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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
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War die Gratulationstour beendet, begann das Wettreiten, etwa 6- 8 km weit in dieNachbargemeinde. Abends fanden sich die Burschen wieder beim Tanz ein. Nun wurdenKuchen und Wein gemeinsam verzehrt. Die Musikkapelle wurde an diesem Tag vonder Schwesternschaft bezahlt.( Martin May, Traun, Siebenbürgerstraße.)

Die Erinnerung an diese Bräuche ist hier durchaus lebendig und sie werden gelegent-lich bei geselligen Zusammenkünften vereinzelt auch noch geübt.

Fasten- und Osterzeit

Mit dem Empfang der geweihten Asche wurde nach alter Sitte die Fastenzeiteingeleitet. Die große Fastenzeit", wie sie im schwäbischen Siedlungsraum heißt, wurdeeinst recht streng gehalten. Man kein Fleisch und sogar keine Eier. Davonausgenommen waren nur die Sonntage. Das Kinderwort aus dem barocken Banat bringtdies zum Ausdruck: Alleluja, mit Butter und Käs ist huja", das heißt ist es aus. 419)

Am Sonnabend wurde eine Fastenandacht gehalten. Man deckte den Tisch mit einemweißen Tuch und stellte darauf das Kruzifix. Davor betete man im Familienkreis denschmerzhaften Rosenkranz. Hernach gab es eine einfache Speise. 420) Auch Adam Müller-Guttenbrunn erzählte von diesen Sitten im Banat und Koloman Juhasz weiß aus derBarockzeit zu berichten, daß die Fastenzeit durch die Ausbreitung und Pflege der Kreuz-wegandachten ihr besonderes Gepräge erhielten. Kirchen- und Kreuzwegandachten ver-sammelten alle Dorfbewohner des Banates bis zur Gegenwart. 421)

In Sathmar war der erste Fastensonntag der Funkensonntag. Da wurden Holz-scheiter auf den Feldern verbrannt. Die Burschen brachten vorher auf geschmücktenWagen Stroh und ein Kreuz aus Holzstecken aufs Feld. Das älteste Mädchen zündetedieses Kreuz am Abend mit einem geweihten Wachsstock an. Diesem frommen Brauchgingen ernste Gebete voraus. Nachdem das Kreuz abgebrannt war, gingen die Burschengemeinsam in einen Keller, um den Funken zu löschen". 422)

Ganz besonders strenges Fasten bringt die Karwoche, die im Egerland auch Marter-woche" oder Leidenswoche" heißt. 423) Höhepunkt des Fastens ist der Karfreitag. AlteLeute essen fast nichts an diesem Tag. In alter Zeit war es zudem verboten, Feuer zumachen. Im Ofener Bergland war man der Meinung, daß am Karfreitag darum keinFeuer gemacht werden soll, weil dorthin, wo der Schornstein raucht, sich die Wetterhinziehen 424). Auch in der Schwäbischen Türkei wurde am Karfreiag bis zu Mittagnichts gegessen. Vor Sonnenaufgang gingen die Frauen zum Kreuz, um zu beten. Diestaten sie in Erinnerung an die heiligen Frauen, die zum Kreuze Christi wanderten. Auchwuschen sie sich in der Früh im Bach. Dazu erzählten die Alten, daß einst die Juden umdiese Zeit Jesus mit gebundenen Händen in einen Bach gestoßen haben. 425)

In Tschanad im Banat war es Brauch, am Karfreitag Brot zu backen. Ein sogenanntesKarfreitaglaibchen oder Karfreitagmitschel" wurde als segenbringend bis zum Karfreitagdes nächsten Jahres aufbewahrt. Ein solches Karfreitaglaibchen hatte einst weisendeKraft in Hochwassernot, so erzählt die Legende. 426) Andernorts wird das Weißgebäckdem ersten Bettler am Karfreitag gegeben. 427) Im Egerland war das Osterlaibel mit

419) K. Juhasz, Barock- Frömmigkeit, wie 381, S. 243.

420) K. Kraushaar, wie 121, S. 38.

421) Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, wie 19, Bd. I, S. 244.

422) H. Moser, Schwäbische Mundart, wie 418, S. 152.

423) Egerland- Jugend( Unser Schulungsblatt), 1. Jg., Folge 1/57.

424) Deutsch- ungarische Heimatblätter, VII. Jg., Heft 1, Budapest 1935.

425) Wie 418, S. 153.

426) Neuland", 5. Jg., Nr. 48, 30. Nov. 1952.

Die Brücke", Folge 14, 9. April 1955.

427) K. Juhasz, wie 381, S. 244.

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