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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
Entstehung
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fahrten die Böhmerwäldler von Linz nach Maria Puchheim. 156) Auch heute noch findensich im Herbst heimatlose Wallfahrer bei diesem großen Heiligtum ein.( 1955)

Für die alten und kranken Flüchtlinge des Lagers und Altersheimes Neukirchen beiLambach konnte eine neue Marienstatue, eine Mutter der Heimatlosen" geschaffenwerden. Am Tag Mariae Heimsuchung, dem altbekannten Wallfahrtstermin, wurde sieder Lagerkapelle feierlich übergeben. Bischof Dr. Zauner nahm die Weihe vor und richteteeine herzliche Ansprache an die Alten, von denen viele, auf Tragbahren gebettet, an derFeier als Ersatz für eine Wallfahrt teilnehmen konnten. Die Holzplastik zeigt eine Schutz-mantelmuttergottes, unter deren Mantel ein Flüchtlingspaar Schutz sucht.

Wegkreuze und Bauernkapellen werden von den Lagern aus unkontrolliert, als Nahwallfahrten" aufgesucht. 157) Zu Großfahrten meldet man sich wie die übrigenGläubigen. So nahmen z. B. die Lagerbewohner aus Schardenberg im Innviertel 158) aneiner Wallfahrt nach Alt- Ötting teil. Die Arbeiter und Angestellten des Wohnlagers Haidmachten eine Wallfahrt nach Mariazell. Dort ließen sie vier Kerzen weihen, die zumKirchweihfest die Lagerkirche schmückten.

In den letzten Jahren setzte sich immer mehr die Einrichtung einer Großwall-fahrt aller Heimatvertriebenen aus Österreich durch. 1954 ging die Wallfahrt unterder Führung von Bischof- Koadjutor Dr. Franz Zauner nach Mariazell. Sie vereinteTausende katholische Heimatvertriebene aus allen Bundesländern. Sonderzüge und-autobusse kamen unter der Führung der Flüchtlingsseelsorger aus mehreren Landes-hauptstädten zum Heiligtum. 159) Im Jahre 1955 unternahmen die HeimatvertriebenenNieder- und Oberösterreichs eine große Wallfahrt. Sie bewegte sich für die aus Ober-österreich kommenden Pilger vom Linzer Donauhafen donauabwärts nach Maria Taferl.Die Wallfahrt dauerte zwei Tage, am 10. und 11. September. Höhepunkte waren dieAndacht in der Gnadenstätte und die daran anschließende Lichterprozession, sowie deranderntags abgehaltene Festgottesdienst. Man zählte etwa 2000 Teilnehmer. 160) Auch1957 fand eine Großwallfahrt vom 30. und 31. August unter der Führung von ErzbischofDr. Dr. König statt, die im Jubiläumsjahr von Mariazell, die Volksdeutschen aus Öster-reich dahin führte. Für das Jahr 1962 war eine Romwallfahrt der Heimatvertriebenen fürden 2. bis 9. August geplant. Diese führte die Caritas Linz aus Anlaß der Zehnjahres-wende seit dem päpstlichen Rundschreiben Exsul Familiae" nach Rom. In Rom warenvorgesehen: Sonderempfang beim Heiligen Vater, Kundgebung verschiedener Emigranten-gruppen sowie Sondersitzungen der einzelnen Nationen. 161)

Nicht alle Pilgerfahrten, die im Laufe der Jahre unternommen wurden, können indiesem Rahmen angegeben werden. Viele sind nie bekannt geworden. Seit der Ablegungder alten Heimattracht sind die Pilger nicht mehr so leicht als Volksdeutsche erkennbar.Was aber war und ist es, das diese Menschen immer wieder zu dieser Form der Wallfahrtzieht und was ergreift sie so sehr?

Mit dem Verlust der Heimat, Kirchen und Gnadenstätten entstand eine geistigeLeere und Schutzlosigkeit. Neue Gnadenorte wurden gesucht und in unserem Landegefunden. Die gemeinsamen Pilgerfahrten ließen ein Stück alte Heimat wach werden.Folgen wir der Schilderung eine Filipovoer Wallfahrerin: Auf einmal war dieHeimat da, mitten in der Fremde, wir zogen über den weiten Pilgerplatz in die Gnaden-kapelle unter Gesang der alten Wallfahrts- und Marienlieder. Gerade diese machten uns

156) Neuland" wie 57, 6. Jg., Nr. 28, 11. Juli 1953.

157) Die Lagerinsassen von Kleinmünchen sind mit ihrem Pfarrer Z. B. 1952 nach der hl. Messe zurKapelle Maria vom guten Rath" gemeinsam gewallfahrtet.

158) Anna Baumann, Schardenberg und Lager 67, 1954.

159) Die Brücke", wie 13), Folge 17, 9. Juli 1949, Neuland" wie 57, Folge 33, 7. Jg., 14. Aug. 1954.160) Die Brücke" wie 13, Folge 35, 3. Sept. 1955, Folge 38, 24. Sept. 1955.

161) Neuland" wie 57, Folge 29, 21. Juli 1962.

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