Datierung:
a) Strickschaukel:
Bereits aus dem 6. Jh. stammt die Darstellung auf der sf. Amphoraim Louvre, die übrigen Vasenbilder reichen vom Ende des 5. Jhs. bisins 4. Jh. v. Chr.
b) Wippschaukel: Durch ein frühklassisches Fragment und eine apulischeHydria der klassischen Zeit vertreten.
Drachensteigen
Der Drachen gehört in die Kategorie des„ echten" Spielzeugs. Hart 240in seiner interessanten Studie über die Entwicklung und Verbreitungdieses Spielzeugs definiert ihn folgendermaßen: eine Maschine, schwererals die Luft, vom Erdboden aus an einer biegsamen, beweglichen Schnurgehalten und dazu geeignet, sich in einem bestimmten Winkel zum Hori-zont zu erheben, der sich aus den Kräften ergibt, die durch den Druckdes Windes entstehen 241.
Der Ursprung des Drachens ist vermutlich in China zu suchen, einigeJahrhunderte v. Chr., von wo aus er sich in ganz Südostasien verbreitete.Der Drachen hatte ursprünglich religiösen oder magischen Charakterund diente auch als Signal militärischen Zwecken; erst 960 n. Chr.,unter der Sung- Dynastie, begann er auch, dem Vergnügen zu dienen, eswurde ein eigener ,, Tag des Drachens" eingeführt, ein Drachenfest, dasam 9. Tag des 9. Monats stattfand und das dazu diente, Unglück abzu-wehren.
Gab es nun im antiken Griechenland das Spiel des Drachensteigens 242?Antike Autoren erwähnen nichts davon und ein einziges Bildzeugnis giltseit seiner Entdeckung im Jahr 1867 als Beispiel für Drachensteigen inder Antike 243
Erst im Jahr 1939 durch einen Aufsatz von Plischke 244 ergab es sich,daß es sich bei dem dargestellten Gerät keineswegs um einen echtenFlächendrachen mit Stabgerüst handeln kann:
240 Clive Hart, Kites, an historical survey, London, 1967, S. 21 f.
241 Brockhaus Enzyklopädie, Bd. V, 1968, S. 67, definiert ihn als eine Trag-fläche aus Stabgerüst mit Papier- oder Stoffbespannung, durch eine Schnur ge-halten, die beim Schrägstellen gegen den Wind in die Höhe steigt.
242 Seit Archytas von Tarent, Mathematiker und Mechaniker, Staatsmann undPhilosoph in der 1. H. 4. Jhs. v. in der Encyclop. Britannica, Bd. 13, London,1929, S. 421 als„ Erfinder" des Drachens bezeichnet worden war, wurde dieserIrrtum immer wieder übernommen, in Wahrheit schreibt Aulus Gellius in seinen,, Attischen Nächten", XX/ X/ 12( um 150 v.) von einer Taube, die Archytas ausHolz konstruiert habe, und die zu fliegen vermochte..
243 Auch bei Deubner, Spiele und Spielzeug, gilt die Darstellung des NeaplerVasenbildes als„ Drachensteigen", S. 172.
244 H. Plischke, Alter und Herkunft des Flächendrachens, Göttingen 1939.
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