weihte Kreide. Die Räucherung am Dreikönigstag ist eine Fest- und Weihestunde im eige-nen, wenn auch noch so kleinen Heim. Viele der ehemaligen Lagerbewohner sind nunweiter weg verzogen oder leben im eigenen Haus. Viele von diesen kommen Jahr für Jahrzum Lagerpfarrer mit der Bitte, ihr Heim auch an diesem Dreikönigstag weihen zu kom-men. Dieser Brauch wird ganz allgemein in allen Lagern gepflegt. Etwa 90 Prozent allerLagerbewohner lassen ihre Wohnungen am Dreikönigstag segnen( Abb. 19, 20).
Das Weihwasser holen die Volksdeutschen am Dreikönigstag oder am Vortag in derSakristei. Pfarrer Holzmann, Lagerpfarrer des Lagers 50, 54, berichtet von einer Gläubi-gen, die aus Czernowitz in der Bukowina stammt, daß sie auch 1962 wieder am Drei-königstag einen weiten Fußmarsch, etwa dreiviertel Stunden, an mancher Linzer Kirchevorbei, in die Barackenkirche machte, um die heilige Messe am Dreikönigstag zu hörenund die hl. Kommunion zu empfangen. Eine solche Anhänglichkeit zur armseligenBarackenkirche läßt sich öfters feststellen. Wie alljährlich bat sie auch diesmal nach derMesse in der Sakristei um Weihwasser, das sie in eine mitgebrachte Flasche füllen ließ.Die Frau nahm die Flasche knieend in Empfang und trank daraus einen tüchtigenSchluck. Priester und Ministranten erschauerten, denn das Wasser war eiskalt. Doch dieFrau sagte:„ Das ist schon immer das erste am Dreikönigstag, die hl. Kommunion unddas Dreikönigswasser." Der Brauch, am Dreikönigstag einen Schluck Weihwasser aufnüchternem Magen zu sich zu nehmen, war in der Bukowina weit verbreitet. Dies tat diegesamte Familie, auch die Kinder 357). Auch bei Rumänen wird das geweihte Wasserhoch geschätzt. Am„ Jordansfest" geht man in die Kirche, um die Liturgie zu hören. Vonda gehen alle, die Kirchenprozession an der Spitze, an ein fließendes Wasser oder zumDorfbrunnen. Dort wird ein Kreuz dreimal ins Wasser gesenkt. Dazu schießen Böller oderPistolen. Da dieses Wasser im Moment der Weihe als völlig rein und heilbringend gilt,unterläßt es keiner. sich davon etwas nach Hause mitzunehmen. Vor dem Mittagessenwird davon gekostet, der Rest als heilbringend verwahrt 358).
Zum Lichtmeẞtag erhielt sich aus dem donauschwäbischen Siedlungsraumfolgendes Sprüchlein, das besagt, daß der Winter zu Ende sei und es nunmehr demFrühling zugehe:
Zu Lichtmeẞ spinne vergeß
bei Tach zu Nacht gess
gnuch gfeiert, ihr Leit
jetzt geht's an die Arweit 359).
Am Maria Lichtmeß- Tag( 2. Februar) rüsten sich besonders die Großmütter zumKirchgang. Ihnen liegt ja die Versorgung der Familien mit geweihten Kerzen sehr amHerzen. Weil sie dem Tod schon näher stehen, besorgen sie in altgewohnter Weise fürjeden Haushalt eine geweihte Kerze. Stirbt eine Person aus diesem Kreis, wird in derSterbestunde die an Lichtmeß geweihte Kerze entzündet. Da viele Frauen heute in Arbeitstehen, haben die Großmütter diese Pflicht übernommen. Um sie auseinanderhalten zukönnen, binden sie jeder Kerze ein Band oder eine bunte Schleife um.
Mittelpunkt des festlichen Gottesdienstes ist die Weihe der Kerzen. Der Umgangum die Kirche mit einer brennenden Kerze bildet den Höhepunkt. Gerade in den Lagernbekommt er deshalb seine besondere festliche Note, weil die meisten Prozessionsteilnehmeralte Frauen sind, die in ihren feierlichen schwarzen Frauentrachten mit dem schwarzenKopftuch an diesem feierlichen Umgang teilnehmen.
Bei den Kirchenfeierleichkeiten sieht man noch altüberlieferte Sonntagstrachten.Nach der Zerstreuung hat die Tracht ihren ureigensten Sinn verloren. Sie kann nun
357) St. Jabkowsky, Linz Lager 55.
358) Die Österreichisch- Ungarische Monarchie in Bildern, Bd.„ Bukowina", Wien 1899, S. 220 f.359) Frau Frank, Neu- Ruma.
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