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Kinder- und Jugendspiele aus Niederösterreich
Entstehung
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Vorwort

Die Bedeutung des Spieles für den menschlichen Werdegang steht außer Frage.In den Kindheits- und Jugendjahren vermag das Spiel, schöpferische Fähigkeitendes heranwachsenden Menschen zu entfalten, die sonst verkümmern würden. Spä-ter schafft es einen entspannenden Ausgleich gegenüber Beruf und Alltag und för-dert das von der Erwachsenenbildung angestrebte kulturelle Eigenleben. Währendsich besonders seit Josef Pommer die Volksliedpflege, und seit Raimund Zoder dieVolkstanzbewegung nun schon durch Generationen überaus günstig auswirken,trifft dies für das Spiel nur in begrenztem Maße zu. Zwar hat die von Wien ausge-hende volkskundliche Forschung auch auf dem Gebiete der Kinder- und Volks-spiele internationale Geltung erlangt, doch sind ihre Ergebnisse nur zum geringenTeile für die Kulturarbeit nutzbar gemacht worden. Das mag auch damit zusam-menhängen, daß bis vor wenigen Jahren- selbst in der Großstadt- vor allem dieKinderspiele in ungebrochener mündlicher Überlieferung an den Nachwuchs wei-tergegeben wurden, und es daher nicht so nötig war, einen blühenden Organismusdurch organisatorische Maßnahmen zu unterstützen oder gar ersetzen zu wollen.Allein die von 1913 bis 1914 entstandene handschriftliche Kinderspiel- Sammlungdes niederösterreichischen Landesschulrates, an der die Wiener Lehrerschaft her-vorragenden Anteil nahm, hätte ein Buch von mehreren hundert Seiten ergeben.Seither ist jedoch, mitbedingt durch den Verlust natürlicher Spielflächen, dasbodenständige Spielgut sehr rasch und in einem Ausmaße zurückgetreten, wie mandies noch vor wenigen Jahrzehnten kaum für möglich gehalten hätte.

Als Grundlage einer bodenständigen Spielpflege sei daher hier eine Auswahl des-sen gegeben, was an manchen Orten noch üblich ist oder zumindest in der Erinne-rung der älteren Generation lebt. Vieles davon hat seine erstaunliche Frische übersehr lange Zeiträume bewahrt. Wie Leopold Schmidt hervorhebt, reichen unsereniederösterreichischen Kinder- und Erwachsenenspiele zum Teil bis in die Besied-lungszeit zurück. Die Grenzen zwischen Lied und Spiel sind dabei von jeher flie-Bend geblieben. Wenn eine Mutter dem Kleinkinde einen Fingerreim vorspricht,dabei der Reihe nach dessen Fingerchen anfaßt und zuletzt den kleinen Fingerscherzend ,, wuzelt, so spielt sie mit ihrem Kinde.

Schöpferisch begabte Menschen haben derartige Spiele in überlieferungsfähigerWeise gestaltet und so auch anderen vermittelt. Manches, was heute eine kindlicheSpielgemeinschaft ihr eigen nennt, bereitete einst den Erwachsenen Freude undUnterhaltung. Es ist daher ratsam, die Spiele nicht, wie dies häufig geschieht, animmer jüngere Teilnehmer, sondern eher auch an etwas ältere weiterzugeben. Dieeinstigen natürlichen Spielgemeinschaften von Familie und Nachbarschaft, in dieein kleines Kind allmählich hineinwuchs und deren Spielführer es zuletzt werdenkonnte, sind heute meist durch die gleichaltriger Gruppenangehöriger abgelöst, dieunter Leitung eines erwachsenen Erziehers stehen. Das erfordert ein bewußtes Aus-lesen und Lenken, manchmal auch Neuerungen, wofür die heimatliche Überliefe-rung die beste Grundlage abgeben würde. Die Kinder sollen vor allem aber auch zu

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