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Die Darstellung von Kinderspielzeug und Kinderspiel in der griechischen Kunst
Entstehung
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wie überaus häufig, überhaupt das Zentrum der Darstellung bilden: siewerden von den Kindern begrüßt, bestaunt, sie werden hergezeigt, aufden Spielzeugwagen mitgenommen, es wird aus ihnen getrunken odereinem Lieblingstier ein Trunk aus ihnen angeboten, und sie werden zumWagenumzug mitgenommen, sei es, daß die Kinder sie selbst mit sichführen oder daß ein kleiner Hund sie trägt.

Nur bei zwei kleineren Gruppen von Darstellungen weisen die KännchenSpielzeugcharakter auf: bei dem Ballspiel tpóna, bei dem die Kindereinen kleinen Ball in die Mündung des Kännchens warfen und auf denDarstellungen, die sie auf dem Aufsatz von Spielzeugwagen aufgeladenzeigen.

Datierung:

Die Kinderkännchen finden sich auf Choenkännchen von 440 v. Chr. bisins frühe 4. Jh. v. Chr., eine starke Häufung der Darstellungen ist um425/20 v. Chr. festzustellen.

Das Radgestell:

Dieses Spielzeug ist außer dem Choenkännchen selbst das bedeutendsteGeschenk an Kinder am Choentag. Es ist kein richtiger Wagen 62, son-dern besteht aus einer langen Stange, an welcher ein einzelnes Rad oderzwei eng aneinandergefügte Räder befestigt sind. Da das Spielzeug Stra-pazen gewachsen und gleichzeitig leicht sein sollte, war es sicher ausHolz. Am Ende der Deichsel befand sich häufig ein Griff, außerdemhatte es oft eine eigene Vorrichtung, um es abzustellen.

Es findet sich überaus häufig auf Choenkännchen 63 dargestellt, auf we-nigen Vasenbildern anderer Art und seltener auf Grabstelen. Mir sindbisher ca. 50 Darstellungen dieses Spielzeugs bekanntgeworden.

Darstellung auf Vasenbildern:

247 Vasenbild 64, abgebildet bei Deubner: hier wird das Radgestellvon vorne wiedergegeben, während es sonst stets von der Seite dargestelltwird: Es wird von Eros, dem es bis zur Taille reicht, mit der Rechten amoberen Ende der Deichsel festgehalten, deren Einfügung in die Achse, dieAchse selbst und beide Räder in perspektivisch schräger Ansicht zu sehensind. Eros selbst, mit großen Flügeln, eine Binde im Haar, steht mit über-kreuzten Beinen und empfängt eben ein weiteres Geschenk, einen kleinen

62 A. Klein, Child life, S. 13: plaything in form of a single wheel or a pair ofwheels on a pole, v. Hoorn, Choes, S. 44: toy- disc.

63 Die Darstellungen auf Choenkännchen sind fast alle gesammelt bei v. Hoorn,Choes and Anthesteria.

64 Ohne nähere Angabe der Herkunft abgebildet bei Deubner, Spiele und

Spielzeug, Abb. 3.

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R. Schmidt

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