und außerdem mußte man dem Geschmack der Städter entgegenkommen. Mit wenigGeld ist das Garn für eine gehäkelte, gestrickte oder genetzte Zierdecke zu erwerben.Mit etwas Geschicklichkeit läßt sich eine Menge solcher Decken rasch herstellen. DieGroßmütter wandern damit auf den Markt in Linz. Ihr Verkaufsgeschäft ist denkbareinfach. Zwei Stäbe werden mit einem Stück dunkelblauem Leinen zusammengerollt,dazu ein Köfferchen mit Decken, alles leicht mitnehmbar. Am Markt werden die Stäbean eine vorhandene Bank angebunden, das Leinen so aufgespannt und die Deckchenauf dem dunklen Hintergrund befestigt.( Vgl. Abb. 5, 6.)
Zu gesuchten Arbeitskräften wurden die Berg- und Grubenarbeiter der Slowakei,aus dem Banat und in jüngster Zeit auch die Ungarns. Sie alle finden in Deutschlandgute Arbeitsbedingungen vor. Wohnmöglichkeit wird geboten und die Mitnahme deralten unversorgten Eltern ist erlaubt, so daß nicht nur Grubenarbeiter in reichem Maßenach Deutschland wanderten, sondern diese auch berufsfremde Landsleute mit sich zogen.Lange Transportzüge rollten aus den Lagern ins Grubengebiet Westdeutschlands ab. DieGrubenarbeiter- Aktion wurde 1956 ziemlich abgeschlossen. 59)
Immer noch besteht die Nachfrage nach Arbeitern und Facharbeiternfür Industrie und Schwerindustrie Westdeutschlands. Dadurch wurde ein letztes großesWandern ausgelöst, das aber nicht geschlossen vor sich ging. Einzelne Volksdeutsche mitihren Familien meldeten sich aus den Flüchtlingslagern Österreichs und besonders vonLinz weg, ab, und suchten und fanden in Westdeutschland eine neue Bleibe. Diese Be-wegung war 1957 noch nicht abgeschlossen. 60) Überblicken wir nach den wenigen Zahlenund Angaben die allgemeine Lage der Volksdeutschen, so läßt sich vorerst feststellen, daßein Großteil der 1945 aufgenommenen Flüchtlinge wieder abgewandert ist und daß vielevon den hier verbliebenen heimatvertriebenen Volksdeutschen sich in verschiedenen Be-rufen versucht haben und daher auch öfter ihren Wohnsitz wechselten. Innerhalb derLager herrscht ein dauerndes Fluktuieren der Bewohnerschaft, es kann von regelrechtenAb- und Zuwanderungen gesprochen werden.
Die erste große Auswanderungswelle stand im Zeichen der Landsuche. Von ihrwurden vor allem jene volksdeutschen Bauern erfaßt, die sich nicht entschließen konnten,einen neuen Beruf zu ergreifen, die mit allen Mitteln wieder Herr auf eigener Schollewerden wollten und sich nicht scheuten, den oft nicht unbeschwerlichen und ungefähr-lichen Weg ins fremdsprachige Ausland, ja nach Übersee anzutreten, um dieses Ziel zuerreichen. Sie wanderten nach Frankreich, Nordamerika, Brasilien und Australien aus.
Innerhalb des Landes Oberösterreich kam es zu einer Abwanderungsbewegung vomLand in die Städte. Auf die Dauer war eben nicht daran zu denken, daßẞ Bauern unterschlechten sozialen Verhältnissen als unselbständige Landarbeiter bleiben würden. Dahalf auch der Plan von Landarbeitersiedlungshäusern nicht viel. Es begann ein stetigerund immer mehr anwachsender Zug in die Großstadt. Hier mietete man sich vorerst beiBekannten und Verwandten ein und kümmerte sich um Arbeit. Dann kamen auch dieübrigen Familienmitglieder nach.
In Österreich setzt außerdem ein jahrelang andauerndes Abwandern von Volks-deutschen nach Deutschland ein. Das Mutterland, das zur Aufnahme der Flüchtlingeaus Ost- und Südosteuropa verpflichtet wurde, gewährte den Volksdeutschen volleGleichberechtigung. Dies wirkte sich vor allem auf allen Gebieten der sozialen Fürsorgefür die Vertriebenen besonders günstig aus. Im Rahmen des„ Lastenausgleichsgesetzes"wurden Notstands- und Hausratshilfen gewährt und umfangreiche Darlehen zur Existenz-gründung gegeben. Angehörige von Intelligenzschichten fanden günstige Arbeitsmöglich-
59) H. E. Frauenhoffen, Steiersdorf und Ferdinandsberg(„ Wir Donauschwaben", wie 18),S. 306 ff.60) St. Rettig, mündliche Auskunft.
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