ges Leben auf Grund späterer Wundertaten oder durch ihre Lebensgeschichte und Haltungdas Vertrauen des gläubigen Volkes erworben.
Beispielhaft für das Wirken frommer Klöster ist die Kunde vom seligenGunther, dem Waldheiligen aus dem Böhmerwald. Er genießt sozusagen den Rufeines Nationalheiligen der Deutschen und Tschechen, denn er schlug einst geistige Brük-ken vom Kloster Niederaltaich zu den Nachbarländern im Osten. Deshalb nennt ihn diegläubige Christengemeinde den„ Wegbauer in den Osten". Der fromme Mann erwarb sichvor allem um die Besiedlung des Bayrischen und Böhmerwaldes große Verdienste undwurde zum Schutzpatron des bayrisch- böhmischen Grenzgebietes.
Der selige Gunther stammte aus dem fürstlichen Hause Kevernburg- Schwarzburg inThüringen. Dort wurde er 955 geboren. In der Mitte seines Lebens verließ er seine hohepolitische und gesellschaftliche Stellung, um als Laienbruder der Benediktiner undschließlich als Klausner von seiner Hände Arbeit und den Früchten der Natur zu leben.Um 1008 baute er sich am Ranzingerberg, der eine kleine Tagreise vom Kloster Altaichentfernt ist, eine ärmliche Klause. Dorthin in die Waldeinsamkeit zog er sich zurück. All-mählich fanden sich aber Besucher bei ihm ein und bewunderten sein heiligmäßiges Leben.Davor flüchtete Gunther und zog sich weiter in die Wildnis zurück. Doch auch das nütztenicht allzuviel, denn im Frühjahr des Jahres 1012 schlossen sich dem frommen Manneinige Brüder aus Altaich an, die mit ihm das Kloster Rinchnach mitten in der Wildnisgründeten. Bald besaß er eine blühende Landwirtschaft. Gunther legte nun Wege zumMutterkloster Altaich und nach Böhmen hin an, die sogenannten„ Guntherwege", diedurch den Urwald führten. Die Klostersiedlung zog alsbald Heimat- und Erwerbslose an,die sich im Schutze des Klosters eine eigene Heimat gründen wollten. Ihrer wurden soviele, daß Kaiser Konrad II. dem Kloster Rinchnach eine Urwaldfläche vom Umfang einesLandkreises überwies. Hier entstand alsbald neues Siedelland. So wurde der selige Gun-ther Kolonisator und Apostel des Böhmerwaldes. Schon bei den ersten Kriegszügen leisteteder Heilige den deutschen Heeren ersprießliche Dienste. Der Rat des frommen Eremitengalt auch in Staatsangelegenheiten sehr viel und wurde oftmals in Anspruch genommen.Er konnte zwischen deutschen, böhmischen und polnischen Fürsten vermitteln. Deshalbwurde der selige Gunther auch von den Tschechen verehrt. Sie schufen einen Kranzblühender Legenden über ihn und sein Leben. 184). Die Kirche in Gutwasser ist dem Hei-ligen geweiht. Dort entspringt auf einem Felsen, der den Namen„ Guntherfelsen" trägt,eine heilkräftige Quelle. Der Felsen war das Ziel häufiger und zahlreicher Wallfahrtenvon deutschen und slawischen Böhmen 185). Auch den„ Goldenen Steig" soll er gebauthaben 186).
Die Hauptpflegestätte des Gunther- Kultes liegt in Niederaltaich. In der Kirche vonHaidmühl fand zur tausendsten Wiederkehr des Geburtstages des großen Heiligen eindeutsch- tschechischer Gemeinschaftsgottesdienst statt. Der Hauptgedanke der Predigtwaren die guten Ost- West- Beziehungen. Wie groß die Bedeutung des Festes war, ist dar-aus zu erkennen, daß alle zehn Äbte der Bayrischen Benediktiner- Kongregation daran teil-nahmen 187).
Die Kirchengeschichte Böhmens und Mährens hängt mit der Geschichte des Bene-diktinerordens eng zusammen. 845 empfingen in Regensburg vierzehn böhmischeEdle die Taufe. Nach der Trennung der Böhmen vom Großmährischen Reich begaben sicheinige böhmische Herren zum Reichstag nach Regensburg, 895. Von da an gehörte Böh-
184) P. G. Lang, Unsere Namenspatrone in Wort und Bild, Flugblattdruck, Neuland- Verlag, Mün-chen 1949.185) J. Wenzig u. J. Krejci, Der Böhmerwald, Prag 1960, S. 182.186) ders. S. 249.
187)„ Die Brücke", wie 13, Folge 18, 7. V. 1955, Folge 32, 13. VIII. 1955, Folge 41, 15. X. 1955.
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