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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
Entstehung
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Mit dem Brauch der Hausweihen, die in den Siedlungen der Volksdeutscheneine bestimmte Form angenommen haben, wird die neue Gemeinschaft wirk-sam. Die Siedlungen haben dort, wo sie durch Nachbarschaftshilfe entstanden sind,mit der alten Dorfgemeinschaft in den meisten Fällen nichts mehr zu tun. Es siedeln heuteHeimatvertriebene aus Polen neben solchen aus Ungarn, Jugoslawien oder Rumäniendicht nebeneinander. Ihnen allen war der Wunsch nach einem Eigenheim, das eiserneSparen und die enorme Arbeitsleistung bis zur Erstellung dieses Heimes gemeinsam. Dadie neuen Siedlungen, wie bereits erwähnt, nun in den meisten Fällen durch konfessionellbestimmte Wohn- und Siedlungsgesellschaften erbaut werden, ist nach Fertigstellung derfestliche Akt in dieser Richtung gelenkt. Die Werrenfriedsiedlung, die unter dem Schutzder Caritas errichtet wurde, erhielt ihre feierliche Einweihung durch Bischof Dr. Zauner.Es wurden die Häuser geweiht und die Hauskreuze, die hernach in jedem Haus in einem Herrgottswinkel" zu finden sind, wie die in den Gärten gezogenen ersten Früchtegesegnet 184)( Abb. 9).

Hausweihen wurden schon immer durchgeführt, wenn ein Lagerinsasse sich ein eige-nes Haus erbaute. Viele ersuchten dann den Lagerpfarrer, sein neues Heim zu segnen.Dieser setzt einen Zeitpunkt fest und kommt mit einem Ministranten ins Haus. Sie gehendurch alle Räume, auch durch die Wirtschaftsräume, und beten einen Haussegen. MitWeihwasser- und Weihrauchspende, wie mit gemeinsamem Gebet, das Geistlicher, Mini-strant und die versammelte Familie sprechen, wird die religiöse Handlung beschlossen.Schließlich bittet man den Geistlichen um die Ehre, im neuen Haus einen Imbiß einzuneh-men, und reicht dazu einen bescheidenen Trunk 185). In Siedlungen, die aus eigener Krafterbaut wurden, wie etwa die in Neu- Ruma, die überdies weit entfernt von einem Wohn-lager errichtet wurde, nimmt die Hausweihen der Pfarrer der neuen, nun zuständigenKirchengemeinden vor 186)( Abb. 10).

Die neuerbauten Häuser der Schmiedshauer und Deutsch- Probener Siedler in Linzwurden durch einen Heimatpriester geweiht. Pfarrer Bauer, der zu Besuch aus Münchenhier weilte, und früher Pfarrer in Schmiedhau( Slowakei) war, weihte die Häuser am9. X. 1960 187).

Diesen katholischen Bräuchen stehen Sitten der evangelischen Siedler gegenüber.Wohl gibt es bei ihnen keine feste Segens- und Gebetsformel für Hausweihen. Dochkommt auch in diese Häuser der Pfarrer, oftmals der aus der alten Heimat, um der Fami-lie Glück, Segen und Erfolg im neuen Haus zu wünschen. Im Rahmen dieses ersten Be-suches findet auch eine Bewirtung statt 138).

Sowohl der kultischen Feier der Hausweihe wie im Festmahl liegen alte Traditio-nen zugrunde 139).

134) wie 94.

Auch die Rugier- Siedlung, die 12 Einzelhäuser umfaßt, wurde am 22. August 1954 in ähnlicherWeise geweiht. Bei der Feier wurden 12 Hauskreuze und 12 Fruchtkörbe gesegnet. Vgl. Neuland" wie 57,7. Jg., Folge 35, 28. August 1954.

135) Pfarrer Wagner, Lager Haid.

136) wie 63, S. 113.

137) Mitteilungen der Karpatendeutschen Landsmannschaft, November 1960.

188) M. Waretzi, Traun, Siebenbürgerstraße.

139) Vgl. K. Spieß: Das arische Fest, Wien 1933; P. Geiger, Deutsches Volkstum in Sitte undBrauch, Berlin 1936, S. 189; R. Wolfram, Heim und Hausbau im Volksbrauch( Sonderdruck, Ztschr. DasWüstenroter Eigenheim, S. 11).

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