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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
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Gelübde der Treue und Verpflichtung zum täglichen Rosenkranzgebet sowie die aktiveWerbung für die Idee der Legion sind die Grundsätze. Der Ablauf der wöchentlichenZusammenkünfte und Betstunden wird in der gleichen Weise gepflegt wie die erste feier-liche Aufnahme von Legionären im Myra- House in Dublin am 7. September 1921 umacht Uhr abends erfolgte. Verehrt wird die Gestalt der unbefleckten Muttergottes Maria".In der Siedlung der Siebenbürger Sachsen in Traun, Siebenbürgerstraße, findet all-wöchentlich eine fromme Hausversammlung" statt. Dies ist meist am Diens-tag. Dort werden fromme Lieder gesungen, wie sie in der evangelischen Kirche üblich sind,und solche, die dem Geist der Freien Christengemeinde in Linz" erwuchsen. Gemein-same Gebete vereinen die Siedler um einen Prediger oder die Schwester der genanntenKirche 181). Bei Angehörigen des Stammes der Siebenbürger Sachsen findet sich häufigein Zug zur tiefen Religiosität. Dieser Wesenszug ist nichts Neues, 1937 schildert MischOrend diese Gruppe in seiner Wesensschau: Menschen, die Schweres erlebt haben unddie mit diesen Erlebnissen nicht fertig werden, greifen oft zur Bibel und leben ganz in die-ser Welt, die sie sich den Buchstellen und ihrem eigenen Zustand gemäß zurechtgeschaf-fen haben. Sie werden von den anderen Bauern als Heilige" bezeichnet 182).

Der Verlust der Heimat mag diese Veranlagung noch verstärkt haben.

Die Heiligen verehrung

Die Heiligenverehrung der Volksdeutschen ist vielfältig und vielschichtig. Das istdurch die gesonderten landschaftlichen und kirchengeschichtlichen Ent-wicklungen bedingt. Denn gerade in der volkstümlichen Heiligenverehrung findet dasreligiöse Leben eines Volkes seinen erkennbaren anhaltenden Niederschlag. AllgemeineVerehrungswellen lösen gesonderte Entwicklungen ab, und plötzlicher Strukturwandel imAufbau eines Volkes vermag veränderte religiöse Erscheinungen auszulösen. Neben ver-ehrten Aposteln aus der Zeit der Christianisierung erfreuen sich bestimmte Ordensheilige,deren Verbreitung vom Orden aus gelenkt wurde, besonderer Beliebtheit. So wirken dieBenediktiner vorerst in Böhmen und Mähren, in Ungarn, in der Batschka und im Banat,die Franziskaner- und Kapuzinerorden im gesamten Südosten( etwa besonders im Gebietdes heutigen Jugoslawien, und schließlich gelingt es den Jesuiten in allen Gebieten Fußzu fassen. Bestimmte Fürbitter und Patrone zogen einst mit den Auswanderern, die oft-mals ihre Weltpriester in das unbekannte Land begleiteten, mit. Vielfach stieß man dortauf bestehende fromme Traditionen der eventuell vorhandenen einheimischen Bevölke-rung, die allmählich auch übernommen wurden. Die Neuzeit bringt allenthalben Ver-änderungen und Umwälzungen. Je nach Volkscharakter sind die Schwankungen im reli-giösen Leben stärker oder schwächer spürbar. Diesen zeitbedingten Veränderungen stehenneue Formen gegenüber, die durch Flucht und Vertreibung hervorgerufen wurden. Dersoziale Wandel bringt eine Verlagerung der Heiligenverehrung mit sich. Armut und Notmachen neue Idealbilder und Fürsprecher nötig.

In diesen Heiligen sieht die katholische Kirche die großen Helfer und DienerGottes. Ursprünglich kannte die Liturgie keine Heiilgenfeste. Diese entstanden aus denJahresfesten der ersten Christen an den Gräbern der Märtyrer. Erst nach dem 9. Jahrhun-dert wurde die Heiligenverehrung allgemein. Das Konzil von Trient 1545- 1563 stelltezur Fürbitte der Heiligen fest, daß diese wohl nicht notwendig, durch Gottes freien Rat-schluß aber von Ewigkeit her in den Heilsplan aufgenommen sind 188). So wurden dieHeiligen allmählich die Mittler zum höchsten Herrn. Sie hatten sich durch ihr heiligmäßi-

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181) M. Waret zi, Traun, Siebenbürgerstraße.

182) M. Orend, Siebenbürger Sachsen, eine Wesensschau, Leipzig 1937, S. 111.

183) H. Schauerte, Die volkstümliche Heiligenverehrung, Münster 1948, S. 20- 90.