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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
Entstehung
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wallfahrten immer mehr an Bedeutung. Nun sucht man die Gnadenorte Maria Zell, MariaTaferl 142), Sonntagsberg, Maria Plain und Alt- Ötting auf.

Schon 1945/46 wurden eine Reihe sudetendeutscher, frommer Überlieferungen inÖsterreich heimisch: Ja, es kam zu neuen Traditionsstätten. So wurde inHietzing( Gemeindebezirk von Wien) das alte Standbild der schwarzen Schweden- Mut-tergottes, die 1645 Brünn vor schwerer Kriegsnot gerettet haben soll, in stiller Prozessionzur Pfarrkirche getragen. Auch das vierhundert Jahre alte Brüxer Maria Schnee- Fest",das an die wunderbare Errettung der Stadt vor dem Hussitensturm erinnert, fand in Öster-reich eine neue Verehrungsstätte und mancherlei Ausweitung. Die Brüxer aller östlichenBundesländer feierten das Fest in Wien. Auch andere Landsleute, aus Komotau, Dux,Teplitz u. a. m. schlossen sich diesem ursprünglich örtlich begrenzten Fest an und form-ten es nun zum Brauch einer ganzen Landschaft.

Ähnliche Ausweitung erfuhr auch das Wachststockfest" der Mährisch- Neustädter,das auf das Gelöbnis einer Bürgersfrau anläßlich der Stadtbelagerung durch den Ungarn-könig Mathias Corvinus zurückgeht.

Im 17. Gemeindebezirk von Wien, in der St. Anna- Kapelle, wurde am 4. Oktober1953 die Weihe einer Nachbildung des Gnadenbildes von Maria Brünn bei Gratzendurchgeführt.

Viel später, erst am 1. Juni 1958, kam es zu einer ähnlichen Gründung in Linz. Inder Kirche der Siedlung Neue Heimat wurde eine Kopie des Brünnler Gnadenbildes ge-weiht und zur Verehrung aufgestellt. Es befindet sich an der Mauer links vom Hochaltar.Mit diesem von einem Landsmann laienhaft ausgeführten Ölbild schuf die Gruppe derBöhmerwäldler eine neue Gnadenstätte alter Tradition. Hierher soll nun alljährlich eineWallfahrt der Böhmerwäldler unternommen werden. So fand z. B. am 4. Oktober 1962um 11 Uhr ein Festgottesdienst, zugleich Wallfahrtsmesse, in der Kirche Neue Heimat,Wallfahrt zu dem Gnadenbild der Muttergottes von Maria Trost- Brünnl statt.

Das Wiener Abbild des alten Gnadenbildes wurde am 30. September 1956 von einergroßen Böhmerwald- Wallfahrt aufgesucht. Um 15.30 Uhr war gemeinsames Rosenkranz-Gebet, um 16 Uhr hl. Messe und Predigt und anschließend fand eine feierliche Prozessionstatt. Nach der kirchlichen Feier vergnügte man sich auf volkstümliche Weise in denGasthäusern 143).

Außerdem wurde eine Filiale der seinerzeitigen Gnadenstätte auch in Westdeutsch-land geschaffen, um den Gläubigen auch dort, in der neuen Umgebung, die Gnaden-zuwendung aus der alten Heimat zukommen zu lassen. So wurde anläßlich des 250jährigenJubiläums der Brünnler Wallfahrtskirche in Sinheim, Baden, eine Nachbildung desGnadenbildes geweiht. 144)

Das älteste Brünnler Gnadenbild war eine Kopie der Budweiser Madonna" von1701. Das zweite war eine Kopie des Gnadenbildes von Maria Trost bei Graz. Nachdiesem erhielt die Kirche die Bezeichnung Maria Trost. Das dritte Gnadenbild ist wiedereine Kopie des ersten. Die Wallfahrt zählte einst zu den vielbesuchtesten Wallfahrtsorten.Bis 1918 kamen aus mehr als 250 Orten alljährlich mehr als 30.000 Fremde, viele davonaus dem angrenzenden Nieder- und Oberösterreich. In der zweiten Hälfte des 18. Jahr-hunderts erlebte die Wallfahrt mit jährlich 40- 60.000 Kommunikanten ihre höchsteBlüte. Mit der Grenzsperre nach dem ersten Weltkrieg nahm sie an Bedeutung ab. 145)

142) Wallfahrt nach Maria- Taferl am 10./11. September 1955.

143) Die Brücke wie 13), Folge 38, Sept. 1956.

144) A. E. Karger, Bereicherungen unseres Volksgutes( Berichte und Informationen 284/51).145) F. Huemer- Kreiner: Gedenkblatt zur feierlichen Einweihung des Brünnler GnadenbildesMaria- Trost, Linz, Neue Heimat, 1. Juni 1958.

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