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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
Entstehung
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Das spätere Aufblühen des Landes hängt mit der Ansiedlung von Deutschen zusam-men, die auf kulturellem wie wirtschaftlichem Gebiet die Führung übernahmen 37).

Die deutsche Siedlung in der Bukowina ist somit ein Teil jener großen Kolonisations-bewegung des 18. Jahrhunderts im Südosten Europas. Vor der Erwerbung des Landesdurch Österreich waren schon Deutsche im Lande, doch kam es nicht zur Bildung bleiben-der deutscher Kolonien. Wohl waren deutsche Händler, Söldner, Gewerbetreibende, Hand-werker und Geistliche ins Land gekommen und bildeten in den Städten deutsche Bürger-schaften. In den Kriegswirren des 16. Jahrhunderts verschwanden diese ersten Ansätzeeiner deutschen Siedlung. Auch Mitte des 18. Jahrhunderts kam es zur Bildung kleinerdeutscher Siedlungen ohne Bestand.

Die letzten deutschen Siedlungen in der Bukowina wurden von Schwaben aus demBanat gegründet( 1782). Ihre Lage war zunächst schwierig, weil sie den Boden jährlichneu zugewiesen bekamen, da sie ungerufen ins Land gekommen waren. Erst allmählichkonnten sie eigenen Grundbesitz erwerben. 1783 wurden auf Klosterbesitz weitere deutscheFamilien angesiedelt, deren Heimat in den Gebieten vom Bodensee bis in die Niederlandezu suchen ist. Ihre Lage war besser. Unter ihnen waren viele Handwerker. Das Land gehörtevon 1786 bis 1848 zu Galizien, dann erhielt es eine eigene Landesregierung.

Eine zweite Gruppe von Ansiedlern kam aus der Zips. Es waren Bergleute, die manins Land rief, als man daranging, die Bodenschätze zu erschließen. Als letzte große ge-schlossene Gruppe folgten Glashüttenarbeiter und Bauern aus dem Böhmerwald. Dazukommt ein ständiger Zuzug städtischer Bevölkerung aus ganz Österreich, die für Verwal-tung, Schulen und Armee benötigt wurde. Der Zustrom von Deutschen hörte erst auf, alsdie Bukowina nach dem 1. Weltkrieg Rumänien zufiel.

Aus der Geschichte der deutschen Kolonisation des Landes ergibt sich die bunte Ver-schiedenheit der Ansiedler, die ihre Eigenart bis zur Auswanderung bewahren konnten 38).

Die Deutschen aus Bessarabien. Ihre Heimat ist die Landschaft zwischenPruth und Dnjestr, ein Grenzland mit ähnlicher Geschichte wie die Bukowina. Auch die-ses Land war in der Völkerwanderungszeit Durchzugsgebiet für die verschiedensten Völ-kerschaften. Später erfolgte eine dünne Besiedlung des Landes mit Rumänen aus demWesten und Slawen aus dem Osten.

Die deutschen Siedlungsgruppen, die sich auf 140 Ortschaften verteilten, kamenzwischen 1814 und 1842 nach Bessarabien. Vor ihnen traf man im Gebiet zwischenPruth und Dnjestr schon auf ein buntes Völkergemisch aus Rumänen, Ukrainern, Groß-russen, Bulgaren, Gagausen( sie sprechen türkischen Dialekt), Polen, Griechen, Armeniern,Schweizern und Juden. Das Deutschtum in Bessarabien bildet ein Glied in jener Kette derumfassenden Besiedlung Süd- oder Nordrußlands, die von der russischen Regierung seit1782 nach der Eroberung der weiten Gebiete am Schwarzen und Asowschen Meer durch-geführt wurde. Diese großzügige Siedlungstätigkeit knüpfte an das Manifest der KaiserinKatharina II.( 1762- 1796) an und sollte dazu dienen, den russischen Bauern ein Vor-bild zu sein. Die Einwanderer, die hier Religionsfreiheit, Befreiung vom Kriegsdienst,zehnjährige Steuerfreiheit, Land und Geld zum Hausbau versprochen erhielten, kamenaus Polen; dorthin waren sie aus Südwestdeutschland zugewandert. Diesem ersten Zugfolgten Ansiedler aus Württemberg. Nach der staatlich gelenkten Ansiedlung kam es aufKlostergrund zu privaten Ansiedlungen.

Den Charakter der Kolonie bestimmten schließlich die schwäbischen Bauern undHandwerker, die allerdings zahlenmäßig nur die Hälfte der Ansiedler ausmachten 39).

37) R. Kaind 1, Geschichte der Bukowina, Czernowitz 1896.

38) wie 19, S. 611.

39) Vgl. A. Klaus, Unsere Kolonien- Studien und Materialien zur Geschichte und Statistik der aus-ländischen Kolonisation in Rußland, Odessa 1887.

K. Stump, Deutschenkolonien im Schwarzmeergebiet( Schriften des deutschen Ausland- Instituts.Reihe A, Bd. 7), Stuttgart 1922.

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