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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
Entstehung
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In dem nun werdenden, jungen Bauernland standen Bauern- und Vichpatrone inhöchstem Ansehen. Deshalb trifft man im deutschen Siedlungsgebiet Südosteuropas aufeine starke Verehrung des hl. Wendelin. An seinem Festtag, am 20. Oktober, fandin manchen Orten des genannten Gebietes eine Viehweihe statt. An die kirchlichenFeiern schloß sich ein Volksfest an. Dem Heiligen zu Ehren hat man zahlreiche Stand-bilder, Statuen und Bilder in Bildstöcke, Kapellen 277) und Kirchen in der Slowakei 278,Ungarn, Batschka und Banat aufgestellt. Die alten Leute dieses Siedlungsraumes, die nachdem hl. Wendelin befragt wurden, nennen ihn auch heute noch ehrfürchtig einen garwundertätigen, großen Heiligen.

Im Raum von Linz fand ich bei den Rückwanderern aus den deutschen Siedlungs-gebieten des Südostens kein Bild oder Standbild des einst so verehrten und allgemein ge-schätzten Heiligen. Diesen Menschen, die in der Zwischenzeit Industriearbeiter, Bauarbei-ter und Städter geworden waren, sagt freilich der Bauernheilige nichts mehr. Offensicht-lich handelt es sich bei der Verehrung des hl. Wendelin um einen alten Kult, den dieAuswanderer einst aus den Stammesgebieten mitgebracht hatten. Denn in diesen Her-kunftsländern, im Elsaß, Baden, Württemberg sowie im bayrischen Franken steht derHeilige als Schäferheiliger bis heute noch in hoher Verehrung 279). Die Nachkommen derersten Ansiedler kehrten als Flüchtlinge in ihre Herkunftsländer zurück. Dort erfuhr derKult wohl auch keinen Abbruch

Ebenso alt und weit verzweigt ist die Verehrung des Bauernheiligen St. Leon-hard. Er ist Heiliger der fränkisch- merowingischen Kirche. Allgemeine Verehrungkonnte sich auch der Benediktinerheilige Ägidius sichern.

Auch die ersichtlich volkstümliche Kultdynamik des hl. Ägidius, die er mit dem ihmwesensverwandten hl. Leopold teilt, und ohne die er sich nicht hätte so weitgehenddurchsetzen können, hat wohl zur Voraussetzung, daß in der Verehrung des Heiligen einfrühchristliches Element weiterlebt.

In Rheinhessen galt und gilt Egidi vielfach als Erntefest. Bezeichnend ist auch dasKirtagtreiben in Keferloh in Bayern. Der Tag war von einschneidender Wichtigkeit imbäuerlichen Wirtschaftsleben Deutschlands, Österreichs, Frankreichs und Rußlands. DemHeiligen waren allein in Böhmen 46 Kirchen gewidmet 280).

Die Winzer Europas feiern ganz allgemein den hl. Urban als ihren Patron. SeineVerehrung geht weit zurück. Vielfach ist sie schon im 15. Jahrhundert nachweisbar.Zisterzienser und Benediktiner sind Träger und Förderer des Urbankultes. Sein Fest stehtam Abschluß des gefährlichen Maimondes, einer für den Winzer bedeutsamen Zeit, näm-lich der der Weinblüte. Vorangegangen ist die gefürchtete Periode der Eisheiligen. DerUrbanstag war einst ein wichtiger Tag in der Weinwirtschaft, denn nach diesem hatte derWinzer das Recht auf den Ertrag des Weinbergs. Das bedeutet, daß mit dem Zeitpunkt,an dem der Weinberg fertig bearbeitet und sich selbst zu weiterem Wachstum und Reifeüberlassen war, die Frucht dem Winzer gehörte.

Den Heiligen verehren als ihren Patron die Winzer und Binder, angerufen wird ergegen Trunkenheit, Gicht, Blitz und Gewitter 281). Die Winzer im südosteuropäischen-Raum feierten am St. Urbanstag und im Herbst Winzerfeste und Weinlesefeste mit Kirch-gang und Tanz 282).

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277) Z. B. Wendelin- Kapelle in Oberstuben, Slowakei.

278) H. Wolf- Beranek, wie 36.

K. Kautz, Vom Deutschtum auf der Großen Schütt( Karpaten- Jahrbuch, 1951, S. 53- 59).

279) Wiener Zeitschrift für Volkskunde, Jg. XXXVI, 1931, S. 92.

280) G. Gugitz, wie 214, Bd. II, S. 92.

281) O. Wimmer, wie 194, S. 474.

282) A. Karasek- Langer, Donauschwäbische Volkskunde, wie 50, S. 9.