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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
Entstehung
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Von Osterfeuern, Osterschießen und Osterritten wird ausden hier genannten Gebieten wenig berichtet. Im Sudetenland waren diese Bräuche ver-breiteter. In der Bukowina nannte man die Osterfeier Wachfeuer", in Tschermann, Slo-wakei, Judasfeuer. 461) Da und dort sprangen Jünglinge über die Flammen hinweg, umnach altem Brauch den Hexen und bösen Geistern die Macht über Haus und Hof zu neh-men. Im gleichen Sinn sind auch die Bräuche des Schießens während der Osternacht zuverstehen. 461) Am Ostermontag ritt man in der Neuerner Gegend zum Leonhardikirchleinbei Kohlheim im Böhmerwald. Beim Osterritt wurde das Kirchlein dreimal umritten. 463)In vielen deutschen Orten Ungarns war es üblich, gute Osterfeiertage zuwünschen. Die Patenkinder gingen vor allem in die Häuser der Paten um Oschtranwinsche". Ein Spruch dazu lautet: I wensch Eue glickselige Oschtrfoitag, glorreicheAuferstehung und fröhliche Alleluja." Dafür erhielten die Kinder von den Paten dieOstergaben, bestehend aus Eiern, Nüssen, Äpfeln und Lebzelten. Diese waren für Mäd-chen in Gestalt einer Puppe oder eines Herzens, für Buben wählte man Hasen und Gei-gen. Größere Mädchen erhielten Kopftücher. 464). Die Buben in der Slowakei gingen Schmeckostern", dafür bekamen sie Ostereier. Der Hase wurde nicht beansprucht. 465)Im Adlergebirge, Sudetenland, gingen am Donnerstag vor Ostern die Mädchen von Hauszu Haus Gründonnerschtich wenscha" und erhielten dafür Eier und verschiedene brauch-tümliche Gebäcke 466). In den Städten brachte der Osterhase die Eier. Sie wurden von denKindern am Ostermorgen gesucht. Wenn sich auch die Ostergaben in Linz etwas veränder-ten, die Vorliebe für bunte Ostereier blieb. Diese blieben im Sprachgebrauch,trotzdem sie verschieden gefärbt waren, als rote Ostereier" erhalten. Schon in der Kar-woche wurden sie gesammelt, gekocht, gefärbt und oft auch kunstvoll geziert. Die Vor-liebe der Siebenbürger Sachsen erstreckte sich auf die Farben rot und blau, die auch dieLandesfarben sind. Daran hält man auch heute noch fest. 467) In Rumänien und Galiziengibt es sehr schön verzierte Eier. Rumäner, Ukrainer, Slowaken und Tschechen verstehensich besonders darauf, mehrfarbige Muster in Wachstechnik anzuwenden, um künstlerischgestaltete Ostereier zu haben; die der Deutschen sind meist einfärbig. In der Bukowinawurden sie mit Zwiebelschalen, Nußblätter, Baumrinde, Tannengrün und anderen Farb-stoffen, die die Natur lieferte, bemalt. Geziert wurden sie durch Ritzen. Diese geritztenEier, auch Beschriebene Eier" genannt, trugen feine Zeichnungen. Die Muster vererbtensich wie die Strickmuster. Gewöhnlich waren es nur einige Frauen im Dorf, die darin einebesondere Geschicklichkeit hatten. Manche Muster hatten Namen 468). Durch Frau AnnaLoistl in Linz, konnte die Tradition der Böhmerwäldler Ostereier nicht nur erhalten werden,sondern gewann durch den Verkauf im Oberösterreichischen Heimatwerk große Verbreitungund Nachahmung. Sie färbte ursprünglich nur für ihre Kinder und die Landsleute ihresBekanntenkreises die Eier in Böhmerwäldler- Art. Sie schreibt" etwa 100 Muster aufdunkelrote, hellrote und violette Eier in Ritztechnik. Es sind dies Streumuster, Streifen-muster aus Blattranken, Zierat, der die Eier in Segmente teilt, Sprüche, Liedanfänge undWidmungen.

Um die Ostereier fanden sich einige legendäre Erzählungen, die aus dem Ostkarpaten-raum überliefert sind. So erzählt man sich, daß, als der Erlöser von seinen Feinden

461) H. Wolf- Beranek, wie 36.

462) G. Laube, wie 329, S. 40.

463) J. Hanika, wie 92, S. 9.

464) R. Hartmann, Deutsche Volkskunde in Ungarn, wie 407, S. 225.

465) L. Wohland, Der entthronte Osterhase( Karpaten- Jahrbuch 1960, i S. 146).

466) J. Hanika, wie 92, S. 20.

467) G. K na 11, Mediasch. dzt. Linz, Lager 65.

468) A. C. Kochanowski, Ostereier in der Bukowina und in Galizien( Z. f. ö. Vk., 5. Jg., 1899,

S. 155).