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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
Entstehung
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der erwiesenen Hilfe) jedem zurückhilft". So kommt es, daß statt BargeldbezahlungArbeitskraft zurückgeleistet wird. Das Zurückhelfen dehnte sich über viele freie Feier-abende, Samstage und Sonntage aus. So entstanden die ersten einhundertvierzig Häuser inmoderner Bauweise, Ziegel und Schlackenbauten, 66) ausgestattet mit neuzeitlichemHausrat und Komfort, inmitten von großzügig angelegten Nutzgärten. Man zieht kost-bare Gewürze und Pflanzen aus Samen, die aus der verlassenen Heimat stammen. Dieeinstigen Nothäuser konnten zu Werkstätten und Wirtschaftsräumen umgestaltet werden.Man hält an der Einrichtung einer Sommerküche fest. Dazu kommen Stallungen fürdie Kleintierhaltung, die allenthalben betrieben wird.

Wie groß war die Freude und Genugtuung, als man bei Fertigstellung des Dach-stuhles jedes Mal einen Maibaum stecken" konnte. Treu der alten Sitte ist dies einFliederast ohne besonderen Schmuck. Rasch werden Sitzgelegenheiten und eine Tafel"aufgestellt, denn nun sollen alle, die beim Bau mitgeholfen haben, nicht nur bewirtet,sondern auch noch beschenkt werden. Als Geschenke werden Sack-, Hand-, Geschirr- undKopftücher, Schürzen, Hemden und Hosen von der Baufrau verteilt. Die Bewirtung istMännersache; sie besteht aus kaltem Essen und frischem Trunk.

Das Aufstecken des grünen Zweiges, wie das gemeinsame Essen und Trinken ist füralle gleicherweise von segenbringender Kraft. Nun beginnt ja das Gebäude Schutz zubieten und muß deshalb unter besonderen Schutz gestellt werden.

Viele der einstigen Untermieter in diesen Häusern haben sich inzwischen ebenfallsein Eigenheim geschaffen. So ergibt sich auch innerhalb der neuen Siedlung noch einständiges Wachsen. 67)

Die immer dringenderen Wünsche nach Eigenheimen und das Bestreben, dieBarackenwohnungen aufzugeben, machten eine Reihe von Siedlungs- und Baugenossen-schaften nötig, die die Abwicklung der Organisation für die Erstellung von Eigenheimenfür Volksdeutsche durchführten. Im Raum von Linz arbeiten derzeit fünf solcher Genossen-schaften 68). So errichtet beispielsweise die Genossenschaft Neusiedler" geschlosseneSiedlungen und Einzelsiedlungshäuser. In dieser Institution ist die gesamte Siedlungs-tätigkeit für Flüchtlinge im Rahmen der evangelischen Kirche aus ganz Österreichzusammengefaßt. Die gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft Neusiedler"wurde 1950 mit dem Sitz in Salzburg gegründet. Finanziert wird der Bau eines Siedlungs-hauses durch einen Zuschuß von 40% der Baukosten vom Bundes- Wohn- und Siedlungs-fond, 20% Darlehen der Länder und Städte, 20% steuert die Genossenschaft bei und20% muß der Baubewerber selbst aufbringen. Dies muß nicht unbedingt in der Form vonBargeld sein, sondern kann auch durch Arbeitsleistung abgegolten werden. An Ober-österreich fielen 76% der Siedlungswohnungen und 60% Streusiedlungen. Die Zahlder Wohnungen, die bis 1954 fertiggestellt wurden, beträgt 422, dazu kamen 138 Einzel-siedlungshäuser und bis 1955 weitere 170 Wohnungen und 160 Eigenheime.

Der Bautätigkeit evangelisch- kirchlicher Organisationen steht eine katholische gegen-über. So baut die Caritas mit verschiedenen Baugenossenschaften Styria, Frieden", Heimat Österreich, Gemeinnützige Wohnbau- und Siedlungsgenossenschaft fürdeutschsprachige Heimatvertriebene Ges. m. b. H." unter der Schirmherrschaft der Ober-österreichischen Landesregierung. Die Tätigkeit dieser verschiedenen Genossenschaftenkonnte ebenfalls einigen hundert Volksdeutschen zu Eigenheimen verhelfen.

Von geringerer Bedeutung sind für Linz die Gemeinnützige Wohnungsgesell-schaft m. b. H. der Gablonzer Industrie", die bis 1956 152 Wohnungen aufbaute, die

66) Diese modernen Baumaterialien sind zum Teil Abfallprodukte der Vereinigten Eisen- und Stahl-werke, die im Raum von Linz allgemeine Verwendung finden.

67) St. Moser, 1957.

68) A. Nargang, wie 5) S. 182 ff.

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