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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
Entstehung
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Die Masse der Volksdeutschen aus den Sudetenländern, Jugoslawien und Ungarnverließ die Heimat nicht während des Krieges, sondern erst später, im Zuge der bereitsinfolge des Potsdamer Abkommens beginnenden allgemeinen Zwangsausweisungen.

Die Aufnahmegebiete waren für diesen Strom von Flüchtlingen viel zu klein. DerAnteil der bäuerlichen Bevölkerung unter ihnen war groß. Er macht bei den Donauschwa-ben 60%, bei den Siebenbürger Sachsen 70% und bei den Sudetendeutschen 25% aus.Daraus ergab sich die Schwierigkeit der Seßhaftmachung. Vorerst wurden Bauern beiBauern untergebracht. Diese arbeiteten auf den Höfen als landwirtschaftliche Hilfsarbei-ter. Wir finden sie immer wieder auf der Suche nach eigenem Grund und Boden, nachbesseren Arbeitsplätzen. Deshalb setzte ein neuerliches Wandern ein.

Man wanderte nach Australien, Kanada, Nordamerika und Südamerika, wo es bei-spielsweise 1951 zur Ansiedlung von 2500 Donauschwaben im brasilianischen StaatParana kommt 46). Ziel der Einwanderung war auch Frankreich. In diesem Land siedeltensich 10.000 Banater in den Jahren 1948 bis 1949 an.

Unter den Bauern, die in Oberösterreich wieder ein selbständige landwirtschaftlicheExistenz aufbauen konnten, überwiegen die Sudetendeutschen. Z. B. haben viele der Böh-merwäldler sich ohne jede Inanspruchnahme von Krediten, als Pächter im Mühlviertelniedergelassen, wo sie verwandte Lebensbedingungen vorfanden.

Da die Hilfe von seiten des Staates und die ausländischen Hilfsaktionen sich zu-nächst als zu wenig wirksam erwiesen, die aufgebrachten Eigenmittel aber zu gering waren,um die breite Masse der bäuerlichen Volksdeutschen zu Grund und Boden zu verhelfen,wandelten sich deren Ziele und Ideale. So ist heute beispielsweise der donauschwäbischeBauer bestrebt, sein Geld in Fabriken und Betrieben zu verdienen, um ein eigenes Heimmit Garten, der ihm auch die Möglichkeit bietet, Kleintiere zu halten, zu erlangen. In derArt dieser Siedlungen von Volksdeutschen in der Stadtumgebung von Linz und Welsdrückte sich so recht ihr Individualismus aus. Hier besteht eine bäuerlich- dörfliche Men-talität, wenn auch in modernerer Form weiter, die den Typus des Stadtrandmenschen"mitformt 47).

Die breite Masse der Flüchtlinge, die nicht auf Bauernhöfen untergebracht werdenkonnte, wurde auf Lager verteilt. Die Lager bestehen bis auf wenige feste Gebäude wieetwa ehemalige Kasernen, aus Holzbaracken. In Linz waren im Jahre 1954 noch 8,6%der Wohnungen Barackenwohnungen. Die beiden Bezirke Linz- Stadt und Linz- Landhaben die meisten Baracken. 65% der Barackenbewohner waren Nichtösterreicher. DerAnteil der Volksdeutschen ist aber höher anzusetzen, weil die eingebürgerten Volksdeut-schen doch auch noch weiter in Barackenwohnungen wohnen blieben. Die Lagerinsassensetzten sich zu 60% aus Donauschwaben, zu 8,2% aus Neu- Österreichern, Österreichernund Insassen unbekannter Herkunft, zu 5,5% aus Jugoslawen, zu 2,4% aus Tschechenund 2,3% aus Ungarn zusammen. Das war der Stand von 1954 48). Die Zahl der 120.000Flüchtlinge, die in Baracken hausten, ist seit 1945 gesunken und die Unterbringung fürden Einzelnen ist menschenwürdiger geworden 49). In den meisten Lagern ist die Einwoh-nerschaft gemischt, doch gibt es auch solche, in denen Menschen eines Herkunftslandesüberwiegen. So leben in der Fabrikskaserne in Linz No. 76 rund 500 Personen, die durch-wegs Nordsiebenbürger sind.

46) Vgl. Die Donauschwaben zwischen gestern und heute, Festschrift zur Fünfzig- Jahr- Feier desSchwabenvereines Wien, Wien 1957, S. 47- 48.

47) B. Oberläuter, Strukturelle Wandlungen der Donauschwaben im Lande Salzburg, Salzburg 1955.ders., Über die wirtschaftliche Eingliederung der Donauschwaben in Österreich( Festschrift wie 46,S. 47- 48).

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48) A. Nargang, wie 5), S. 66.

49)"

Werden wir noch lange Flüchtlinge haben?"( Die Brücke), wie 13, Folge 39, 26. Sept. 1954.