entsandte dazu einen Wagen und lud auch Handwerker und ärmere Dorfbewohner zumMitfahren ein. Oft waren es bis 2000 Wagen, die geradezu einen Schwabenzug darstell-ten, dem alles ausweichen mußte 308).
Im Ofener Bergland wurde das Bild zu Ehren der sieben Schmerzen Mariäverehrt 309).
Hier sei nochmals auf die Verehrung von Maria Trost verwiesen 310).
Von den Böhmerwäldlern Österreichs und Bayerns wird eine Muttergottes in Neu-kirchen- Heiligenblut in Bayern verehrt, die eine zeitlang die„ Madonna vor demEisernen Vorhang" genannt wurde. Das Gnadenbild war einst nach Bayerngebracht worden, um es vor den Hussiten zu beschützen 311).
Den verehrten Marienbildnissen entsprechend gab es in allen Gebieten auchMarienfeiertage, die besonders begangen wurden. Soweit diese Tage mit deneinstigen Kirchweihtagen identisch sind, werden sie auch heute noch gefeiert. Unter dendreiundzwanzig Marienfesten im Kalenderjahr erlangten das„ Maria Himmelfahrtsfest",„ Maria Lichtmeẞ“,„ Maria Verkündigung“,„ Maria Geburt",„ Maria Schnee" und dasFest der„ Königin des Rosenkranzes" besondere Bedeutung. Ausgestaltung und Betreuungdieser Marienfeste lagen zum großen Teil in den Händen der frommen Vereinigungen, dieaus den alten, überall in katholischen Ländern verbreiteten Bruderschaften entstandenwaren und schließlich in Rosenkranzvereinen, Skapuliervereinen 812), Vereinigungen„ VomHerzen Jesu" oder„ Vom lebenden Rosenkranz", Marien- Mädchenschaften u. ä. m. wei-tergeführt wurden 313). Sie waren bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts in Blüte, mancheblieben bis zum Verlassen der Wohnsitze lebendig.
Die Lagerkirche
In allen Wohnlagern mit Volksdeutschen in und um Linz befinden sich Kirchen.Diese Einrichtungen sind meist auf den ausgesprochenen Wunsch der Lagerbewohnerzurückzuführen. Katholische Institutionen nahmen ihre Anregungen gerne auf. Anfangshielt man die hl. Messe nur behelfsmäßig ab. Die Kirche war eine sogenannte„ Koffer-kirche", der Geistliche ein„ Wanderpriester". Im Lager Haid war es, wie auch in denübrigen Lagern so, daß der Saal, der zur Kantine gehörte, der einzige Gemeinschaftsraumin den damaligen Massenquartieren war. Man benützte ihn sowohl als Versammlungs-raum, Tanzsaal als auch als Kirche. Der Geistliche kam mit einem Koffer vor demGottesdienst an, und mußte mit Hilfe von Frauen und Kindern, die sich dafür bereit-gestellt hatten, den Raum erst entsprechend umwandeln. Vorerst mußte er gereinigt werdenund die Sitzplätze wurden aufgestellt. Dann erst konnte man daran denken, den Altaraufzubauen. Für diese Hilfsdienste gab es, wie für die Besorgung des Blumenschmuckesfreiwillige Helfer.
Allmählich konnte man überall einen Teil der Wohnbaracken freimachen, um derKirche zu einem bleibenden, würdigeren Standplatz zu verhelfen. So konnte sie daswerden, was die Lagerbewohner ersehnten: ihr Gotteshaus. Eine Holzwand trennte dieKirche von den übrigen Wohnungen ab. Für die Adaptierung dieser Gotteshäuserspendeten die Flüchtlinge, und dies oft reichlich. Diese ersten Kirchen waren richtigeVolks heiligtümer. Jeder Gläubige brachte irgend einen geweihten Gegenstand,meist ein Andachtsbild oder ein teures Andenken von heimatlichen Wallfahrten mit.
308) ders., S. 308, vgl. Maria Schnee von Brüx.
309) E. Bonomi,„ Südostdeutsche Forschungen“, Jg. 4, 1940, S. 792.
310) Vgl. Brünn bei Gratzen.
311)„ Die Brücke", Folge 36, 10. Sept. 1955.
312) Handwörterbuch, wie 19, S. 253 ff.
313) ebda S. 326 ff.
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