vinzen der Monarchie( 15).
Parallel zur Industrialisierung in der Produktion verläuft im Vermitt-lungsbereich die Entwicklung zum städtischen Kaufhaus. Der Abstiegdes Handwerks ist damit festgelegt. Es überlebt, grob skizziert, nurdurch die Spezialisierung in Änderungs- und Maßschneiderei.
Richard Wagner legt übrigens den Niedergang des Gewerbes mit demEindringen der Frauen im frühen 19. Jahrhundert in die Branchefest. Offensichtlich aus Gründen der Moral durften Frauen zunächstnur Frauen Kleider anmessen und, offensichtlich aus Gründen derKonkurrenz, keine Gehilfinnen halten. Die Wirklichkeit hatte dieseRegelung aber bald überholt. Schneiderin war um 1900 ebensowie eine Reihe anderer textilverarbeitender Berufe eine der häu-figsten weiblichen Ausbildungen( 16). Denn diese Handfertigkeitenwaren im Lohnerwerb genauso wie im Haushalt für die Familie, ge-wissermaßen als Subsistenzwirtschaft, anzuwenden( selbstverständlichauch als Schwarz- oder Heimarbeit).
Die Eindämmung der Heimarbeit als einem dem sozialen Fortschrittzuwiderlaufenden Arbeitsverhältnis war, da es in der MehrzahlFrauen betraf, ein Anliegen der zeitgenössischen bürgerlichen undsozialdemokratischen Frauenbewegungen. Aber auch Ferdinand Ha-nusch, selbst böhmischer Hauswebersohn, und nach dem ersten Welt-krieg Staatssekretär für soziale Fürsorge, widmete sich besondersdieser Problematik( 17). Die Nähmaschine hatte gewissermaßen denWebstuhl als Symbol der Hausindustrie abgelöst( 18).
Mode, Vermögen, Ideologien
In den zwanziger Jahren zeigen sich zum ersten Mal Ansätze einerKonsum- und Freizeitkultur auch in den unteren Schichten. Es gabGeschäfte, wo man bekannterweise billig einkaufen konnte, so z. B.in der Judengasse oder im Kaufhaus Krupnik in der Kaiserstraße.Denn einer Massenproduktion, wie sie eben durch die industrielle,serienweise Herstellung möglich geworden war, mußte eine Massen-konsumation gegenüberstehen. Dazu trugen die steigenden Reallöhneebenso bei wie die niedrigen Fertigungskosten. In diesem Zusam-menhang sei auch die" Proklamation" von saisonalen Moden durchdie Kleidungsindustrie erwähnt, für die die Hebung des Umsatzeszumindest ein Grund war. Eine gewissermaßen populäre Mode wur-de kreiert und dabei wurde Mode immer populärer( 19).Weiterhin Bedeutung behielten aber auch der Altwarenhandel und derHausierhandel mit" übertragenen" Stücken. Oft waren es jüdischeHändler, es gab aber auch Händlerinnen, die am Sonntag vormittagsin bestimmten Vierteln, vorwiegend proletarischen, in die Häuser
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