Mit den Auswanderern kam auch die Verehrung des hl. Vinzenz in das Gebietder Kleinen Karpaten und des Inowetzgebirges. Die Waldarbeiter und Holzhacker ausÖsterreich brachten ihn nämlich mit. Der Heilige ist Holzhackerpatron in Niederöster-reich, Burgenland, Oberösterreich und Salzburg 288). In diesen Ländern genießt er bis zumheutigen Tage eine lebendige Verehrung.
Das Patronat der Holzhacker geht aus der Heiligenlegende nicht klar hervor. Ver-mutlich wurde der Heilige zum Holzhackerpatron, weil er an einen Baum gebunden, ge-geißelt und mit Holzfeuer auf einem Rost gemartert worden war. Da sein Namenstag inden Beginn des Jahres fällt, in einen Zeitabschnitt also, da die Bäume wieder frische Säftebekommen und zu wachsen beginnen, ist er auch Wetterheiliger; ferner: Patron der See-leute, Weinhändler, Winzer, Dachdecker, Töpfer, Ziegelmacher, Kaffeeschänker und derSchülerinnen. Er wird um Schutz bei Körperschwäche und um Hilfe zur Wiedererlangunggestohlener Sachen angerufen 284).
Die große Bedeutung, die der heilige Hubertus in Lothringen, in der Rhein-gegend und besonders in Belgien besitzt, macht es erklärlich, daß die Auswanderer ausdiesen Gebieten seine Verehrung einst in die neue Heimat mitnahmen. So finden wir amSt. Hubertus- Tag die Jäger vom ganzen Banat zur Jagd versammelt. Zu seiner Ehre wirdan seinem Namenstag gejagt.
Zu Lebzeiten des Grafen Mercy wurden die Jäger hernach in seinem Palast bewirtet.Vor ihrem Auszug hörten sie die hl. Messe, die auch im Palast des Grafen zelebriertwurde. Während dieser wurden drei Semmeln gesegnet, von denen jeder Jäger eineSchnitte erhielt. Die Bewohner der Gemeinde St. Hubertus im Banat hatten ihrem" Hei-ligen zuliebe ihre Ortschaft nach ihm benannt 285).
Die Kolonisten des Südostraumes fühlten sich dem österreichischen Herrscherhausin Dankbarkeit und Ehrerbietung untertan. Die Wahl der Namen ihrer Kinder: Maria,Theresia, Franz, Joseph u. a. m. bekunden dies. Die große Verehrung, die sie dem heili-gen Joseph entgegenbringen, ist damit in Zusammenhang zu bringen.
Der Josephs- Kult setzte im allgemeinen spät ein. Das Mittelalter anerkennt ihn nochnicht als Heiligen. Auf alten Weihnachtsdarstellungen erscheint er noch mit einem spit-zen Judenhut, als Typ des geplagten, breikochenden, das Feuer anblasenden Hausvaters.Die große hl. Theresia machte im 16. Jahrhundert den hl. Joseph zum Fürsprecher dervon ihr gegründeten Orden der Karmeliten 286). 1621 wurde sein Namenstag am 19. Märzzum gebotenen Feiertag erklärt. Dies blieb bei den Donauschwaben, in der Slowakei undin der Bukowina so bis zum Verlassen ihrer Wohnsitze.
Der Orden der Franziskaner nahm sich vor allem der Verehrung des hl. Joseph an.Er wurde der Patron des guten Rufes. 1636 führten die Jesuiten in München ein Myste-\ rienspiel„ Patrocinium divi Josephi" auf. So hat die Zeit des Barock schließlich denJosefskult derart volkstümlich gemacht, daß Böhmen den hl. Joseph im Jahre 1654,Bayern im Jahre 1633 und Österreich 1665 zu ihrem Patron erhoben. Seine Volkstüm-lichkeit geht aus der Predigt Abrahams a Sancta Clara hervor, die dieser anläßlich desJosefsfestes 1665 hielt. Durch Kaiser Leopold wurde er zum ,, Universal- Tutelar- Patronfür alle Erbkönigreiche und Länder" erhoben. Der hl. Josef mit dem Jesuskind wirdähnlich wie der hl. Antonius zum Träger einer neuen Kultidee, nämlich jener derVäterlichkeit 287). Papst Pius IX. erklärte ihn 1870 zum Patron der Gesamtkirche. Beson-
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283) L. Schmidt, St. Vinzenz v. Saragossa als Patron der Holzarbeiter( O. Z. f. Vk., Bd. 61,Heft 1, S. 1 ff).
H. Grünn, Die Pecher, Wien 1960, S. 121.
284) O. Wimmer, wie 194, S. 480 f.
285) K. Juhasz, wie 224, S. 209.
286) wie 166, S. 70.
287) wie 166, Seite 72.
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