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Volkskunde der heimatvertriebenen Deutschen im Raum von Linz
Entstehung
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II.

Die Herkunft der Neubürger

Das äußere Erscheinungsbild der Volksdeutschen weist viele übereinstimmende Zügeauf. Dies gilt besonders für die ländlich- bäuerliche Bevölkerung unter ihnen. Es fälltdaher schwer, sofort die Herkunft zu bestimmen, denn auch die Dialekte verschiedenerLandstriche sind einander oft sehr ähnlich 16). Die Kleidung, viele ihrer Gewohnheitenund das gemeinsame Schicksal der Kolonistenvölker ließen im Lauf der Jahrhunderte,obwohl die Siedler einst aus vielen deutschen Gauen in ihre neue Heimat kamen, eineneinheitlichen Volkscharakter entstehen. Freilich konnten andererseits wieder viele Eigen-züge bis zur Gegenwart erhalten und gepflegt werden. Der übereinstimmende Eindruckfür den Binnendeutschen aber führte schließlich zu einer umfassenden Benennung, wieetwa Budelhaubendeutsche oder zur Übernahme einer gemeinsamen Bezeichnung füralle Vertreter dieser Volksgruppen, je nach dem zahlenmäßigen Überwiegen einer vonihnen. Dann werden alle Volksdeutschen zu Banatern, Siebenbürgern" usw.

Die Heimatgebiete dieser Vertriebenen verteilen sich über einen weiten Raum. Sieliegen vorwiegend im Südosten Europas und in den weiten Landstrichen des Ostens,zwischen Baltischer See und Schwarzem Meer. Schon im Mittelalter entstanden vieledieser Volksgruppen, deren Schicksal wechselvoll und hart war. Der großen mittelalter-lichen Kolonisationswelle folgte im Zeitalter des Absolutismus eine neue, geordneteund von höchster Staatsstelle aus geplante, die vor allem große Gebiete des südost-europäischen Raumes mit deutschen Siedlern versorgte.

Die Aufzählung der Volksgruppen erfolgt selbstverständlich ohne jede Wertung undentspricht der Zahl ihrer Vertreter in Linz.

Die Donauschwaben, eine Bezeichnung für alle deutschen Ansiedler umdie Donau im südosteuropäischen Raum, stammen aus den verschiedensten GauenDeutschlands. Die Bezeichnung Schwabe" wurde von den Nachbarn, den Serben,Ungarn und Rumänen geprägt, sie sind also Namensschwaben ohne Altschwaben zusein 17). Wollte man strenge werten, müßten Einteilungen der Abstammung nach getrof-fen werden: die Menschen bayerischer Abstammung saßen im Ofener Bergland und imSchildgebirge, die Rheinfranken wurden zu Donaufranken, die beispielsweise im Umkreisvon Fünfkirchen lebten, und in der Batschka sowie im Banat siedelten Pfälzer, Saar-länder, Moselfranken, Odenwälder u. a. m. Man teilt die Siedler aber besser in Deutscheaus Ungarn, der Schwäbischen Türkei, der Batschka, des Banats, Syrmiens, Kroatiens,Slawoniens und Sloweniens ein. Ihr ähnliches Schicksal im gemeinsamen Lebensraumläßt sich, vereinfachend, durch die Geschichte der beiden größten Gebiete, Batschkaund Banat, darstellen. Diese Gebiete liegen an der mittleren Donau, in der pannonischenEbene bis zur Marosch und reichen bis zum siebenbürgischen Karpatenland.

Während der Völkerwanderungszeit waren diese Gebiete zunächst Durchzugslandund vorübergehendes Siedlungsgebiet für verschiedene germanische Völkerstämme, West-goten, Ostgoten, Vandalen, Gepiden und Heruler kamen, teils von den Hunnen vorsich hergeschoben, teils unmittelbar im Gefolge dieses asiatischen Reitervolkes, in dieehemals römische Provinz Pannonien. Als das Reich Attilas zerbrach, waren Germanen

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16) Schwaben aus dem Banat, Batschka und Ungarn.

17) Donauschwaben, Donaubayern: Neuland", Wochenschrift Nr. 10, 3. Jg., 12. März 1950.