Feier heißt es wörtlich: in das Lied( Hoamatland) fielen alle ein, Männer und Frauen,Kinder und Greise aus Jugoslawien, Rumänien, dem Sudetenland und Polen..." 94).
Geradezu symbolhaft für alle diese Feiern und Veranstaltungen sind die gemein-samen Fahrten der Sudetendeutschen Volkstumsgruppen auf den Dreisesselberg in derDreiländerecke. Von hier aus ist den Vertriebenen ein weiter Blick in das zu ihren Füßenliegende Land, in die verlorene Heimat möglich. Alljährlich, am Jakobitag, finden sich6000 bis 7000 Personen hier ein und hören gemeinsam die Messe, die auf dem Gipfel imFreien zelebriert wird.
Solche Großveranstaltungen sind keine Seltenheit. In großen Städten werden sie inkurzen Abständen immer wieder abgehalten. Sie sollen die Erinnerung an die alte Heimatwach halten und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Landsleute stärken 95).
Diesen Sommerveranstaltungen stehen gesellige Zusammenkünfte im Winter gegen-über. Das„ Trachtenfest der Siebenbürger" und die„ Schwabenbälle" wurden bereits zufeststehenden Einrichtungen in Linz. Auch diese Feste werden von zahlreichen Gästen ausder näheren und weiteren Umgebung, ja selbst von jenseits der Grenze aus den Städtenund Dörfern Deutschlands besucht. Auch hier steht der Wunsch nach einem Wiedersehenmit Verwandten, Freunden und Bekannten aus der alten Heimat, nach einem geselligenBeisammensein im Sinne dieser alten Heimat im festlich gestimmten Kreise der Landsleuteim Vordergrund.
Bei diesen Trachten- und Tanzveranstaltungen handelt es sich um Weiterführungenaltgewohnter Feste. Es sei auf die Schwabenbälle und Trachtenfeste in Temeschwar, Neu-satz und Budapest verwiesen, die Ausdruck eines gefestigten Volksbewußtseins waren.
Zu diesen Veranstaltungen spielen in der Regel Blasmusikkapellen alte Weisen undVolkstanzmusik. Die Blasmusikkapelle der Siebenbürger Sachsen ist nach dem Vorbild der" Adjuvanten" in Trachten eingekleidet. Es gehört zu den typischen Erscheinungen sieben-bürgischer Volkstümlichkeit, daß in allen bäuerlichen siebenbürgischen Siedlungen eineBlasmusik gebildet wird, die das Gemeinschaftsleben der eigenen Gruppe, wie das dernächsten Umgebung anzuregen und ihm kräftige Impulse zu verleihen vermag 96). InTraun, einer der bedeutendsten geschlossenen Siedlungen aus 220 neuen Eigenhäusern,in denen rund 900 Siebenbürger wohnen, erhöhte die Musikkapelle ihre Mitgliedsanzahlauf 42 Mann. Siebenbürger aus Großeidau gründeten z. B. in Kalladorf, Niederösterreich,eine Siedlung aus 18 Familien, das sind rund 80 Seelen( bei ihrer Gründung), und stelltengleich eine Blasmusik auf. Auch die Nordrandsiedlung Vorchdorf in Oberösterreichgründete eine Musikkapelle. Diese Beispiele ließen sich weiter fortführen.
Die Blasmusikkapelle der Donauschwaben in Haid, des einst größten Lagers, istin schwäbische Tracht gekleidet, und führt damit eine alt- heimatliche Tradition weiter.Denn auch im Banat und in der Batschka gab es selten einen Ort ohne Blasmusik-kapelle. Diese donauschwäbischen Blasmusikkapellen, die auf die Tradition der öster-reichischen Militärmusik zurückgehen, fand man bei jedem Fest und sie waren weithinbekannt 97).
94) ,, Ein Heim ist die Quelle der Kraft", O.-O. Nachrichten, August 1957.
95) Heimattreffen der Dobrudscha-, Bessarabien- wie Bukowinadeutschen, 14. Mai 1949 in Linz, Tagder Donauschwaben in Salzburg 1952, Tag der Volksdeutschen in Linz 1954, Tag der Donauschwaben inWien 1957. Solche Veranstaltungen gleicher Art fanden auch in Deutschland statt: Tag der Donauschwabenin Reutlingen 1952, Tag der Donauschwaben in Eßlingen 1954, in Ulm 1956. Sudetendeutscher Tag inNürnberg 1957 u. a. m.
96) Schon 1946 wurde die erste Blaskapelle in der Fabrikskaserne, Lager 76, begründet.( VergleicheJ. Stierl, Wermesch ein Dorf in Siebenbürgen, wie 44.)
Vgl. dazu: O. Folberth wie 44, S. 8 ff.
97) A. Karasek- Langer wie 24, S. 10.
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