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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
Entstehung
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Ofener Bergland wurden die Schützen der deutschen Schützengesellschaft im Pfarrhofuntergebracht und auch dort verpflegt 174).

Heute halten in den Lagerkirchen Ministranten und Angehörige der katholischenJugendverbände die Wache vor dem heiligen Grab. Dazu verharren Frauen und Männerzu zweien eine Stunde lang betend und wachend, bis sie wieder abgelöst werden. Diesdauert bis Mitternacht 175).

Die neuntägigen Andachten vor Weihnachten, als Herbergsuchenbekannt, finden sich in Linz und Umgebung bei allen katholischen Flüchtlingsgemein-schaften. In den meisten Fällen handelt es sich um ein Wiederanknüpfen an das Volks-schauspiel aus dem eigenen Schicksal heraus. Beginn der Hausandachten ist der 15. De-zember und Ende der heilige Abend. Im Mittelpunkt der Andacht steht die Überbringungeines Marienbildes. Dieses wandert, schön geschmückt, jeden Abend in eine andere Woh-nung. Eine Stubengemeinschaft, wie die neun Familien genannt werden, wohnt meistin der gleichen Baracke. Ehe dieser religiöse Brauch der Vorweihnachtszeit beginnt, wer-den genaue Besprechungen über Reihenfolge und Gestaltung der Herbergsuche abgehal-ten. Trotz großer räumlicher Schwierigkeiten nahm man den Gedanken der Herbergsuchezur Weihnachtszeit bereitwillig auf und hält bis heute daran fest. In dem kleinen Wohn-lager 65 schlossen sich beispielsweise sieben Gruppen zu neun Familien zusammen 176).Das Herbergsuchen, das einst aus dem geistlichen Volksschauspiel des Mittelalters heraus-gewachsen war, erlebt hier eine neue Blütezeit 177). Als Textunterlage dient ein Einblatt-druck der Katholischen Schriftenmission.

In großen Städten gibt es außerdem noch vorweihnachtliche Gebetsstun-den und Andachtsübungen für Heimatvertriebene. In den Predigten wird der Toten undder verlorenen Heimat gedacht 178).

Viele der erwähnten Hausandachten sind aus den Gebetsübungen der Bruderschaf-ten" überliefert. Diese sind aus den klösterlichen Gebetsverbrüderungen des Mittelaltersabzuleiten. Durch die Zerstreuung ihrer Mitglieder zerfielen die Einrichtungen der Laien-bruderschaften. In manchen Gegenden, wie etwa in der Slowakei, zerbrachen sie schonum die Jahrhundertwende.

Es nimmt uns daher nicht wunder, daß der Gedanke der Legion Mariae, der sich inkatholischen Kreisen stark durchsetzte, unter den Volksdeutschen große Aufnahmebereit-schaft findet. Diese Legion ist eine Gemeinschaft von Laien, die neben den geregeltenAndachtsübungen auch für jede Art von praktischer Seelsorge dem zuständigen Pfarramtzur Verfügung steht. Innerhalb der Gemeinschaft kommt es zu geregelten Hausandachten.Wie den alten Bruderschaften obliegt auch ihnen die Sorge um gemeinsames Gebet, Got-tesdienst, Altarschmuck, Begräbnis der Mitbrüder, Gebet für die Armen Seelen, Almosenund Krankenfürsorge 179).

In den Lagern finden bei den Familien, die Legionsangehörige sind, an SamstagenLegionsandachten statt. Diese Hausandachten finden sich auch in sehr katho-lischen Familien der Siedlungen St. Martin und Traun 180). Auch dazu muß der Tischweiß gedeckt sein. Auf ihm steht die Statue der hl. Maria, umgeben von Blumenschmuckund brennenden Kerzen. Als geistiges Rüstzeug darf außerdem das Buch Legion Mariae"nicht fehlen. Die Aufnahme von Legionären unterliegt einem speziellen Zeremoniell. Das

1953.

174) E. Bonomi, Deutsche Forschungen in Ungarn, VI. Jg., 1941, S. 25.

175) Prof. Haltermayer für alle Flüchtlinge der Wohnlager.

176) Vorbeterin A. Kristmann, Lager 65, 1957.

177) Wie 166, S. 144.

178) Z. B. Weihnachtsandacht für Heimatvertriebene, Wien, Augustinerkirche, 1953, Graz am 19. Dez.

179) Legion Mariae", Dublin 1921.

180) H. Hager, St. Martin bei Linz.

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