werden sollte. Das war der Ausdruck der Bitte, zum Kirchweihfest sein Mädchen seinzu wollen. Nahm das Mädchen an, so schmückte es den Hut mit einem Rosmarinzweigund einem Bändergeflecht. Der Kirchweihstrauß war ein Rosmarinstrauß, der mitprächtigen Seidenbändern geziert war und in der Kirche geweiht wurde( Abb. 39).
Geburt, Taufe
Fast alle Kinder der Volksdeutschen wurden in den letzten Jahren in Klinikengeboren, da in den Lagern zu wenig Platz war. Dadurch ging vielfach die persönlicheGestaltung des Festes verloren. Meist wird die Taufe auch gleich im Spital durchgeführt.Immer wieder begegnen wir aber dem festen Willen der jungen Väter, die Taufe derKinder in ihren Kirchen durchzuführen. 730) Die Zeremonien sind die in der zuständigenKirche üblichen.
In alter Zeit wurde z. B. im Banat bei der Geburt eines Kindes geschossen. 781) Dieswar wohl Ausdruck der Freude, wie vielleicht auch der Abwehr gegen alles Böse. Mutterund Kind sind von der Geburt an bis zur Aussegnung und Taufe in einem Zustand derGefahr und müssen durch allerlei Mittel geschützt werden. Wovor sie geschützt werdenmüssen, wird heute nicht mehr deutlich ausgesprochen. Im allgemeinen denkt man wohlans ,, Verschreien" wie eventuell auch an den„ Bösen Blick". Die Großmütter steckendem Kind deshalb noch hin und wieder etwas Rotes zu. 782) Das erste Kinderbadewasserwird mit Weihwasser besprengt. In Siebenbürgen gab man ins erste Kinderbadewasserein Glas Wein. 733) Deutsche Frauen aus Kroatien und Böhmen legen auch jetzt nochmehrere Münzen ins erste Badewasser. 784) In Westböhmen war man der Meinung, daß eseine möglichst große Münze sein müsse, damit das Kind einst keine Not erfahre. DasGeld gehörte der Hebamme. 735) Manchmal wurde auch ein Geldstück verstohlen unterdas Kopfkissen gelegt, wenn Pate und Anverwandte die Mutter und ihr Kind das ersteMal besuchen kamen. 796) Im Banat nannte man diese Besuche„ maien" 787). Im allgemeinenwird in katholischen Familien gerne etwas Geweihtes an das Kinderbettchen gesteckt.Dies tut man heute wie früher im gleichen gläubigen Sinn.
Mit Bedacht suchen die Eltern die Paten für ihr Kind aus. Dabei müssen heuteauch schon kommerzielle Erwägungen gepflogen werden, wenngleich das Verhältnis vonPate und Kind noch immer als besonders eng empfunden werden. Vielfach meint man,daß der Charakter des Kindes sich nach dem richtet, der es während der Taufe hält. DasPatenbitten war früher formelhaft geregelt und daran hält man auch heute noch fest.Das Wort Pate kommt vom pater spiritualis= Taufzeuge. Das früher weit verbreiteteWort„ Gevatter" geht auf den althochdeutschen„ gifatero" zurück und bedeutet„ geist-licher Vater". Damit ist das Verhältnis von Pate und Patenkind innerhalb der Kirchemarkiert. Das Volk sieht in diesem Verhältnis ein erstes, außerblutmäßiges Verwandt-schaftsverhältnis. 788) In Siebenbürgen hießen die weiblichen und männlichen Taufzeugen
730) Taufe der Adelheid Klein 1961, in der Fabrikskaserne und in der evangelischen Kirche in Linz.781) H. Herrschaft, Banat, wie 341, S. 183.
732) G. Laube, wie 329, S. 28.
733) M. Klein, Fabrikskaserne Linz.
734) Anna Schlothauer aus Mitrovica, jetzt Linz.
H. Hager, St. Martin bei Linz.
735) A. John, Sitte, wie 546, S. 105.
J. Bachmann, Bräuche und Anschauungen im nordgauischen Sprachgebiet Böhmens( Z. f. ö. Vk.,Jg. XIV, 1908, S. 118).
Fr. Fronius, Bilder, wie 345, S. 27.
737) J. H. Schwicker, Die Deutschen in Südungarn, wie 613, S. 366. A. Hönig, Lager 65.
736) R. Eder, Volkstümliche Überlieferungen aus Nordböhmen( Z. f. ö. Vk., XII. Jg., 1906, S. 208).
738) O. A. Erich und R. Beit 1, Wörterbuch der deutschen Volkskunde, Leipzig 1936, S. 568 ff.P. Geiger, Deutsches Volkstum, wie 664, S. 106.
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