In Tirol höhnen die Diebe den Saltner( Weingartenhüter):„ Saltner, haun, haun,
Die Kästen( Kastanien) sind braun,
Die Weimbar( Weinbeeren) sind süẞ."
Einen ähnlichen Aufbau besitzen Spiele, in denen gleichfalls die zwölf Stunden aufgezähltwerden, nach denen das böse Tier oder der Wolf kommt. Grimm und andere haben darin diezwölf Weltstunden sehen wollen, nach welchen der alles verschlingende Höllenwolf erscheint.F. M. Böhme, II, Nr. 427c.
74. Widerliwaderli
Wechselgebiet. R. Weißenhofer, Jugend- und Volksspiele S. 54 f. Heute, dank schriftlicherFörderung einer Spielform, zumeist als„, Plumpsackspiel" bezeichnet, während die landschaft-lichen Formen noch oft den Fuchs erwähnen. Von diesem ist auch die Rede in niederdeut-schen Spielformen, die einst um das Osterfeuer üblich waren und bis 1895 bei den„, Sunawend-gausen", am Tage nach Sonnwend im Pongau. Zur Vielfalt des Spieles F. M. Böhme, Nr. 364.-Zu dem in Reimen häufigen i- a- Wechsel L. Schmidt, Lirum larum Löffelstiel; vgl. z. B. auch E.Meier Nr. 387 Gigede, Gagede.
75. Wassermann
Schrattenberg. In Niederösterreich heißt das Spiel auch„, Wassermaus“,„ Kroderl, derf mauns is Firterl( die Schürze, Vortuch) wòsch'n?",„ Haifisch und Matrose",„ Teiferl im Grobm",,, I bin auf deiner Graniz!" Es bestehen Beziehungen zum Weingartenhüter( Nr. 73).
Nach der Sage hat der Wassermann nur in seinem Reiche Gewalt. Er lockt die Menschen andas Wasser und zieht sie hinab. Außerhalb des Wassers ist er machtlos. Auch im Spiele kann ergeschlagen werden, wenn er seinen Bereich verläßt. Wassermannssagen knüpfen sich in Nie-derösterreich an viele Brunnen und Wasserläufe, ja sogar an die Ziegelteiche der Wiener Vor-städte. Th. Vernaleken, Mythen S. 168; dazu K. Haiding, Sagenschatz, Anm. zu Nr. 37.
76. Lamperlspiel
Gaubitsch. Ebenso ausgeführt wird die neuerdings sehr verbreitete Spielform„ Wer fürchtetsich vor'm schwarzen Mann?". In den am häufigsten gespielten Ausprägungen„ Fuchs undHühner“ und„ Wolf und Gänse" dürfte es aber viel weiter zurückreichen, wofür die Beziehun-gen zu anderen Zweigen der Volksüberlieferung sprechen( vgl. Haiding, Kinderspiel undVolksüberlieferung) S. 53-64.
77. Òlle meine Hirsch'n und Hòs'n!
Hausbrunn. Die Handlung ist bezeichnend für das überlieferte Spielgut. Im Gegensatze zurtatsächlichen Jagd warnt hier der Jäger mit einem langen Spruche die Tiere, damit sie sich ver-bergen. Derartige Spiele sind eben nicht naturalistisch, sondern in gewissem Sinne künstle-risch gestaltet. Sie belassen den Mitwirkenden auch bei Festhalten an Spruch und Spielverlaufgenügend Freiheit der Darstellung. Das Bewußtsein des Spielens wirkt auch bei Kindern meistin höherem Maße mit, als gewöhnlich angenommen wird.
78. Fuchs und Hühner
Auch unter dem Namen„ Henne und Geier" in Niederösterreich bekannt. Das Wechselge-spräch( mit der gegenüber zahllosen Zeugnissen abweichenden Anrede„ Mutter", die hier wie-der getilgt ist) aus Netschbach bei Neunkirchen. Das altartige Spiel war einst mit einem Sing-tanz verbunden und in Europa sehr beliebt. Vgl. auch K. Haiding, Kinderspiel und Volksüber-lieferung S. 43-53.
79. Fuchs aus dem Loch!
Bruck an der Leitha, 1932. Das Spiel ist aus Niederösterreich in zahlreichen Abartenbekannt(„ Der Bär geht aus“,„ Ochs und Stier" u. a.). Das Hinken als Erschwernis für den Fän-ger hat dem Spiel oft den Namen gegeben, so niederdeutsch Hinkebock, französisch Hinken-der Teufel und ähnlich mehr. Manchmal wird gefordert, daß der Fuchs beim Laufen die Händefaltet. Die Gefangenen müssen ihm beim weiteren Haschen die Hände reichen, so daß nur diebeiden Flügelmänner jemanden fassen können. K. Haiding, Kinderspiel und Volksüberliefe-rung S. 64-66.
80. G'fòtter leih mir d' Scher!
In Wien und sonst bis in die Gegenwart üblich, doch mit der obigen Anrede durch LehrerHuber um 1860( Sammlung des Landesschulrates 1914). Eines der zahlreichen Ortswechsel-spiele, die auch in Verbindung mit Tänzen wiederkehren. Sie werden gelegentlich im Zimmergespielt, doch deuten das schweizerische ,, Baum wechsle" und das flämische ,, Boomke verwis-selen" auf die gleiche Ausführung. Schere leihen heißt das Spiel unter anderem in Schwaben.
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