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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
Entstehung
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Jugend wurde vom Fanfarenzug Linz und Wien vom 9. bis 11. Juni in Enns abgehalten.Am 9. Juni begann das Treffen mit einem Fackelzug durch die Stadt und einer Helden-ehrung auf dem Friedhof. Das Bundesheer hatte dazu eine Ehrenwache gestellt. Dieergreifenden Worte sprach der Führer der sudetendeutschen Jugend, Horst Mück.Die Fanfarenzüge bliesen danach ihre alten Weisen feierlich durch die Nacht. Am Pfingst-sonntag früh bliesen wieder die Fanfaren vom Turm, nun kündeten sie den Festtag an.Danach nahm alles am Festgottesdienst der katholischen Kirche teil. Der Nachmittaggehörte der Jugend. Die Ennser wie die Linzer und Wiener Jugendlichen tanzten ineinem zwanglosen Beisammensein alte sudetendeutsche und österreichische Volkstänze inbunter Folge. Danach gab es ein fröhliches Würstelessen, zu dem die große Siedlungs-gemeinschaft der Gablonzer" ihre jungen Landsleute geladen hatte. Den Höhepunkt desTreffens bildete das Weihespiel, das die Geschichte der Sudetenländer dramatisch zeigteund das am Festplatz vor dem Stadtturm mit Fackelbeleuchtung aufgeführt wurde. Auchder Pfingstmontag wurde wieder mit einem Turmblasen eingeleitet. Um zehn Uhr gabes ein Platzkonzert der beiden Gruppen am Hauptplatz. In der Pause wurden Volkstänzevorgeführt. Ihr Glanzstück war der Schwerttanz", der einem alten Vorbild getreu, mitSprüchen aus dem Dreißigjährigen Krieg einstudiert worden war. Dann ging der Tanzin ein offenes Volkstanzen über. Burschen und Mädchen stürmten von der Bühneherunter und holten die Gablonzer" und auch die Ennser Zuschauer zum Tanz. DieBevölkerung war mit Freude dabei und so gestaltete sich das Pfingsttreffen der Sudeten-deutschen Jugend zu einem Volksfest. 539)

Fronleichnam

Das Fronleichnamsfest, dem Wesen nach das schönste Frühlingsfest, istder kirchliche Feiertag zur Erinnerung an die Einsetzung des Altarsakramentes. DasWesen des Volksfestes liegt in der Prang", wie man in manchen Orten Österreichs dazusagt. Mit farbenfrohen Blumen werden die Fenster der Häuser herausgeputzt, entlangder Häusermauern stehen Birkenäste in ihrem jungen Grün; am Weg, den die Prozessionnimmt, werden geschnittenes Gras und Blumen, einem Teppich gleich, ausgebreitet. In denvier Himmelsrichtungen stehen die Altäre im Freien.

Dies alles findet sich auch in den Lagern um Linz wieder. Es ist dabei erstaunlich,welche Fülle von Blumen in einem kleinen Lager aufgetrieben werden. Freilich werdenhier auf jedem Quadratmeter Boden um die Barackenwohnungen herum, Blumen gezogen.Die Schmückung des gesamten Lagers mit seiner Kirche liegt in den bewährten Händenfrommer Frauen, die die fehlenden Blumen und Zweige auch von Bekannten undVerwandten zum Fest erbetteln und herbeiholen.

Alljährlich sind es vier Gruppen von Lagerbewohnern, die sich um je einen Altarkümmern. Diese Altäre werden aus einem Stangengerüst aus Holz aufgebaut. Laubästewerden so verflochten, daß Wände und das Dach entstehen. Das Innere dieser Laubhütten,Häuseln", wie sie genannt werden, ist geschmückt mit reicher Blütenpracht. Die Innen-wände sind mit Leintüchern ausgespannt. Auf diese werden winzige Blumensträuße, gleicheiner Tapete, mit Stecknadeln angeheftet. Beliebt sind Edelweißmargeriten mit einemBlatt, Kornblumen mit einem Blatt, kleine Heckenrosensträußerln, aber auch Blätter allein.In den ersten Jahren erinnerte ein weißer Stickereivorhang beim Eingang an die Paradestube" daheim. Er ist links und rechts vom Eingang drapiert. Muttergottes- undHerz- Jesu- Bilder, Kerzenleuchter, gestickte Pölster, Altardecke und dazu Blumen überBlumen, geschickt und geschmackvoll angeordnet, bringen den Gestalterinnen höchstes

539) L. Lenthe, Linz.

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