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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
Entstehung
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IV.

Die Eingliederung

Auch die Wahl der Arbeitsplätze erfolgte nach eigenem Ermessen, ging alsovöllig ungeregelt vor sich. Die besseren Verdienstmöglichkeiten lockten die Menschenin die Stadt. Hier fanden sie Beschäftigung als Bauhilfsarbeiter, Aufräumearbeiter,Straßen- und Fabriksarbeiter. Krieg und Kriegsende hatten der Landeshauptstadt Linzschwere Schäden zugefügt, die vielfach von Volksdeutschen behoben wurden. Nur all-mählich konnten sich einige Berufsgruppen unter den Volksdeutschen wieder zu besserenLebensbedingungen durchringen und ihre Selbständigkeit wiedererlangen. Schon 1945hatten 1000 Volksdeutsche ein Gesuch um Zulassung zur Ausübung eines Gewerbeseingereicht, davon wurde ein Viertel der Bewerber abgewiesen. Anfänglich arbeitetenauch viele der Volksdeutschen mit DP- Gewerbescheinen 51). Diese konnten ohne Schwierig-keiten erlangt werden, denn sie berechtigten nur zur Arbeit für nichtösterreichische Kunden.1954 lief diese Art von Gewerbescheinen ab. Große Schwierigkeiten gab es bei derAnerkennung von ausländischen Zeugnissen, wie der Meisterprüfung u. a. Mit einemGesuch um Nachsicht der Prüfung, oder um befristete Nachsicht wurde vorerst dieBewilligung, ein bis zwei Jahre zu arbeiten, eingeholt. Hernach wiederholten die Volks-deutschen ihre Prüfungen, die ihnen die gewerbliche Eingliederung in Österreich brachten.Insgesamt bestehen zur Zeit in Oberösterreich 2500- 3000 Flüchtlingsbetriebe, wovon dergrößte Teil handwerkliche Einmannbetriebe sind. 52)

Darüber hinaus gelang es allmählich wieder, größere Betriebe zu errichten. Als größtesUnternehmen sei die Gablonzer Glas- und Bijouteriewarenerzeugung erwähnt. Siebesteht aus 196 53) selbständigen Einzelbetrieben, die jeweils nur ein Teilprodukt ver-fertigen, so daß erst durch das Zusammenwirken von mehreren Betrieben verschiedenerSparten das Endprodukt entsteht. 54) Dieses Industrieunternehmen auf handwerklicherBasis stellte schon 1948 seine Schmuckwaren am Welser Volksfest aus und konnte sichseither zu einem blühenden Wirtschaftszweig weiterentwickeln und wurde schon bald einwesentlicher Faktor im In- und Auslandsmarkt, denn schon nach einem Jahr Arbeit( 1949)waren die ersten Exporte möglich. 1947 wurde eine Genossenschaft gegründet, 1950 wurdesie die geschlossene Organisation der Gablonzer in Österreich. Die Betriebe verteilen sichauf einige Ortschaften: In Kremsmünster konnte die glasverarbeitende Erzeugung Fußfassen, in Losensteinleiten, Wels und Linz befinden sich metallverarbeitende Unter-nehmen, in Enns ist ein weiterer Teil der Betriebe beheimatet. Dieses Industrieunternehmenauf handwerklicher Basis beschäftigte 1956 etwa 3500 Arbeiter und 25 Fachexporteure.In Kremsmünster sind beispielsweise 75% der Arbeiter der dortigen Gablonzer Betriebe"Volksdeutsche, hauptsächlich Donauschwaben. Die Betriebe erstellten bis 1956 152 fertigeWohnungen und 59 waren in Bau. 55)

Neben dieser schon im Sudetenland bedeutenden Industrie kam auch ein Teil derschon seit Jahrhunderten in Böhmen beheimateten Glasindustrie nach Österreich. Sokonnten die Stefaniehütte und Glück Auf unter Leitung von Wittgens und Nikoll

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51) DP displaced persons.

52) A. Nargang wie 5, S. 224.

53) Brücke", Folge 34, 25. VIII. 1956.

54) H. Grünn, Rosenkränze der Gablonzer"( Die Brücke, 19. 7. 1952).55) wie 53.