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Kleidung - Mode - Tracht : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1986 in Lienz
(Osttirol)
Entstehung
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liturgische Weiß der knöchellangen Kleider vor, so protzte man aufder" linken" mit eng anliegenden Kleidern von größter Buntheit. DasMieder war anders gefärbt als der Rock der Frau, die Brust betontso wie beim Mann die" Braguiette". Die Beine staken in verschieden-farbigen Strümpfen und diese wieder in aufreizenden Schnabelschu-hen. Auch das Jaquette hatte verschiedenfarbige Ärmel. Die Welt desBürgers und des verarmenden Ritters war damals offenkundig schieraus den Fugen geraten. Davon profitierten später die Fasnachten, in-dem sie ihre Narren in diese Kleider schlüpfen lassen konnten.

Unzweifelhaft hat sich jedoch mit dieser" Mode" aus Paris die Neuzeitangemeldet. Als nämlich die tolle Buntheit sowie die maẞlose Sinn-lichkeit abgeebbt waren, konnte man als wesentliche Errungenschaftbemerken, daß die Beinkleider das auffallendste Attribut des Mannesgeworden waren, wozu das aufknöpfbare Jaquette gehörte, während dieFrau den Rock und das Mieder erhalten hatte. Von nun an blieben-bis in unsere Zeit der Hosenanzug Attribut des Mannes, das Rock-kleid Attribut der Frau. Und auch wenn die Frau unterdessen häu-fig in Hosen schlüpft, bleibt doch das" Kleid" Vorrecht derFrau. Kein gesunder Mann würde ihr dieses streitig machen! DieseMode war zweifellos revolutionierend und alsbald erfaßte sie auchden einfachen Mann.

Nun bemerken wir deutlich z. B. in den Bildern Dürers und Breu-ghel des Älteren- wie sich der Landmann die neue" Mode" zu eigenmachte, allen voran die jüngeren Männer und Frauen. Der Übergangvon der alten, einst allen gemeinsamen" Volkstracht", von den Altennoch getragen, zur neuen" Mode"(!)- ist in dieser Zeit deutlichzu erkennen. Allerdings blieb sie bedeutend schlichter, grober, derTätigkeit des Landmannes angemessen und so auch in Schranken ge-halten. Ganz ohne Zweifel aber hatte die Freiheit des Bürgers auchihn dazu gereizt, es ihm in der Kleidung gleich zu tun.

Was die" Freiheit" der Bürger anlangt, von der die Rede war, sobetraf sie in erster Linie die Bewohner deutscher Städte. In Mit-teleuropa, nicht in Frankreich und England, hatte" Stadtluft freigemacht" und dies wollte der Bürger durch die neue Mode aus-drücken. Desgleichen wuchsen hier auch die prunkvollen Bürger-häuser aus dem deutschen Boden. Man wird immer wieder bei denwellenförmigen Entwicklungen der Kleidung, der" zweiten Haut",eine Übereinstimmung mit jenen am Hause, an der" dritten Haut",feststellen können.

Inzwischen hatten sich schon im 13. und 14. Jahrhundert auch dieersten Bauern in den Alpen- die" Walser" frei gemacht( 9),

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