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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
Entstehung
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Im Lager Haid halten fromme Familien auch am Allerheiligentag Gebets-stunden in den Stuben der Katholiken ab. Sie hüten so eine alte religiöse Tradition. DieseHausandachten wurden wie alle Volksandachten, die außerhalb von Kirche und Priestergehalten werden, von Papst Benedikt XIV. anerkannt und in den Kreislauf des geistlichenJahres aufgenommen 169). Zu diesen Hausandachten finden sich Verwandte und Nachbars-leute in einer Lagerwohnung ein. Für jeden Verstorbenen der anwesenden Familien ent-zünden die Versammelten eine Kerze. Für diesen Anlaß werden das ganze Jahr über ge-weihte Kerzen aufbewahrt. Gemeinsam wird der Schmerzhafte Rosenkranz" gebetet.

Vor Ostern und vor Weihnachten, den großen kirchlichen Hoch-festen, findet man sich abermals zu Hausandachten zusammen. In den ersten Jahren such-ten die Lagerbewohner dazu die Kirchen auf, weil der Platz sehr beschränkt war. Nunaber findet man sich in Lagern, wie in den neuen Siedlungen wieder zu Hausbetstundenein. Diese Gebete und Lieder der Fastenzeit stehen oft unter einem besonderen Leitgedan-ken, wie etwa den der Bekehrung der Welt" oder der Gebete für den unterdrücktenOsten" 170). Von solchen Betstunden der großen Fastenzeit, die von Aschermittwoch bisOstern dauert, berichtet K. Kraushaar, daß sie in der Vergangenheit bei den Donauschwa-ben allgemein üblich waren. In jedem Haus gab es damals in dieser Zeitspanne am Sonn-abend eine Fastenandacht. Man wusch sich sauber, deckte den Tisch mit einem weißenTuch, darauf stellte man ein Kreuz und kniete davor, während man Rosenkranz betete.Nach den Gebeten gab es eine gemeinsame Mahlzeit aus einfachen Speisen.

Der Rosenkranz nimmt überall eine besondere Stellung in den Volksandach-ten ein. Wohl früher entstanden, erhielt er im Barock jene Form, die ihn zum beliebtenGemeinschaftsgebet machte und seiner Pflege in besonderen Bruderschaften und Andachts-bildern weiten Raum gab. Er scheint geradezu die Kristallisation der Glaubensgeheimnissezu sein 169).

Zu größeren Andachten, Einkehrstunden und Fastenandachtender Heimatlosen ruft die Kirche die Gläubigen in jene Kapellen und Heiligtümer,die sich im Laufe der Zeit zu religiösen Mittelpunkten der Volksdeutschen entwickelten.In Linz werden sie im Alten Dom", in Steyr in der Michaeler Vorstadtkirche, in Riedund Kremsmünster in den Stadtpfarrkirchen abgehalten.

Auch das brauchtümliche Wachen am heiligen Grabe verlief einststreng geregelt. Es wurde von der katholischen Bevölkerung um und in Linz beibehalten,wenn es auch durch die Verhältnisse verändert wurde. Jedoch heute wie ehedem geschiehtder Wechsel der Wachenden und die Bestimmung der gemeinsamen Gebete ohne Beiseinder Geistlichkeit 171).

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Gläubiges Denken bestimmte die Handlungen der Bauernvölker des Südostens. Über-all ruhte an den letzten Tagen der Karwoche die Arbeit. Denn wer gräbt, hackt oder Holzschneidet, hackt oder schneidet den Leib Christiso sagt man 172). Auch war der Tagden bösen Mächten hold. So machte man kein Feuer im Herd, weil sich der Rauch andiesem Tag aus dem Schornstein dorthin zieht, wo die Wetter ziehen. Da also nicht ge-arbeitet und streng gefastet wurde, verbrachte man die Fastenzeit im Gebet und in derKirche 173). Das ganze Dorf war daher bereit, die Wache am heiligen Grabe zu überneh-men. Auch Schützenvereine, Feuerwehr, alte Bruderschaften und Militär nahmen daranteil. Ministranten, Frauen und Männer des Dorfes fanden sich bis Mitternacht ein. Im

169) Wie 166, S. 193 ff.

170) Vorbeterin A. Kristmann, Lager 65.

171) Pfarrer Wagner, Lager Haid, Lager 63, 65.

172) Deutsch- ungarische Heimatblätter, Jg. VII, Heft 1, Budapest 1935, S. 3- 20.

178) K. Kraus haar, Sitten und Bräuche, wie 121, A 34.

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