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Kleidung - Mode - Tracht : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1986 in Lienz
(Osttirol)
Entstehung
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untersucht.

In Österreich, als" nachhinkendem" Land, hatte die Hausindustrie ei-nen hohen Stellenwert. In etlichen Armutslandschaften standen inKeuschlerhäusern Webstühle, so z. B. im Waldviertel, im Mühlviertel,in Vorarlberg( wie ein Diskussionsbeitrag von Klaus Beitl be-stätigte)( 12). Andererseits besaß Österreich auch Industrieland-schaften um 1800, die als durchaus" englische Landschaften" galten,wobei eben der Textilindustrie als Vorhut der Industrialisierung be-sondere Bedeutung zukommt.

Vom Hand- Werk zum Kleiderhaus;

Verlagswesen und Wiederkehr der Hausindustrie

Entscheidend für die neuere Kleiderversorgung ist der Übergang vonder Auftragsarbeit zur marktorientierten Produktion, zur Lagerhal-tung. Für Wien zeichnet sich dieser Wandel mit der josefinischenAufhebung der Zunftzwänge ab. Deren wesentlichste Ursache dürftedie Zunahme der Gesellen sein, die keine Aussicht hatten, selbstän-dige Meister zu werden. Damit beginnt das Produktionssystem derStück und Sitzmeister und stellt eine gewisse Verlängerung desVerlagssystems dar, das nicht nur dem 17. und 18. Jahrhundert zu-geordnet werden kann.

Richard Wagner vermerkt in seiner Geschichte der österreichischenKleiderarbeiter über Proßnitz, das Zentrum der österreichischenKleiderkonfektion zur Zeit der Monarchie:" Die Hälfte aller inÖsterreich fabriksmäßig hergestellten Kleider im Werte von 5 Mil-lionen Gulden wurde dort erzeugt. 5000 Personen waren dort imVerlagssystem als Heimarbeiter beschäftigt"( 13). Und er beschreibtwie es dazu kam, wie durch die Ansiedlung von Fabriken Arbeiterangezogen und später durch Schließungen in die Heimarbeit( einArbeitsplatz, der ein Unternehmen nichts kostet) abgedrängt wur-

den.

Die Proẞnitzer Fabriken waren übrigens die ersten in Österreich-Ungarn, welche Nähmaschinen verwendeten und schon 1878 mit Zu-schneidemaschinen( vorerst hand-, dann dampfbetrieben) arbeite-ten( 14). Andererseits wurde der Arbeitsprozeß solange nicht durch-rationalisiert, solange die Arbeitskräfte billiger waren als die ma-schinelle Fertigung. Dieser Zustand ist im Zusammenhang mit derhohen weiblichen Beschäftigungsrate in der Textilbranche zu sehenund mit der generell niedrigen Entlohnung von Frauenarbeit.

Das Produktionsniveau der Textil-( Haus-) Industrie jedenfalls dürftehoch gewesen sein. So exportierte Österreich um 1900, vergleich-bar mit Taiwan oder Hongkong heute, in die USA und in die Pro-

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