Mutter hält ihr Kind im Arm und kniet vordem Altar nieder, der Priester spricht den Segen über sie. 757)
Namenstag, Geburtstag
Namenstag und Geburtstag sind Feste des Lebens, die in der Regel imKreise der Familie gefeiert werden. Kommen Glückwünscher aus dem Kreis der Sippeoder Bekanntschaft, werden sie freudig aufgenommen und bewirtet.
Die Vertreter aller Volksdeutschen kannten darüber hinaus Namenstagsfeiern, dieüber den Rahmen rein familiärer Feste hinaus gingen. Sehr häufig vorkommende Namen
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749) Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, wie 19, Bd. I, S. 247.
750) J. H. Schwicker, Die nordungarischen Deutschen, wie 613, S. 305.
751)„ Wir Siebenbürgen", Salzburg 1949, S. 135.
752) H. Grünn, wie 63, S. 421.
753) Fam. Klein, Lager 76, Fam. Weigand, Lager 65.
754) J. H. Schwicker, Die Deutschen in Südungarn, wie 613, S. 366.
755) Hochzeit des Martin und der Marie Klein, Linz 1957.
756) H. Hager, St. Martin bei Linz.
757) M. Klein, Linz 1951.
P. Geiger, Deutsches Volkstum, wie 664, S. 100 ff.
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