Die kleinräumige Facettierung konnte sich erst später herausbilden.Jede dieser kleinregional unterschiedlichen" Trachten", wie sie be-reits den Romantikern begegnete, hatte sich jeweils auf Grundsozialer, technischer, materieller und klimatischer Gegebenheitenherausgebildet. Am Beginn dieser Entwicklung standen noch gro-Be stammliche oder volkliche Gemeinschaften im Vordergrund,wobei sicherlich auch die kriegerischen Ereignisse, in die sie ge-führt wurden, zur Ausbildung solcher äußeren Gemeinsamkeitenbeigetragen haben.
Innerhalb dieser großräumigen Gemeinschaften gab es sicher Reiche-re und Ärmere, mit Gewalten Ausgestattete oder nicht, was siedurch Abzeichen oder durch reichere Ausstattung ihrer Kleidung zumAusdruck brachten, doch nicht- und das ist das Wesentliche!durch eine andere, von der übrigen Volksbekleidung abweichende" Architektur" der Kleidung; dasselbe galt damals übrigens auch fürdie Häuser. Es stimmten alle in ihrer Konstruktion,- nicht inihrer Größe und in ihrem Umfang überein, weshalb ich dasHaus der" lex baiuvariorium" als" Normhaus" bezeichnete( 6).
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So verhielt es sich auch nach der Zeit Karls des Großen! Von ihmselbst wissen wir durch Einhard, daß er sich" nach VaterländischerSitte" kleidete. Allerdings kostbarer!" Auf dem Leib trug er einHemd aus Leinen und leinene Unterhosen"( Unterwäsche also).Doch darüber trug er, wie sein Volk und wie die Germanen zur Rö-merzeit" Leibrock und Hosen, an den Füßen Schuhe und Binden".Im Winter kam ein Fellrock aus Zobel oder Fischotter dazu. Dereinfache Franke hatte sich mit einem Schaffellrock begnügt. Eben-so trug er nicht wie der Kaiser den Purpurmantel, sondern eineneinfachen Lodenmantel. Doch in der" Architektur" der Kleidung gabes, wie erwähnt, keinen Unterschied zwischen Karl und seinen Fran-ken. Ausdrücklich vermerkte denn auch Einhard:" Nur selten trugder Kaiser"- wohl vor allem in Rom-" römische Kleidung."
So galt es noch bis zu Otto dem Großen! Auch er, der Sachse,schritt 100 Jahre später ebenfalls noch im eng anliegenden germa-nischen Leibrock zur Krönung: in der" Tracht".
Unter Otto II. änderte sich dieses allerdings" Die erste große Welle,die Neues brachte, setzte ein und zwar nicht zuletzt durch die Ver-mählung Otto II. mit der oströmischen Theophanu 972. Mit ihr ge-langte auch in der Kleidung vielfältig oströmischer Einfluß an denKaiserhof des römischen Reiches deutscher Nation. Doch blieb diesezunächst auf die Hocharistokratie beschränkt. Allein bei dieser hattesich erstmals" Mode" durchgesetzt; sie ist grenzüberschreitend, über-
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