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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
Entstehung
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Spitzenbesatz dies nicht gestatteten. Kein Mädchen wollte etwas von ihrer Schönheiteinbüßen und darauf achteten auch die Mütter streng. Wohl aus dem gleichen Grundsetzt sich die Jugend auch heute nicht in den Pausen. So wandern die Trachtenträgerder Böhmerwald- Jugend in Linz paarweise rund um die Tanzfläche. 408) In den Tanz-pausen war es im Egerland einst Sitte, daß die Burschen mit schäumenden Bierkrügen vordie Musikanten traten und einzeln oder gemeinsam altüberlieferte und improvisierteVierzeiler sangen. Die Musikanten spielten die Weisen nach und die Mädchen tanztendazu im Kreis den Roia= Reigen. 409) Getanzt wird an Sonn- und Feiertagen nach demDreikönigstag bis Kathrein. Faschingsonntag, zu Ostern, Pfingsten und Kirchweih fin-den größere Tanzveranstaltungen statt. Diese Ordnung blieb auch hier bestehen. Imungarischen Raum nannte man sie einfach Musich". Eine Musikbanda", die Blech-und Streichmusik spielen können muß, besteht aus sechs bis zwölf Musikanten. 410) Ge-ändert hat sich in Linz nur die Auswahl der Tänze und der Musik.

Im Egerland war die alte Bauernmusik mit Geige, Dudelsack und Klarinette ineinzelnen Kapellen noch bis zur Gegenwart vertreten. Ein alter Spruch, überliefert ausder Zeit um 1880, sagt: Es gibt keine Hochzeit im Egerland, wo nicht der Dudelsack istbekannt." 411) An Tänzen waren Ländler, Walzer, Polka und Marsch beliebt. 412)

An der Wende der Fastenzeit, um 24 Uhr, ertönte einst in der Batschka dieFastenglocke. Nach dem alten Brauch zog das Glockengeläute der Ausgelassen-heit eine Grenze. 418) Ein Mitglied der Gemeindevorstehung mußte dafür sorgen, daß beimFastenläuten das Wirtshaus geräumt wurde. 414)

Am nächsten Morgen ging man zur Kirche. In vielen Gemeinden des hierbehandelten Siedlungsraumes wurde nach dem Kirchenbesuch der Faschingbegraben. Dies geschah auf verschiedene Arten. Aus dem Banat erfahren wir ausältester Zeit, daß bei Morgengrauen des Aschermittwochs unter den Klängen einesTrauermarsches, ein Musikinstrument in den Fußboden des Tanzsaales versenkt wurde. 415)Ganz allgemein aber wurde eine Puppe aus Stroh oder Fetzen als Verkörperung desFaschings öffentlich verbrannt, ins Wasser versenkt oder begraben. 416) Im Egerlandwar es der Blasl, dem seine Frau Hejfut" folgte, der erst aufgehängt und dann inden Mist geworfen wurde. 417) Oft wird auch ein Bursche, der dem Alkohol zuvielzugesprochen hatte, in den Schnee eingegraben. 418) In der Batschka nannte man diesenBrauch Bacchus begraben".

Einen Faschingsendbrauch, verbunden mit einem Wettritt, kannten auch die Nord-siebenbürger, wie aus Wermesch berichtet wird. Das Volksfest begann am Aschermitt-woch mit der Darbietung eines Ständchens. Alle Burschen ritten in einem Zug vor dieHäuser des Pfarrers, Bürgermeisters, seit altersher ,, Gräif genannt, dann zum Rektor( Schuldirektor), zu allen Kirchenvätern und zu allen Mädchen der Schwesternschaft, umeinige Volkslieder darzubringen. Überall gab es Kuchen und Wein für die Reiter. Da sienicht alles verzehren konnten, führten sie einen Plachenwagen mit, in dem sie einenKorb und ein Faß für die Gaben bereithielten. An diesen Wagen wurde noch ein Karrenangehängt, auf dem eine Strohpuppe befestigt war. Diese wurde schließlich verbrannt.

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408) Linz, Jänner 1953.

409) J. Hanika, Sudetendeutsche Volkskunde, wie 92, S. 14.

410) R. Hartmann, wie 407, S. 217.

411) J. Hanika, wie 92, S. 11.

412) ders., S. 14.

413) Die Brücke", Folge 4, 2. Jänner 1955.

414) K. Juhasz, wie 382.

415) ders.

416) A. Karasek- Langer, Donauschwäbische Volkskunde, wie 24, S. 24.

417) Egerland- Jugend, Unser Schulungsblatt, 1. Jg., Folge 1/57.

418) H. Moser, Schwäbische Mundart und Sitte in Sathmar, München 1937, S. 152.